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Wilhelm Bender war in den Jahren 1993 bis 2009 Vorstandsvorsitzender bei Fraport.
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Wilhelm Bender war in den Jahren 1993 bis 2009 Vorstandsvorsitzender bei Fraport.

Korruption bei Cargo-City-Süd

Von Korruption bei Cargo-City-Süd nichts mitbekommen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Wilhelm Bender, der Ehemalige Fraport-Vorstandsvorsitzende, sagt im Cargo-City-Süd-Prozess vor dem Landgericht als Zeuge aus. Von Korruption will er nichts mitbekommen haben.

Nein, großen Erkenntnisgewinn versprach sich eigentlich niemand von Wilhelm Benders Zeugenauftritt am Dienstag beim Cargo-City-Süd-Prozess vor dem Landgericht Frankfurt. Keiner erwartete, dass Bender sagen würde: „Selbstverständlich wurde beim Bau der Cargo-City Süd geschmiert wie verrückt, und ich war mittenmang.“ Das würde zum einen vielleicht nicht mal der Wahrheit entsprechen. Ganz sicher aber nicht Benders Art.

Vor Gericht bietet der Angeklagte im dunklen Anzug ganz den entspannten, souveränen Raubvogelkapitalisten. In seiner Zeit als Vorstand (1993 bis 2009) ist Bender tatsächlich oft über den Wolken geschwebt. Von der Korruption auf Erden will er wenig mitbekommen haben: „Ich war ständig in der Luft. Ich habe in dieser Zeit Flughäfen für 500 Millionen Euro gekauft. Ich kann mich nicht um Details von Erbbaupachtsverträgen kümmern.“

Dabei waren diese Details oft recht interessant. Wie etwa die ominöse „developer’s fee“, ein nachträglicher Aufschlag auf Erbbaupachtsverträge von knapp einer Million Euro, den die Fraport im Nachhinein von Investoren, also auch von dem Mitangeklagten Ardi Goldman, kassieren wollte – ein in der Tat etwas sonderbares Geschäftsgebaren. Der Verteidiger Volker A.s, des ehemaligen leitenden Fraport-Angestellten, der bei der Grundstücksvergabe ordentlich kassiert haben soll, fragt Bender, ob der je nachgefragt habe, wieso man ausgerechnet eine Million Euro nachträglich abkassiere. „Vielleicht wurde die Frage von mir ja gestellt und zufriedenstellend beantwortet“, sagt Bender, so genau wisse er das nicht mehr. Aber eines wisse er noch: Die Nachfrage nach den Grundstücken sei damals riesig gewesen, dazu hätten sich „Vollkaufleute auf beiden Seiten“ gegenübergestanden – „Warum sollte es die Fraport da nicht versuchen? Der Markt hat es ja offensichtlich akzeptiert.“

„Ich habe nichts mehr aus der Fraport-Zeit“

Mit Details konnte und wollte Bender sich nach eigenen Angaben nie abgeben. Ohnehin hätten in seiner aktiven Zeit ständig Hinz und Kunz irgendwas von ihm gewollt: „Einer wollte eine Spende, der andere einen Job. Wenn ich einen Vortrag gehalten habe, hat sich eine Traube von Menschen um mich gebildet, die irgendeine Idee mit der Fraport hatten.“ Tempi passati: Mit seiner Zeit bei der Fraport habe er abgeschlossen, er besitze auch keinerlei Aufzeichnungen aus dieser Zeit mehr oder drastischer formuliert: „Ich habe gar nichts mehr aus der Fraport-Zeit.“

Nur noch sehr dunkel erinnert sich Bender nach eigenen Angaben an einen Anruf des mitangeklagten Heidelberger Bauunternehmers Jürgen Harder im Juli 2010. In diesem soll Harder Bender über „Ungereimtheiten“ bei der Grundstücksvergabe informiert haben. Im Klartext: Harder soll sich darüber beschwert haben, dass Volker A. und der mit ihm befreundete Makler Uwe S. die Hand allzu weit aufhalten würden. Bender handelte unverzüglich: Er habe die Informationen „weitergegeben in der hohen Erwartung, dass die Fraport sich darum kümmert“.

Einer der Verteidiger der insgesamt fünf Angeklagten will wissen, warum Bender glaube, dass Harder sich 2010 bei ihm gemeldet und sich offenbart habe. „Weil er vielleicht erwartet hat, dass ich ihm helfe“, mutmaßt Bender. Ob er mit Harder befreundet sei, will der Anwalt wissen. Da muss Bender mal kurz nachdenken. Nun ja, man kenne sich, man rufe sich an, aber Freundschaft? „Ich bin sehr restriktiv mit der Definition dieses Begriffs“, erklärt Bender.

Und dann sagt der Mann, den zu seiner Berufszeit nach eigenen Worten die Menschen umkreisten wie Motten das Licht, mit festem tiefen Bass einen Satz, der bei den meisten Menschen traurig klänge: „Ich habe sehr wenig Freunde.“ Aber bei Bender klingt das fast erleichtert.

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