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Korruptionsprozess auf Eis

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Von: Stefan Behr

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Der Frankfurter Immobilienunternehmer Ardi Goldman vor Gericht. (Archivbild)
Der Frankfurter Immobilienunternehmer Ardi Goldman vor Gericht. (Archivbild) © Andreas Arnold

Der Prozess um Schmiergeldzahlungen in der Cargo-City Süd verzögert sich. Die Staatsanwaltschaft legt weitere Akten als Beweismaterial vor. Neu sind die allerdings nicht. Die Unterlagen befinden sich bereits seit geraumer Zeit im Besitz der Ermittler.

Der Prozess um Korruption beim Bau des Luftfrachtstandorts Cargo-City Süd macht Pause. Nachdem die Staatsanwaltschaft überraschend neue Akten als Beweismaterial eingeführt hat, will das Landgericht nun der Verteidigung ausreichend Zeit gewähren, sich in die neue Materie einzuarbeiten. Weiterverhandelt wird jetzt erst wieder am Freitag, 13. März. Dem Antrag der Verteidigung, den Prozess vorerst auszusetzen, wollte die Kammer nicht folgen.

Auch wenn am Freitag in der Verhandlung keine Einzelheiten über die neuen Akten erzählt wurden, steht eines schon mal fest: Neu sind sie auf keinen Fall. Die Unterlagen befinden sich schon seit längerer Zeit im Besitz der Ermittler, wurden aber erst jetzt als Beweismaterial eingeführt – eine Vorgehensweise, die den Vorsitzenden Richter Christopher Erhard nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Die neuen Akten sind jedenfalls 50 Seiten dick, und sie enthalten offenbar E-Mail-Korrespondenz zwischen dem mitangeklagten Makler Uwe S. und einer Firma des Frankfurter Immobilienunternehmers Ardi Goldman.

S. und Goldman sind derzeit so etwas wie die beiden Hauptdarsteller des Prozesses. Goldman ist der einzige angeklagte Unternehmer, der bestreitet, den Fraport-Manager Volker A. und dessen Komplizen Uwe S. geschmiert zu haben, um an die begehrten Bauaufträge heranzukommen. Der Heidelberger Unternehmer Jürgen Harder sowie ein weiterer Geschäftsmann haben die Zahlungen gestanden. Goldman bestreitet, von solchen Zahlungen auch nur etwas geahnt zu haben.

Streit unter den Angeklagten

Uwe S. und Ardi Goldman, die früher laut Goldman so etwas wie „eine Beziehung mit freundschaftlichem Charakter“ verband, schenken sich derzeit vor dem Kadi nichts. Einen Verhandlungstag nach seiner ersten Einlassung hatte Uwe S. nachgelegt – und Ardi Goldman mehr oder weniger unverhohlen der versuchten Zeugenbeeinflussung geziehen. Goldman, sagte er, habe mehrfach den Kontakt zu ihm gesucht und ihm zu verstehen gegeben, dass man weiterhin zu beiderseitigem Nutzen gute Geschäfte tätigen könne – vorausgesetzt, er ziehe seine belastenden Aussagen gegen Goldman zurück. Was er freilich nicht getan hat, im Gegenteil.

Einer von Goldmans Anwälten erstattete daraufhin am nächsten Verhandlungstag Anzeige wegen falscher Verdächtigung gegen Uwe S. Von freundschaftlichem Charakter ist auf der Anklagebank derzeit wenig zu spüren – das gilt für alle der fünf Angeklagten, die sich bereits während der Geschäftemacherei am Flughafen in die Haare gekriegt hatten – was so weit ging, dass Makler S. sein als Provision getarntes und seiner Meinung nach säumiges Schmiergeld vor dem Frankfurter Landgericht einklagen wollte. Man einigte sich damals, wohl aus gutem Grund, außergerichtlich.

Die Zeit der außergerichtlichen Einigungen ist jetzt definitiv vorbei. Und die gerichtliche wird noch dauern. Am 13. März werden Ardi Goldman und Uwe S. aller Voraussicht nach jede Menge weiterer Fragen beantworten müssen. Und bereits jetzt macht sich das Gericht Gedanken über mögliche Verhandlungstage im August – da ist sogar ein samstäglicher Verhandlungstag im Gespräch, was nun wirklich mal was Neues wäre.

Aber nicht das einzig neue. Bislang schafft Goldman es tatsächlich, zumindest optisch seinen Ruf als Paradiesvogel zu untermauern. Am Freitag glänzte er mit einem extrem auffälligen Hut, Modell Vivienne Westwood, sehr groß, mit sehr vielen Beulen drin. Bislang hat Goldman es fertiggebracht, sich jedes Mal von seinen Mitangeklagten modisch abzusetzen – ohne dabei ein Kleidungsstück oder Accessoire zweimal auftragen zu müssen. Es wird interessant zu beobachten sein, ob er das hohe Niveau bis zum Spätsommer durchhalten kann.

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