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Kofferchaos am Flughafen Frankfurt

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Von: Oliver Teutsch

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Die Bodenverkehrsdienste sind dem Ansturm am Flughafen Frankfurt mal wieder nicht gewachsen. Der Personalmangel ist nur eine der Ursachen.

Frankfurt - Bilder wie diese hatte es zuvor am Frankfurter Flughafen noch nie gegeben. In der Gepäckhalle des Terminals 1 stapelten sich im Juni Hunderte herrenloser Koffer auf den Transportbändern. Sicherheitshinweise wie „Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt“ wurden da zur Makulatur. Für das zwischenzeitige Chaos am Frankfurter Flughafen war nicht zuletzt der Personalmangel bei den Bodenverkehrsdiensten verantwortlich. Die Bodenverkehrsdienste übernehmen alle Serviceleistungen rund um das Flugzeug außer Catering und Reinigung, also den Bustransfer zum Flieger, das Bereitstellen der Brücken, das Betanken und eben das Be- und Entladen der Koffer.

Das Bodenpersonal am Flughafen wird von zwei lizensierten Unternehmen gestellt: Der Fraport-Tochter Fra-Ground und dem Personaldienstleister Wisag. Als Folge der Pandemie und des zeitweiligen kompletten Lockdowns hatten beide Unternehmen personelle Einsparungen vorgenommen. Wisag hatte laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Ende 2020 rund 200 Angestellte entlassen.

Kofferchaos am Flughafen Frankfurt trotz 1500 neuer Fraport-Mitarbeiter am Boden

Die deutlich größere Frapo-Ground hatte etwa 1200 befristete Verträge nicht verlängert und durch Fluktuation frei werdende Stellen nicht neu besetzt. Bereits seit Spätsommer 2021 steuert das Unternehmen gegen und stellt für die Gepäck- und Flugzeugabfertigung wieder ein, wie ein Fraport-Sprecher mitteilt: „Durch umfangreiche Rekrutierungsmaßnahmen konnten wir allein in diesem Jahr bereits über 1500 Kolleginnen und Kollegen einstellen. Trotzdem läuft die Rekrutierung weiter, denn wir brauchen aufgrund der besonderen Herausforderungen noch mehrere Hundert neue Beschäftigte.“

Zu den besonderen Herausforderungen zählen auch die neuen Verkehrsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. „Man braucht frühmorgens und abends mehr Personal“, gibt Verdi-Bereichsleiter Mathias Venema zu bedenken. Das macht die Arbeitsbedingungen nicht unbedingt attraktiver. Viele Beschäftigte sind in andere Bereiche abgewandert. Ein Teil der Busfahrer ist etwa laut Venema bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt untergekommen und hat auf Straßenbahnen umgeschult. Auch in einem neu geschaffenen Frachtzentrum eines großen Internetdienstleisters sind einige untergekommen, die vorher für den Service am Flughafen verantwortlich waren.

Sind so viele Koffer. Tausende vonGepäckstücken kamen diesen Sommer nicht rechtzeitig am Urlaubsort an. imago images
Sind so viele Koffer. Tausende vonGepäckstücken kamen diesen Sommer nicht rechtzeitig am Urlaubsort an. imago images © IMAGO/STAR-MEDIA

Flughafen Frankfurt: „Es wird dauern, bis die Neueinstellungen eine spürbare Entlastung bringen“

Die personelle Situation hat sich etwas entspannt, generelle Entwarnung aber will Fraport noch nicht geben: „Es wird aufgrund der umfangreichen Qualifizierungsmaßnahmen einen Moment dauern, bis die Neueinstellungen eine spürbare Entlastung bringen.“ Der Grund seien aufwendige behördliche Prüfungen und Schulungen für das Personal, das in sicherheitstechnisch sehr sensiblen Bereichen arbeitet. Dies war letztlich auch der Grund, warum Fraport auf die zunächst angedachte Anstellung von bereits geschultem Personal aus dem Ausland verzichtete.

Auch Wisag ist nach eigenen Angaben mittlerweile wieder „gut aufgestellt“. Eine Ausnahme sei noch der Bereich der Fluzeuginnenreinigung am Flughafen Frankfurt, wo derzeit Stellen im zweistelligen Bereich offen seien. Es werde immer schwieriger, „Menschen für diese Cleaning-Tätigkeiten am Flughafen zu gewinnen“, teilte das Unternehmen mit. (Oliver Teutsch)

Noch vor wenigen Wochen diskutierten die Verantwortlichen des Flughafens Frankfurt intensiv, ob Aushilfen aus der Türkei die Personalprobleme des Airports lösen könnten. Doch die nötigen Schulungen für die türkischen Aushilfskräfte seien zu aufwendig, teilt Betreiberin Fraport schließlich mit.

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