Ist Kolonialismus zu selten Thema im Unterricht an Hessens Schulen?
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Ist Kolonialismus zu selten Thema im Unterricht an Hessens Schulen?

Rassismus-Debatte

Ist Kolonialismus zu selten Thema im Unterricht an Hessens Schulen?

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Hessische Geschichtslehrer fordern Verbesserungen, sehen aber eine Online-Petition dazu kritisch. Denn die sei viel zu pauschal.

In der aktuellen Rassismusdebatte haben sich nun auch Hessens Geschichtslehrer zu Wort gemeldet. Deren Dachverband wendet sich gegen eine Online-Petition zum Kolonialismus-Unterricht in der Schule. Dort sei zwar einiges verbesserungswürdig. Allerdings stimme es nicht, wie in der Petition behauptet werde, es werde in Hessen überhaupt keine deutsche Kolonialgeschichte gelehrt und der Geschichtsunterricht diskriminiere aufgrund einer eurozentrisch geprägten Haltung andere.

Die Petition ist zu finden unter www.change.org und ist mit gleichlautenden Forderungen für alle Bundesländer formuliert. Sie berücksichtige daher nicht die jeweiligen Lehrpläne eines Bundeslandes. Daher kritisiere die Petition pauschal in allen Lehrplänen eine fehlende Berücksichtigung der deutschen Kolonialgeschichte sowie ein eurozentrisches Geschichtsbild.

Bezug zum Hier und Heute

In Hessen aber werde die Kolonialgeschichte berücksichtigt, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands, der auch Beispiele anführt. So werde im Unterricht thematisiert, „wie bestimmte Bevölkerungsgruppen gesellschaftlich zu ‚Anderen‘ oder ‚Fremden‘ konstruiert wurden und werden, so dass der ‚Andere‘ in seiner ‚Fremdheit‘ als Bereicherung, aber auch als Konkurrenz oder Bedrohung empfunden wurde und wird.“ Auch Aspekte von Vorurteilsbildung und Rassismus seien in dieser allgemeinen, umfassenderen Formulierung einbezogen, merken die Geschichtslehrer an.

Im Unterricht der gymnasialen Oberstufe gehe es zudem um die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Gegenstand sei dabei vor allem der Aufstand der Herero gegen die deutsche Oberherrschaft, dessen Niederschlagung heute als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts betrachtet werde. Auch Judenemanzipation, die Frauenemanzipation und die Sklavenfrage und -emanzipation in den Vereinigten Staaten würden erfasst. Zugleich räumen die Geschichtslehrer Defizite ein.

Über eine Verbesserung des Geschichtsunterrichts könne und solle deshalb diskutiert werden. Dabei könne es aber auch gerade darum gehen, wie Schulbücher und anderes Unterrichtsmaterial gestaltet seien.

So müsse es etwa immer darum gehen, einen Bezug der historischen Themen zum Hier und Heute herzustellen, statt Themen nach dem Motto „Schublade auf, Schublade zu“ schematisch nacheinander abzuarbeiten. Die (deutsche) Kolonialgeschichte sei kein abgeschlossenes Phänomen der Vergangenheit, sondern müsse in ihren Nachwirkungen bis heute erfasst werden, betonen die Geschichtslehrer.

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