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Kliniken hängen weiter am Tropf

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Das Hofheimer Krankenhaus gehört zum Varisano-Konzern, der außerdem das Krankenhaus in Bad Soden und das Klinikum in Höchst betreibt. reuss
Das Hofheimer Krankenhaus gehört zum Varisano-Konzern, der außerdem das Krankenhaus in Bad Soden und das Klinikum in Höchst betreibt. reuss © Maik Reuß

Corona hat Patienten-Verhalten verändert / Ambulante Behandlung im Trend

Hofheim/Frankfurt - Einstimmig hat der Ausschuss für Eigenbetriebe des Kreistags einer Änderung des Konsortialvertrags zugestimmt, der den Zusammenschluss der Kliniken des Main-Taunus-Kreises und des Klinikums Frankfurt Höchst zu den Kliniken Frankfurt Main-Taunus (FMT) regelt. Grund für die Änderung ist die Tatsache, dass das erklärte Ziel, von 2021 an keine Ausgleichszahlungen an die Kliniken zahlen zu müssen, gleich in diesem Jahr 2021 nicht erreicht werden konnte.

Zwar schien alles auf dem Weg zum angestrebten positiven operativen Betriebsergebnis, doch dann kam, was niemand auf der Rechnung hatte: Die Pandemie, die die deutsche Krankenhauslandschaft insgesamt finanziell in Probleme gebracht hat, hat offenbar nachhaltig das Patientenverhalten verändert. Von einem „Trend zur Ambulantisierung“ sprach Kliniken-Geschäftsführer Stefan Schad vor dem Ausschuss.

Immer mehr Behandlungen werden ohne Krankenhausaufenthalt durchgeführt. Was in der Pandemie zunächst aus der Not geboren wurde, wird Normalität. Zudem werde die Anzahl der Tage, die Patienten in den Krankenhäusern verbrächten, immer weniger, so Schad. Die Folge: In ganz Deutschland rechne niemand mehr damit, „dass wir die Patientenzahlen von 2019 wieder erreichen werden“, erläuterte der Geschäftsführer. Für die Kliniken bedeute dies, sie müssten „immer mehr Patienten substituieren in ambulante Strukturen.“

Nun macht auch noch die Energiekrise den Krankenhäusern zu schaffen. Sie haben einen hohen Energiebedarf ohne große Einsparpotenziale. Natürlich schaue man, was machbar sei, so Schad im Gespräch mit dieser Zeitung, doch wirklich groß seien die Möglichkeiten nicht.

Beide Entwicklungen sprechen dafür, dass das Ziel des Zusammenschlusses, die Häuser auf Dauer vom Tropf ihrer Gesellschafter, der Stadt Frankfurt und des Main-Taunus-Kreises, abhängen zu können, auf absehbare Zeit nicht erreicht werden wird. Für 2022 rechnet der Klinik-Konzern mit einem Defizit von 3,2 Millionen Euro für die Main-Taunus-Kliniken (bei einem Plus von 1,8 Millionen für die Privatklinik). Für das Klinikum Höchst wird laut Beteiligungsbericht ein Minus von 6,8 Millionen Euro erwartet.

Weil schon 2021 der Betriebsabschluss ein Defizit von 4,6 Millionen Euro für die Main-Taunus-Kliniken und 4,5 Millionen Euro für das Klinikum Frankfurt Höchst ergeben hatte, wird eine Neuverhandlung zwischen den Gesellschaftern über die „Verlustausgleichsverpflichtung“ nötig, denn diese ist entsprechend dem Konsortialvertrag Ende 2020 ausgelaufen.

Über alle Gesellschaften gesehen, die zu den Kliniken des Main-Taunus-Kreises gehören, ist übrigens das Defizit für 2021 noch größer, wie der Ergebnisbericht für die Eigenbetriebe des Kreises zeigt. Zwar hat die Privatklinik ein Plus von 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet und auch die MTK-Leasing-Gesellschaft, die den Kliniken das Hofheimer Krankenhaus vermietet, konnte mit 117 000 Euro positiv abschließen, doch die Gesellschaft für Fachklinik und Seniorenresidenz brachte mit einem Defizit von 1,05 Millionen Euro (Vorjahr: + 295 000) ebenso ein „nicht zufriedenstellendes Ergebnis“, so die Geschäftsführung, wie die Gesundheits- und Dienstleistungsgesellschaft, zu der unter anderem die Großküche gehört. Ihr Defizit: 814 000 Euro. Auch das MVZ am Krankenhaus Hofheim erwirtschaftete ein Minus in Höhe von 300 000 Euro. Am Ende summiert sich das zu einem Gesamt-Fehlbetrag von 5,2 Millionen Euro.

Mit der Neuverhandlung des Konsortialvertrags muss nun geklärt werden, wie die Gesellschafter mit der veränderten Situation umgehen. In den ersten fünf Jahren nach dem Zusammenschluss hatte jeder die auf seiner Seite anfallenden Defizite getragen. Landrat Michael Cyriax (CDU) machte vor dem Ausschuss deutlich, Gesellschafter und Aufsichtsrat wollten sich nun zusammensetzen, „um zu schauen, wie eine faire Verteilung nicht gedeckter Ausgaben“ ausfallen könne. Für „diese nicht ganz leichten Gespräche“ brauche es Zeit. Daher soll der Vertrag durch einen Zusatz so verändert werden, dass bis Ende März 2023 Raum für eine Einigung ist.

Sollte diese nicht erzielt werden können, greift ein „erweitertes Heimfallrecht“, das heißt, die Stadt Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis erhielten jeweils ihren Teil der FMT-Kliniken zurück in die eigene Verantwortung.

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