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Da guckt Hündin „Ylva“: Gärtnerin Vera Scheidt pflanzt den Kohlrabi jetzt im Freien an.

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Kohlrabi verträgt ein bisschen Kälte

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Kopfsalat sollte erst ins Beet gepflanzt werden, wenn kein Frost mehr droht.

Vera Scheidt hebt die kleinen Pflänzchen sachte mit dem Pikierstab aus der Saatschale. Dort ist es für die Kopfsalatbabys zu eng geworden. Nun ziehen sie in eine Obstkiste um, die die 24-jährige Gärtnerin zuvor mit zwei Dritteln Erde-Kompost-Gemisch und einem Drittel An-zuchterde gefüllt hatte. Dort haben sie Platz, um groß genug zu werden, um auf dem Feld gepflanzt zu werden.

Mit Pflanzenkindern ist es wie mit Menschenkindern: Man muss sie langsam an die Erwachsenenkost und das raue Leben gewöhnen. Die Anzuchterde enthält wenig Nährstoffe und Krankheitserreger. Strecken die Salatpflänzchen nach kurzer Zeit ihre Wurzeln in das nährstoffhaltige Substrat darunter, werden sie groß und stark. Vera Scheidt sticht mit dem Stab kleine Pflanzlöcher mit einigen Zentimetern Abstand in die Erde, balanciert die Pflänzchen hinein und drückt die Wurzeln an. Mit einer kleinen Gießkanne wässert sie behutsam den Boden und achtet darauf, nicht die Blättchen zu benetzen. „Ein Wasserschwall könnte die Pflanzen unter der Erde begraben“, erklärt sie. Tagsüber dürfen die Pflänzchen die frische Luft genießen, die Nächte verbringen sie noch im warmen Gewächshaus. Frostige Temperaturen sind nichts für sie. In einigen Wochen werden sie groß genug sein, um sie im Freien auszupflanzen – sofern der Wetterbericht keine Minusgrade ankündigt.

Der Kohlrabi hat das Babyalter bereits hinter sich. Ist jetzt ein Schulkind, könnte man sagen. Die etwa zehn Zentimeter großen Pflanzen wurden Mitte März ausgesät, nun ist es Zeit für die betreute Freiheit; ein bisschen Kälte halten sie aus. Scheidt, die im Wiesbadener Verein Naturefund für Biotoppflege und Projektarbeit zuständig ist, versorgt das Versuchsfeld für dynamischen Agroforst in Erbenheim, eine alte Anbaumethode der Indios, bei der Obstbäume, Nutz- und Zierpflanzen und Kräuter in einem bunten Durcheinander auf kleinem Raum wachsen. In Südamerika hat das dem Verein zufolge schon sagenhafte Ertragssteigerungen gebracht. Die Kohlrabi-Schüler erhalten ein Plätzchen unter einem Apfelbaum. Luzerne, Himbeere, Pimpernelle, Salat, Minze und Zwiebel sind die direkten Nachbarn. Die Erde war einige Tage zuvor gegrubbert, geharkt sowie mit Kompost und Stroh bedeckt worden. Deshalb ist der Boden noch feucht, obwohl es wochenlang nicht geregnet hat.

Vera Scheidt gräbt ein Loch, mischt Muttererde mit Kompost hinein und setzt die Jungpflanze ein. „Kante auf Kante“, sagt sie. Will heißen: Der Kohlrabi soll genau auf Bodenniveau sitzen. Sie gießt die Pflanze an und bedeckt die Erde mit Stroh, damit sich die Feuchtigkeit noch lange hält – auch ein Prinzip des dynamischen Agroforsts: Die Erde muss immer mit Grasschnitt, Heu oder Stroh bedeckt sein, damit sich darunter viel Leben bildet. Das steigert die Fruchtbarkeit.

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