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Krach um Stadtwerke-Umzug

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Von: Torsten Weigelt

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Das Gebäude der Stadtwerke in Ober-Erlenbach.
Das Gebäude der Stadtwerke in Ober-Erlenbach. © Michael Schick

Wirbel um den geplanten Stadtwerke-Umzug: Die Opposition bezichtigt den Magistrat der Lüge und fordert einen Akteneinsichtsausschuss. OB Hetjes hingegen verteidigt die geplante Verlegung an den Bahnhof.

Es ist das Prestigeprojekt von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und der schwarz-roten Koalition: Auf dem bisherigen Postareal am Bahnhof soll ein Center mit Kino und Club entstehen. Damit möchte die Politik ein neues Unterhaltungsangebot vor allem für die jüngeren Bad Homburger schaffen, die derzeit nicht gerade mit Ausgehmöglichkeiten verwöhnt sind. Darüber hinaus haben die Stadtverordneten beschlossen, auf dem 4300 Quadratmeter großen Postgelände die Stadtwerke mit ihrer Verwaltung anzusiedeln. Damit hoffen die Verantwortlichen, mögliche Investoren für das Vorhaben zu interessieren.

Doch gerade der Umzug der Stadtwerke aus ihrem jetzigen Domizil in Ober-Erlenbach sorgt nun für gewaltigen politischen Wirbel. Die Bürgerliste (BLB), die den Parlamentsbeschluss noch mitgetragen hat, wettert in einer Pressemitteilung: „Wir sind vom Magistrat belogen und betrogen worden!“ Und der Fraktionsvorsitzende der FDP, Wolfgang Hof, kündigt an, er werde in einer der nächsten Stadtverordnetensitzungen einen Akteneinsichtsausschuss beantragen.

Beide beziehen sich auf ein Schreiben des Eigentümers des aktuellen Stadtwerke-Gebäudes, Peter Löw, das dieser jüngst an die Parlaments-Fraktionen geschickt hat. Löw wehrt sich in dem Brief, der der FR vorliegt, gegen Vorwürfe, sein Gebäude sei marode, verbrauche übermäßig viel Energie und die Stadtwerke-Mitarbeiter müssten sich mit Ratten und Gestank herumplagen.

Das Gebäude sei zwar nicht mehr neu – es stammt aus dem Jahr 2001 – , „aber mit Gewissheit nicht abgewirtschaftet“, betont Löw, der selbst lange politisch in der Bad Homburger CDU aktiv war. Dass es eine Geruchsbelästigung gegeben hat, räumt Löw ein. Allerdings habe das lediglich ein oder zwei Büros betroffen und das Problem sei mittlerweile beseitigt.

Von Rattenplage nichts mitbekommen

Von einer Rattenplage habe der Hausmeister, der fast täglich vor Ort sei, nichts mitbekommen. Dass sich mal eine Maus in die Fahrzeughalle verirre, die sich am Feldrand befinde und immer offen stehe, sei hingegen nicht auszuschließen. Und was den Energieverbrauch angeht, lasse sich das Gebäude „ohne Probleme ertüchtigen“, betont Löw, sollte die Stadt den Mietvertrag verlängern. Derzeit koste die Stadt der durchschnittliche Quadratmeter-Preis für das 9000 Quadratmeter große Grundstück gerade einmal 4,80 Euro netto, die Nebenkosten zwischen 2,50 und 3 Euro, rechnet Löw vor.

Der Magistrat habe bei seinen Umzugs-Plänen „mit falschen Karten gespielt“, moniert FDP-Fraktionschef Hof. So sei das Angebot von Peter Löw, das Bürogebäude in Ober-Erlenbach zu ertüchtigen, den Stadtverordneten verschwiegen worden. Und die Miete für die Stadtwerke werde am Bahnhof etwa eine Million Euro höher ausfallen als am derzeitigen Standort, sagt er voraus.

Damit rechnet auch der Fraktionsvorsitzende der BLB, Armin Johnert. Bislang habe die BLB das nur vermuten können, „jetzt haben wir es schriftlich“. Johnert erinnert daran, dass die Parlamentsmehrheit gegen den Willen der BLB dem Investor für ein „Move & Groove“-Center am Bahnhof wegen Mietkosten von 500 000 Euro pro Jahr eine Absage erteilt hatte.

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) weist die Vorwürfe aus der Opposition zurück. Die Zahlen für Miet- und Nebenkosten der Stadtwerke am Standort Ober-Erlenbach seien jederzeit nachprüfbar gewesen. Und es sei nie die Absicht der Stadt gewesen, den Ruf von Peter Löw zu schädigen. „Uns geht es allein darum, das Richtige für die Stadtwerke zu tun.“ Für diese sei Ober-Erlenbach von Anfang an nur eine Übergangslösung gewesen, betont Hetjes. Das habe auch der Vermieter gewusst.

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