Die Notaufnahmen von Krankenhäusern sollen nur für Notfälle da sein.
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Die Notaufnahmen von Krankenhäusern sollen nur für Notfälle da sein.

Gesundheit

Kliniken am Limit: Wie die Situation in den Notaufnahmen verbessert werden soll

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Nun soll endlich eine Lösung für das Problem überfüllter Klinik-Ambulanzen kommen. Bevor das Konzept bundesweit eingeführt wird, startet ein Pilotprojekt in Hessen.

  • Hessisches Pilotprojekt soll bei überfüllten Notaufnahmen helfen
  • Zwei vorhandene Systeme weiterentwickelt und zusammengeführt
  • Hessisches Modell im Bundesgesundheitsministerium vorgestellt

Hessen - „Quantensprung. Bundesweiter Vorreiter. Ein gesundheitspolitisch historischer Tag.“ Die Beteiligten sparten am Freitag nicht mit Superlativen, um den Beginn einer längst überfälligen Modernisierung der Notfallversorgung zu loben. Ein Projekt, in dem der Patient dort behandelt wird, wo ihm am besten geholfen werden kann. Entweder im Krankenhaus oder auch bei einem niedergelassenen Arzt. Eigentlich selbstverständlich. Doch in der Realität landet er viel zu oft in der Notaufnahme eines Krankenhauses und blockiert dort wertvolle Kapazitäten für Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheiten.

Überfüllte Notaufnahmen: Hessisches Model soll helfen

Das neue hessische Modell gestattet Rettungssanitätern, Patienten auch in eine Arztpraxis zu bringen oder an eine solche weiterzuvermitteln. Möglich wird das durch eine sektorenübergreifende Kooperation, die sich schon zum Höhepunkt der Corona-Pandemie bewährt hat, und durch den Einsatz moderner Technik.

Im Herbst solle es losgehen, sagte Eckard Starke, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, im Main-Taunus-Kreis, im Main-Kinzig-Kreis sowie dem Landkreis Gießen. Dort verfügten die Rettungsdienste bereits über die notwendige technische Infrastruktur und es gebe es eine Offenheit für den Einsatz digitaler Medien. Der Main-Kinzig-Kreis etwa erprobt derzeit den sogenannten Tele-Notarzt – der Doktor wird per Video zugeschaltet. Bei den drei Pilotprojekten soll es nicht bleiben, im nächsten Jahr folgen weitere Landkreise und Kommunen.

Das Projekt

Drei Landkreise starten im Herbst mit der ambulanten Notfallversorgung: Gießen, Main-Kinzig, Main-Taunus. Die Landkreise sind als Träger der Rettungsdienste dabei. Das Land unterstützt das Pilotprojekt. Weitere Partner: Hessische Kassenärztliche Vereinigung, Krankenhausgesellschaft, Ärztekammer, Städte- und Landkreistag. jur

Die wissenschaftliche Bewertung übernimmt das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Berlin. Dem Patienten wird die Entscheidung genommen, wohin er sich bei gesundheitlichen Problemen wendet. Er ruft die 112 an oder die 116 117 und wird von dort zur richtigen Adresse gelenkt.

Pilotprojekt gegen überfüllte Notaufnahmen: Zwei Systeme weiterentwickelt

Dafür haben die Partner zwei vorhandene Systeme weiterentwickelt und zusammengeführt: Ivena, in dem die Rettungsdienste nachschauen können, wie einzelne Abteilungen eines Krankenhauses ausgelastet sind. Künftig sind dort auch die teilnehmenden Arztpraxen mit freien Kapazitäten zu finden. Die Informationen über den Patienten werden einmalig digital erfasst und dorthin weitergereicht, wo der Patient am Ende landet. Datenschutzkonform, wie Starke betont.

Er war treibende Kraft bei dem Projekt, das dem seit Jahren schwelenden Konflikt um überfüllte Notaufnahmen in den Kliniken ein Ende setzen soll. „Patienten werden elegant durch das System gelotst“, sagt der Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Steffen Gramminger.

Überfüllte Notaufnahmen: Hessisches Modell im Bundesgesundheitsministerium vorgestellt

Im Bundesgesundheitsministerium hat Starke das hessische Modell schon vorgestellt. Es sei eine Ergänzung des Gesetzentwurfs zur Notfallversorgung, der nach Meinung der Partner zu kurz greift. Statt auf vorhandene Strukturen aufzubauen, werde eine komplett neue geschaffen. (Von Jutta Rippegather)

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