Gut gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag

Auf Rosen gebettet

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Kurz vor der Kommunalwahl wird im Landtag die Rose aus ihrem parlamentarischen Schattendasein geholt. Das führt prompt zu Kabbeleien unter den Abgeordneten. Unser Korrespondent Pitt von Bebenburg berichtet unverblümt.

In dieser Woche hat mir die rote Heidi eine rote Rose geschenkt. Heidi Wieczorek-Zeul, die frühere Entwicklungsministerin, war mit etlichen sozialdemokratischen Parteifreundinnen und einem männlichen Abgeordneten unterwegs, um Blumen zum Internationalen Frauentag zu verteilen.

Es war zwar noch gar nicht Frauentag, aber Kommunalwahlkampf, da kann man den Frauentag auch mal vorziehen (die FR macht das schließlich auch). Die Nachfrage nach Rosen schien allerdings zu stocken. Vielleicht lag’s daran, dass einem in Wiesbaden gerne „kostenlose“ Rosen von Frauen aufgedrängt werden, die eine sehr dringliche Bitte um eine milde Gabe folgen lassen.

So aber wurde die Rose mal aus ihrem parlamentarischen Schattendasein geholt. Denn über Rosen verlieren die Abgeordneten sonst kein Wort. Ich habe es nachgeschlagen. Im Landtag war zwar vom „Rosenkrieg“ die Rede und vom „Rosenmontagserlass“ (in dem der Innenminister den Kommunen nahelegte, Gebühren zu erhöhen), aber sonst kommt die Rose nicht vor.

Außer ein Mal, als der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz die Entlastung von Familien forderte, „die nicht auf Rosen gebettet sind wie wir Landtagsabgeordnete oder wie mancher in manchen Gebieten von Frankfurt“. Das war als Seitenhieb gegen Bettina Wiesmann (CDU) und Marcus Bocklet (Grüne) gerichtet, die aus Frankfurt kommen und eine Freistellung aller Eltern von Kita-Gebühren abgelehnt hatten.

Unablässig werden im Parlament solche Kabbeleien aufgeführt. Manchmal aber wird aus dem Spaß eine verbissene Lustigkeit. Am Donnerstag freuten sich etwa der Offenbacher Tarek Al-Wazir, seines Zeichens grüner Wirtschaftsminister, und der Frankfurter Wirtschaftsdezernenten Markus Frank über eine gute Tourismus-Bilanz. Zugleich warben sie für eine ungewöhnliche Form, Hotels Gäste zuzuführen.

Man könne doch auch als Frankfurter oder Offenbacher einfach mal „ein, zwei Nächte im Hotel verbringen, am besten noch ein Wellnesspaket mit dazu nehmen, da freut sich auch die Frau drüber“, schlug Frank vor. Dabei sei es egal, ob man „aus Frankfurt-Bornheim oder Frankfurt-Offenbach“ stamme, witzelte er.

Al-Wazir nahm die Vorlage auf. Er übernachte gern in Frankfurt, betonte der Minister, „und der Markus Frank in Offenbach“. Was der Dezernent nicht unbedingt hatte hören wollen. „Was?“, fragte der Frankfurter halb amüsiert, halb säuerlich. Nun darf man gespannt sein, wann Frank seiner Frau ein Wellness-Wochenende in Offenbach schenkt und sie dort auf Rosen bettet. Der neue Slogan der Tourismus-Werbung jedenfalls würde passen. Er lautet: „Hessen. Gleich nebenan“.

Pitt von Bebenburg berichtet unverblümt aus dem Landtag. Und er twittert: @PvBebenburg

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