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Das Homeoffice ist während Corona gewissermaßen Pflicht.
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Das Homeoffice ist während Corona gewissermaßen Pflicht.

Gut gebrüllt

Auf Empfang

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Hessens Landespolitik ist online. Aber manchmal auch echt. Die Kolumne aus dem Landtag.

Ich gebe zu, dass ich mein Haus in dieser Woche erneut verlassen habe. Obwohl die Kanzlerin uns aufgefordert hat, zu Hause zu bleiben. Obwohl der Corona-Gipfel das Homeoffice gewissermaßen zur Bürgerpflicht erklärt hat.

Viele journalistische Arbeiten lassen sich inzwischen tatsächlich vom heimischen Schreibtisch aus erledigen (sofern man einen hat). Wenn SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser über das bevorstehende Jahr spricht oder die Linken Janine Wissler und Jan Schalauske ihren Kommunalwahlkampf erläutern, bin ich per Videokonferenz zugeschaltet.

Manches aber lässt sich nur berichten, wenn man vor Ort dabei ist. Das betrifft die Sitzungen des Staatsgerichtshofs, die nicht im Netz übertragen werden. Oder die Fachausschüsse des Hessischen Landtags. Auch sie sind nicht online zu sehen – selbst wenn sie in Corona-Zeiten häufig im Plenarsaal des Parlaments tagen, wo die Technik für die Übertragung zur Verfügung stünde.

Vieles spielt sich daher fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. In dieser Woche etwa saß ich als einziger Journalist auf der Tribüne, als im Wirtschaftsausschuss über die späte Novemberhilfe diskutiert wurde und im Innenausschuss über Polizeieinsätze im Dannenröder Forst.

Immerhin tagen die Ausschüsse des Landtags auch in Corona-Zeiten regelmäßig in Präsenz. Das ist, wenn man etwa auf die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung blickt, nicht selbstverständlich. Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) hat in dieser Woche deutlich gemacht, wie entscheidend es ist, dass demokratische Institutionen gerade in der Krise funktionieren. „Wir müssen tagen, wir müssen sogar Sondersitzungen machen, wir müssen die Regierung befragen und mit der Regierung den besten Weg diskutieren“, hat er gesagt. So ist es.

Doch Politik wird nicht nur in offiziellen Sitzungen betrieben. Die informellen Gespräche gehören ebenso dazu. In diesen Tagen würden normalerweise Neujahrsempfänge Gelegenheit dazu bieten. Und, kaum zu glauben: Ich war in dieser Woche leibhaftig bei einem Neujahrsempfang. Seit 30 Jahren lädt die FDP-Landtagsfraktion zum schicken Empfang ins Wiesbadener Kurhaus ein. Und in Corona-Zeiten? Ebenfalls. Der Saal war bunt ausgeleuchtet, die Bühne in gleißendes Licht getaucht, die Redner aufgekratzt, ein Kellner bot Getränke an.

Gut, es war trotzdem anders als sonst. Statt 900 Gästen waren ungefähr 20 Personen im Raum: die hessischen FDP-Redner René Rock und Jürgen Lenders sowie ihr rheinland-pfälzischer Parteifreund Volker Wissing, ein paar Journalistinnen und Journalisten sowie ein Dutzend Leute mit Kameras und Bildschirmen, die für die Übertragung sorgten. Denn das Publikum saß daheim. FDP-Landtagsabgeordnete wurden von zu Hause zugeschaltet. „Das ist jetzt mal ein Abenteuer“, stellte Fraktionschef Rock fest.

So wie der Grünen-Landesparteitag, zu dem ich am Wochenende in eine Frankfurter Messehalle gehe. Echt. Auch Grünen-Mitglieder kommen und geben ihr Votum persönlich ab. So normal das ist – in Corona-Zeiten kommt es einem fast verwegen vor.

Doch Präsenzveranstaltungen bleiben eine Ausnahme. Vor allem Abendtermine fallen aus. Für Landtagspräsident Rhein ist das „eine neue Entdeckung, dass man auch ohne die ganzen Veranstaltungen leben kann“. Aber ist das schlimm? Nicht immer. „Manchmal kann ich es auch genießen, einfach zu Hause zu sein.“ Na also! Und gegen die Corona-Verbreitung hilft es auch.

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