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Kommentar: Immerhin ein Anfang

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Eine Werkstatt ist noch kein Alleinstellungsmerkmal.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die bahnbrechende Steindrucktechnik von Alois Senefelder zwar in München erfunden, aber in Offenbach erstmals kommerziell genutzt wurde. In München war man zu geizig und erkannte wohl auch das Potenzial der neuen Technik nicht. Deshalb entstand Senefelders erste lithographische Anstalt in Offenbach. Seit Jahrzehnten gibt es Gedankenspiele für ein Senefelder-Museum, um den genialen Erfinder und die Steindrucktechnik sowie gleichzeitig die Bedeutung der Stadt als Keimzelle der Lithographie stärker ins Bewusstsein zu rücken. Weil Offenbach aber arm ist und vielleicht auch die nötige Begeisterung fehlte, geschah bislang wenig.

Es ist deshalb erfreulich, dass die Koalition und der SPD-Kulturdezernent, OB Schwenke, an einem Strang gezogen haben. Im Bernardbau wird die Stadt eine Druckwerkstatt einrichten. Für Offenbach ist das eine Chance. Von einem Museum ist zwar trotz der großen Senefelder-Sammlung (noch) keine Rede. Aber ein Anfang ist gemacht!

Einmal mehr werde Offenbach mit wenig Geld viel bewegen, meinte Schwenke. Ob es dazu kommt, ist keineswegs sicher. Die Stadt schafft zwar eine halbe Werkstattleiterstelle. Aber es bleiben offene Fragen.

Die Magistratsvorlage ist dürftig. Sie enthält keine Aussage zum Konzept. Unklar bleibt, wie Offenbach sich als „Wiege“ der Drucktechnik profilieren will. Eine Werkstatt mit historischen Maschinen genügt nicht. Es muss deutlich werden, was das oft beschworene Alleinstellungsmerkmal Offenbachs sein soll.

Vielleicht könnte ein Symposium mit Fachleuten helfen, das klarer herauszuarbeiten. Und: Zwei Museen und eine Stiftung sollen das Projekt vorantreiben. Wer hat das Sagen? Auch das sollte geklärt werden.

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