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Stahlträger stützen nach dem Unfall mit dem Kranwagen die Hauswand der Kurvilla ab, damit das Gebäude stabil bleibt.

Unfall in Bad Soden

Kranwagen aus Hauswand in Bad Soden geborgen

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Die historische Villa an der Königsteiner Straße in Bad Soden, in die am Montag ein Kranwagen gekracht ist, ist nicht akut einsturzgefährdet. 

Der Kranwagen, der am Montag in eine denkmalgeschützte Kurvilla in der Königsteiner Straße gedonnert ist, hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Schutt, Betonteile, verbogene Gartenzaunelemente und Kabel liegen gestern Vormittag wild durcheinander auf dem Grundstück. Ein massives Garagentor ist ruiniert. In der Fassade des Hauses mit den grauen Holzklappläden und dem filigranen Balkon klafft ein großes Loch. Stahlträger stützen das Mauerwerk. Weiße Plastikplanen wehen im Wind und halten den Regen ab. Ein rot-weißes Flatterband und eilig aufgestellte Bauzäune sollen verhindern, dass Passanten, die auf dem Bürgersteig gehen, zu Schaden kommen. Vor dem teilweise zerstörten Haus macht ein Fernsehteam Aufnahmen. Immer wieder stockt der Verkehr auf der Königsteiner Straße, weil neugierige Autofahrer auf die Bremse treten.

Warum der Lenker des Kranwagens, der aus Neuenhain kommend in Richtung Bad Sodener Innenstadt unterwegs war, am Montag um kurz nach 14 Uhr die Kontrolle über sein tonnenschweres Fahrzeug verloren hat, ist bislang nicht geklärt. Der 48-Jährige liege schwer verletzt im Krankenhaus, sagte Polizeisprecher Johannes Neumann der FR. Er habe noch nicht befragt werden können. Weil ein technischer Defekt am Fahrzeug nicht ausgeschlossen werden kann, muss zudem ein Gutachter beauftragt werden.

Diplom-Geologe Mark Herrmann untersucht die Bodenbelastung durch ausgelaufenes Benzin und Öl.

Der Kranwagen hatte in Höhe der Hausnummer 98 die Gegenfahrbahn der Königsteiner Straße gekreuzt, war an der Garageneinfahrt und am Zaun eines Wohnhauses entlanggeschrammt, hatte drei parkende Autos touchiert und war schließlich in der historischen Villa stecken geblieben. Ein Autofahrer, auf dessen Fahrzeug der Kranwagen aufgefahren war, wurde bei dem Unfall schwer verletzt, eine Autofahrerin, die in Richtung Neuenhain unterwegs war, erlitt leichte Verletzungen.

Die Mitarbeiter einer Kommunikationstechnikfirma, deren Büros in der Villa untergebracht sind, kamen mit dem Schrecken davon. Eine der Angestellten habe aus dem Fenster den Kranwagen auf sich zurasen gesehen und sich gerade noch in Sicherheit bringen können, berichtet der Besitzer des Gebäudes, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Aber drinnen, da sieht es wüst aus.“

Noch in der Nacht zum Dienstag hatten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mit Unterstützung einer Fachfirma den zerstörten Kranwagen, der sich tief in den Vorgarten eingegraben hatte, aus dem Gebäude herausgelöst und geborgen. Bis fast 3 Uhr morgens seien rund 70 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagte der Bad Sodener Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer der FR. Auch Mitarbeiter der Bauaufsicht des Main-Taunus-Kreises und Statiker waren dabei. Alles in allem habe der Einsatz 13 Stunden gedauert. Die Königsteiner Straße wurde erst am Dienstagmorgen wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Höhe des Schadens bezifferte Kromer mit rund einer halben Million Euro. Akut einsturzgefährdet sei das Gebäude nicht. Darin arbeiten könne aktuell aber niemand. Nur um die Büros zu räumen, dürfe die Villa betreten werden.

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