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In dem ehemaligen Amt sind 50 Ateliers entstanden.

Offenbach

Kreative bangen um ihre Ateliers

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Im April 2022 laufen die Mietverträge in den Zollamt-Studios in Offenbach aus. Ein Umzug „wäre die Hölle“.

Seit Juli treffen sich die Künstler und Künstlerinnen der Zollamt-Studios regelmäßig, um sich auszutauschen. Abgesagte Messen, fast nur noch virtuelle Ausstellungen und geschlossene Nachtclubs haben die Freischaffenden schwer getroffen. Zu den Sorgen um die eigene Existenz macht sich auch Unsicherheit über die Zukunft breit. „Das Zollamt gerät ein bisschen in Vergessenheit“, sagt Lukas Sünder, der sich mit fünf Mitstreitern in seinem Atelier im sechsten Stock getroffen hat und über die aktuelle Lage berichtet.

Im April 2022 laufen die Verträge der Künstler mit der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) aus. Die wiederum vermietet die Räume selbst nur weiter, Eigentümer ist der Bund. „Wir wissen nicht, ob die Verträge verlängert werden. Wenn nicht muss es Alternativen geben“, fordert Sünder.

Seit 2014 beherbergt das ehemalige Beschaffungsamt der Bundeszollverwaltung 50 Ateliers. Zehn Jahre stand es leer, ehe die Stadt es den Kreativen zur Verfügung stellte. Andrea Blumör weist darauf hin, dass im aktuellen Koalitionsvertrag der Stadtregierung festgehalten ist, dass für die Nutzer der Zollamtstudios eine Anschlusslösung gefunden wird. Der Koalitionsvertrag läuft allerdings aus, da im März 2021 Kommunalwahlen anstehen. „Es ist nicht so einfach, mal eben neue Räume zu finden“, sagt die bildende Künstlerin. Je früher man wisse, wie es weitergeht, desto besser.

Am liebsten würden sie alle natürlich in ihren jetzigen Räumen bleiben. „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Die Lage mitten in der Stadt ist perfekt“, findet Karl-Heinz Thiel. Zwischen 20 und 22 Quadratmeter sind die meisten Räume groß. Zahndesignerin Melanie Balthasar hat zwar nur zwölf Quadratmeter, findet es dort aber „kuschelig“. Und Lukas Sünder hat den größten im Raum ganzen Gebäude mit rund 40 Quadratmetern, wo der Konzeptkünstler, der viel mit Stoffen arbeitet, genügend Platz zur Entfaltung hat.

Karl-Heinz Thiel, Melanie Balthasar, Philipp Lenz, Alwin Dorok, Andrea Blumör und Lukas Sünder (von links) wollen ihre Ateliers in den Zollamt-Studios behalten.

Aufgrund der Gentrifizierung, so Alwin Dorok, gibt es immer weniger abgewrackte Gebäude. Am Marktplatz mussten kürzlich die Ateliers über einem Schnellimbissrestaurant ausziehen, weil das Gebäude abgerissen wird. „Ein Problem ist, dass die anderen Alternativen plattgemacht werden“, ergänzt Sünder.

Für Philipp Lenz wäre es „die Hölle“, wenn er sich etwas Neues suchen müsste. „Wir haben den Raum umgebaut und schallisoliert. Es ist in der jetzigen Immobilienlage unmöglich, etwas Besseres zu finden“, sagt der Sounddesigner. Als Musiker im elektronischen Bereich sei es sowieso schwer, Geld zu verdienen und einen Raum zu finden, wo man Lärm machen könne. Wenn irgendwo etwas vermietet werde, würden sich 200 Leute auf wenige Räume bewerben.

Eigentlich wollten die Kreativen im März einen Tag der offenen Tür veranstalten, um Aufmerksamkeit für ihre Lage zu schaffen. Der musste aber wegen Corona abgesagt werden. „Der letzte Tag der offenen Tür ist einige Jahre her“, berichtet Sünder. Als Ersatz soll es einen Workshop und ein Online-Angebot geben. So planen die Kunstschaffenden, einen eigenen Instagram-Auftritt auf die Beine zu stellen. Die einzelnen Mieter werden jeweils für eine Woche die Leitung des Kanals übernehmen.

Es wurden zudem mehrere Arbeitsgemeinschaften gegründet, um sich für den Erhalt der Zollamtstudios stark zu machen. „Die Politiker haben sich damals alle feiern lassen“, erzählt Karl-Heinz Thiel von der Übergabe des Gebäudes an die Kunstszene. Mittlerweile seien die handelnden Personen von damals nicht mehr da, weder bei der Stadt Offenbach noch bei der GBO. „Jetzt brauchen wir neue Leute, die sich feiern lassen“, sagt Thiel. Wenn man sich Kreativstandort nenne, müsse man schließlich auch was für die Künstler tun. Und Offenbach habe reichlich davon.

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