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Krankenhaus ist für Gas-Mangel gerüstet

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In Schläuchen wird das heiße und kalte Wasser eingespeist.
In Schläuchen wird das heiße und kalte Wasser eingespeist. © Priedemuth

Kreis hat fünf mobile Heizaggregate gemietet

HOCHTAUNUS - Manch ältere Person sorgt sich angesichts der Weltlage: Was, wenn ich krank werde und operiert werden muss - und das Krankenhaus wegen einer eventuellen Gasmangellage vielleicht nicht mehr betrieben werden kann? „Die Unsicherheit bei den Menschen ist groß“, weiß Alexander Wächtershäuser, Sprecher des Hochtaunuskreises.

Nun, da die Temperaturen tatsächlich herbstlich werden, will die Kreisverwaltung eine beruhigende Nachricht aussenden: Sollte es ans Stilllegen gehen, würden die Kliniken als Teil der kritischen Infrastruktur sicherlich bis zuletzt mit Energie - also Gas für die Heizung und Strom für die Versorgung der Geräte - versorgt. Auch wenn die Experten - wenn überhaupt - erst im Januar oder Februar mit einer Gasmangellage rechnen: Der Kreis hat vorgesorgt und für die Kliniken fünf mobile Heizaggregate gemietet. Die mit Heizöl betriebenen Geräte sollen insgesamt ein Megawatt - also eine Million Watt - Leistung erbringen. „Das entspricht der Anschlussleistung von rund 100 Einfamilienhäusern“, veranschaulicht Lutz Trepte, Technischer Leiter der Kliniken.

„Das ist ausreichend, um das Krankenhaus über den Winter mit ausreichend Wärme zu versorgen“, sagt Landrat Ulrich Krebs (CDU), der betont, dass es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handele. Würde man sich erst um eine Anmietung kümmern, wenn kein Gas mehr strömt, würde man wohl keine Aggregate mehr bekommen.

Doch nun sieht man auf dem Campus an der Zeppelinstraße recht entspannt der kalten Jahreszeit entgegen. Die fünf Anhänger, die übrigens kleiner aussehen als erwartet, warten an der Energiezentrale auf ihren Einsatz, der hoffentlich aber gar nicht nötig sein wird. Dort steht auch ein 10 000 Liter fassender Heizöltank, der bei Bedarf wieder aufgefüllt würde. Zwei bis drei Wochen lang reiche die Menge aus, um die Homburger Klinik warmzuhalten - je nach Außentemperatur.

Gebäude darf nicht auskühlen

Der Ölverbrauch für die Heizaggregate sei vergleichsweise gering, erklärt der Kreis. Denn die meiste Energie würde für das Aufheizen eines Gebäudes benötigt. Die Klinik sei und bleibe aber dauerhaft warm. „Die Patienten- und Behandlungszimmer müssen 20 bis 22 Grad warm sein“, so Trepte. Das ist vorgeschrieben und zur Genesung sinnvoll, gerade nach einer Operation. In den übrigen Bereichen wird eine Temperatur von 19 Grad gehalten. Sollte diese unterschritten werden, schaltet sich die Heizanlage automatisch zu. Dass dies klappt, wurde gerade in einem Probelauf getestet, nachdem die Anlage binnen drei Wochen aufgebaut worden war. Weitere Testläufe sollen folgen, wenn es kälter wird.

Die „Mobi Heats“ der Firma Engie arbeiten nach dem Prinzip eines Heizkreislaufs: Abgekühltes Wasser wird in einem Heizkessel wieder erwärmt. Das heiße Wasser wird dann ins Heizsystem des Krankenhauses mit seinen 2500 Heizkörpern geleitet. Wenn es dort wieder abgekühlt ist, wird es - über eine Verteilerstation - in einen der Heizkessel zurückgeleitet, und der Kreislauf beginnt von vorn. Jedes „Mobi Heat“ hat einen eigenen Heizkessel und einen Brenner; die größeren auch einen eigenen Öltank mit je 1000 Litern. Alle fünf Aggregate zapfen den 10 000-Liter-Öltank an. Dessen Füllstand wird automatisch überwacht.

Mobile Heizaggregate gibt es derzeit nur mit Öl betrieben. Die Zukunft könnten mobile Wärmepumpen sein, die die Luft anzapfen. Die Techniker achten penibel darauf, dass Heizung und Lüftung im Krankenhaus niemals ausfallen. Trepte: „Binnen weniger Minuten wäre das Haus kalt.“ Im OP finde 30 Mal pro Stunde ein Luftaustausch statt. Auch die Infektionsstation, wo die Corona-Patienten versorgt werden, und die Desinfektionsbereiche für die Instrumente müssen immer versorgt sein.

Die Usinger Klinik hat keine „Mobi Heats“, da das Haus durch seine Holzpellet-Anlage vom Gas unabhängig ist. Dank langfristiger Lieferverträge gebe es auch genug Pellets, sagt Trepte. Einzig die Patienten in Königstein müssten im Notfall verlegt werden. Dort würden aber keine akuten Fälle behandelt.

Die Homburger Heizaggregate sind bis Ende April 2023 gemietet. „Dann werden wir mit Blick auf die geopolitische Lage entscheiden, ob wir sie erneut mieten“, so Trepte. Er halte es aber durchaus für möglich, dass dies für den folgenden Winter wieder notwendig sein könnte.

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