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Kreis auf Gas-Mangel vorbereitet

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Die Gas-Infrastruktur stand über Jahre nicht im Blick der Öffentlichkeit. Das hat sich geändert. Konopatzki
Die Gas-Infrastruktur stand über Jahre nicht im Blick der Öffentlichkeit. Das hat sich geändert. Konopatzki © hko

Verwaltung stellt Konzept für Sparmaßnahmen und Vorsorge vor

HOCHTAUNUS - Der Blick auf die Verwerfungen auf dem Energie-Markt waren schon bei der Sitzung des Kreistags vor den Sommerferien Thema gewesen. Jetzt hat Landrat Ulrich Krebs (CDU) die dort skizzierten Ansätze in Form gebracht - als "Dienstanweisung für alle kreiseigenen Liegenschaften", die von heute an gilt und den Energie-Verbrauch der kreiseigenen Immobilien um zwölf Prozent senken soll. In den Sporthallen des Kreises, aber auch in den Teeküchen und an Handwaschbecken des Kreishauses wird das Warmwasser abgestellt. In den Immobilien des Kreises soll - soweit möglich - die Raumtemperatur auf maximal 20 Grad Celsius abgesenkt werden, das Wasser im Taunusbad in Usingen auf 26 Grad. Eine Schließung des Bades sei keine Option, betonte Krebs, da es für das Schulschwimmen, das in Corona-Zeiten stark gelitten hatte, eine große Bedeutung habe.

Bei der Vorstellung der Maßnahmen und Planungen war die Botschaft klar: Man hat sich intensiv Gedanken gemacht, ist für den Fall der Fälle vorbereitet und bleibt trotzdem zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt. So füllen sich die Gasspeicher gut - das Ziel von 85 Prozent für Oktober könnte bereits dieser Tage erreicht werden. "Das gibt berechtigte Hoffnung, dass die Situation im Winter nicht so schlimm wird, wie von manchem vermutet", so Krebs. Dennoch seien Einschnitte in der Gasversorgung nicht auszuschließen. Und da wolle man im Kreis eben für alle Eventualitäten gewappnet sein.

Besonderes Augenmerk gelte den vulnerablen Gruppen. Für die Hochtaunus-Kliniken wurden für den Standort Bad Homburg laut Technischem Leiter Lutz Trepte mobile Heiz-Aggregate reserviert, die mit Erdöl funktionieren und ein Megawatt Leistung bringen können. Für den Standort Usingen, wo eine Holz-Pellet-Heizung normalerweise die Hälfte der Heizenergie liefert, wurden 700 Tonnen Pellets geordert. Lediglich für den Standort Königstein gebe es keinen Plan B. Im Fall der Fälle - und auch nur dann - würden die dortigen Patienten auf die anderen Häuser verteilt werden. Beim Blick auf ein mögliches Worst-Case-Szenario müsse man jedoch, so Wolfgang Reuber, beim Kreis "Projektmanager für Sonderlagen", auch die rund 8000 pflegebedürftigen Menschen, die teilweise zu Hause gepflegt würden, im Blick haben.

Die Bevölkerung soll sensibilisiert und, wenn sich eine Gasmangellage abzeichnet, über die Entwicklung engmaschig informiert werden. Reuber hatte sich bereits vor vier Jahren an einer Großübung auf Führungsebene beteiligt, bei der eine Gasmangellage im süddeutschen Raum durchgespielt wurde. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilden die Basis für die Pläne des Kreises. Die Schulen sollen geöffnet bleiben.

Für die bevorstehenden Monate appelliert Krebs an die Solidarität der Menschen im Taunus. "Wir haben in der Corona-Krise gesehen, was wir erreichen können, wenn wir zusammenstehen. Viele Härten konnten dadurch gemildert werden. Ich bitte Sie, diese Solidarität noch einmal zu zeigen und sorgsam mit Energie umzugehen. Jede eingesparte Kilowattstunde hilft, über den Winter zu kommen - und entlastet den eigenen Geldbeutel."

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