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Ein Essen wird auf einen Teller gefüllt.

Ernährung

Kochen für den Klimaschutz in Hessen

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Die Kampagne „Essen in Hessen“ geht zu Ende und zeigt Wege aus der Verschwendung. Kantinen sparen Lebensmittel, Wasser und Ressourcen.

Hessen will den Klimaschutz stärker in die Großküchen und auf die Esstische bringen. Ein Pilotprojekt dazu ging am Freitag zu Ende: „Essen in Hessen – auf dem kulinarischen Weg zur Nachhaltigkeit“. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) lobte die Ergebnisse als „vollen Erfolg auf dem Teller“ und zeichnete sieben beteiligte Betriebe aus.

Die Kantinen konnten laut Studie ihre Lebensmittelabfälle insgesamt um 16 Prozent reduzieren, die Treibhausgas-Emissionen um 15 Prozent und ihren Wasserverbrauch um 13 Prozent.

Teilnehmer waren die Großcaterer Sodexo und Primus Service, der Dienstleister Wisag, das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) Kassel – und drei Gefängnisse. Dort sei das Thema, was auf den Tisch kommt, besonders sensibel. „Wir arbeiten ja im Bereich der unfreiwilligen Nahrungsversorgung“, beschrieb ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wiesbaden: „Wenn wir mal drei Tage am Stück Chappi mit Reis servieren – die Stimmung wollen Sie nicht miterleben.“ Erheiterung im Saal.

Die Kollegen aus der JVA Weiterstadt, Hessens größtem Gefängnis, ahnten schon, dass sie viel Abfall produzierten, aber nicht, wodurch die Mengen konkret entstehen. „Für uns war es ein Aha-Effekt, dass wir allein durch die Umstellung der Rezepturen fast ein Viertel der Ressourcen an Wasser und Energie einsparen konnten.“

Die veränderten Rezepte sind ein Schlüsselkriterium der 2016 gestarteten Kampagne, an der das hessische Umweltministerium und die Umweltschutzorganisation WWF beteiligt sind, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) und die Initiative United Against Waste. Hilfreich ist vor allem die Umstellung auf klimafreundliche Zutaten. Einleuchtendes Beispiel: der Hamburger mit pflanzlichen Zutaten statt Fleischklops.

„Es wurden Hunderte Rezepturen geprüft und in 128 Fällen Veränderungen empfohlen“, beschrieb DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Schließlich gehe es „um enorme ökologische Herausforderungen, um die Zukunft des Planeten“.

Ministerin Hinz erklärte ein Umdenken in den Küchen für unumgänglich: „313 Kilogramm genießbare Lebensmittel landen in Deutschland in der Tonne – pro Sekunde. Das Ausmaß an Lebensmittelverschwendung ist enorm.“ Hessen wolle daher ein Beispiel geben. Die Erkenntnisse des Modellprojekts seien bereits in die Koalitionsvereinbarung der Landesregierung eingeflossen und sollten Teil einer hessischen Ressourcenschutzstrategie werden: weniger Abfall – Geld gespart – in bessere Lebensmittel investiert.

„Wir hoffen, dass sich alle Kantinen beteiligen“, sagte Priska Hinz. Eingeladen zum Ressourcensparen sind auch Privathaushalte – ganz Hessen könne zur Öko-Modellregion werden. Informationen: umwelt.hessen.de

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