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Pfarrerin Petra Lehwalder vor der Nieder-Erlenbacher Orgel. Sie ist die älteste im Frankfurter Stadtgebiet.
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Pfarrerin Petra Lehwalder vor der Nieder-Erlenbacher Orgel. Sie ist die älteste im Frankfurter Stadtgebiet.

Kultur

Königin der Musikinstrumente

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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2021 ist das Jahr der Orgel. Die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach stellt deshalb jeden Monat eine andere vor.

Wer zur Orgel in der altehrwürdigen Kirche von Nieder-Erlenbach will, muss sich erst eine enge Wendeltreppe hochzwängen. „Arbeitssicherheit hat damals noch nicht so eine Rolle gespielt“, sagt Stefan Küchler, Propsteikantor der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach, und lacht. Dann setzt er sich an den Spieltisch und beginnt, an der Orgel zu improvisieren. Die Konferenz der Landesmusikräte in Deutschland hat 2021 als Jahr der Orgel ausgerufen. Das nutzt die Propsteikantorei, um Monat für Monat eine andere aus dem Stadtdekanat vorzustellen. Die Orgel in Nieder-Erlenbach macht den Anfang, weil sie etwas Besonderes ist. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist damit die älteste im Stadtgebiet.

„Unsere alte Kirche und Orgel verbinden uns mit den Generationen, die vor uns hier in den Bänken gesessen und die wie wir schwierige Zeiten durchlebt haben“, sagt Petra Lehwalder, Pfarrerin der Nieder-Erlenbacher Gemeinde. Sie freut sich, dass zu Beginn des Orgeljahres die Orgel ihrer Kirche im Fokus steht. Johann Benedikt Ernst Wegmann, der einer Frankfurter Orgelbauer-Dynastie entstammte, und Johann Friedrich Meynecke erbauten das Instrument 1781, wie eine 1955 entdeckte Inschrift belegt.

Kirchenmusik

Die Offenbacher Kirchenmusikerin Bettina Strübel veröffentlich auf Youtube unter dem Titel „Luther.Mirjam.Offenbach“ regelmäßig einen Orgelpodcast, in dem Musikerinenn und Musiker Kurz-Konzerte geben, nicht nur auf der Orgel.

In der Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache gestaltet der Organist Martin Lücker gemeinsam mit Pfarrer Olaf Lewerenz zweimal in der Woche eine musikalische Andacht. Die nächste ist für Montag, 25. Januar, 16.30 Uhr, geplant.

Zu einer „Corona-Vesper“ unter dem Motto „Die Fastnacht ist eine schöne Zeit“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Unterliederbach für Sonntag, 17. Februar, 18 Uhr, in die Stephanuskirche, Liederbacher Straße 36B, ein. Es spielen Stefan Küchler und Mitglieder der Kantorei Unterliederbach und Höchst. Spenden werden zugunsten von freischaffenden Musikerinnen und Musikern erbeten. . lad

Küchler findet es gleich aus zwei Gründen gut, dass die Orgel als erstes Tasteninstrument überhaupt zum Instrument des Jahres gekürt wurde. Sie gilt als Königin der Musikinstrumente, denn sie ist das größte, das tiefste und höchste, das lauteste und das leiseste. „Sie bietet eine Vielzahl an klanglichen Möglichkeiten“, sagt er und dann sei jede Orgel auch noch ein Unikat, denn sie werde nicht in Serie gefertigt wie andere Instrumente, sondern eigens für jeden Kirchenraum.

In der Nieder-Erlenbacher Kirche stehen Altar, Orgel und Kanzel als Luther’sche Einheit neben- und übereinander. Auch wenn die Orgel über die Jahrhunderte umgebaut wurde, ist sie in großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten. 1984 wurde sie zuletzt restauriert und auf ihre Originalfassung mit einem Manual zurückgeführt, nachdem 1955 nicht sehr erfolgreich ein zweites eingebaut worden war. Ein elektrischer Blasebalg ist aber geblieben. Konfirmanden müssen nicht mehr, wie vor langer Zeit, mit Körpereinsatz für Luft sorgen.

In Corona-Zeiten kommt der Orgel und der Orgelmusik, beide sind 2017 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden, eine größere Bedeutung zu, denn die Gläubigen dürfen im Gottesdienst nicht singen, da sie dabei Aerosole freisetzen und andere Personen anstecken könnten. Die Gemeinde vermisse den gemeinschaftlichen Gesang, sagt Lehwalder. Da sei es für viele tröstlich, dass wenigsten die Orgel nicht schweigen muss.

Konzerte zum Jahr der Orgel seien wegen der Pandemie noch nicht angesetzt, sagt Küchler. Aber die Unterrichtskonzepte für das Erlernen des Orgelspiels würden überarbeitet. Und dann zieht er einen Kasten mit Ledergriff hervor, einen Orgelkoffer, in dem Pfeifen und ein Miniaturblasebalg liegen, den Kinder und Erwachsene ausprobieren können, wenn Orgelführungen wieder möglich sind. Die meisten seien fasziniert, nicht nur vom Klang, sondern auch von der Technik, erzählt er. Und altbacken sei die Orgel keinesfalls. Lehwalder kann ihm nur beipflichten. Ein Brautpaar, beide Star Wars-Fans, hätten sich für ihre Trauung vom Organisten das Darth Vader-Thema gewünscht. „Das ging auch“, sagt sie. Und noch etwas zeichnet die Orgel aus. „Es ist das einzige Instrument, das potenziell einen Ton erzeugen kann, der kein Ende hat“, sagt der Kantor. Vorausgesetzt, die Pfeifen haben genug Luft.

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