Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mitte Februar beginnt der Klinikbetrieb auf dem Gesundheitscampus.
+
Mitte Februar beginnt der Klinikbetrieb auf dem Gesundheitscampus.

Bad Homburg

Klinik für seelische Leiden

Vitos eröffnet in Bad Homburg einen Neubau mit 110 Betten. Die Jugendpsychiatrie befindet sich in einem eigenen Trakt.

Die letzten Betten sind geliefert, sämtliche 5000 Steckdosen geprüft, die vorgestern versehentlich angebohrte Fußbodenheizung ist repariert, jetzt fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten wie Fußmatten. Am 15. Februar wird die neue Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im neuen, großzügigen Bau auf dem Gesundheitscampus Bad Homburg die ersten Patienten aufnehmen. Gestern wurde die Vitos-Klinik Hochtaunus – pandemiebedingt in kleinerem Rahmen – offiziell eröffnet.

Die insgesamt 6000 Quadratmeter des Gebäudes erstrecken sich über vier Etagen plus Tiefgarage und bieten Platz für 110 Betten, überwiegend in Doppelzimmern. Diese stationären Plätze sind aufgeteilt in Stationen für allgemeinpsychiatrische sowie gerontopsychiatrische (altersbedingte) Erkrankungen, die aus dem Waldkrankenhaus Köppern nach Bad Homburg umziehen.

Der Träger

Vitos: ein Kunstname aus „vita“ (lat.) und „bios“ (gr., beides bedeutet „Leben“), wurde 2008/2009 als gemeinnützige Gesellschaft vom Landeswohlfahrtsverband Hessen gegründet und hat den Schwerpunkt im Bereich psychiatrischer Kliniken.

Die Bauzeit der Klinik an der Zeppelinstraße betrug rund zweieinhalb Jahre. Gut 30 Millionen Euro hat Vitos hier investiert, 110 Mitarbeiter:innen werden sich bei Vitos Hochtaunus um die stationären und ambulanten Patienten kümmern.

Im Waldkrankenhaus Köppern verbleiben die Stationen für Suchterkrankungen und Depressionen. Dort plant Vitos mittelfristig einen Neubau, die Gebäude sind in die Jahre gekommen.

Statistisch gesehen bleibt ein Patient 22 Tage stationär in der Psychiatrie, bevor er in die ambulante oder Tagespflege-Therapie entlassen wird. mmh

Zusätzlich wird eine Station für Psychosomatik (seelische Erkrankungen, die in Zusammenhang mit körperlichen Beschwerden stehen) neu eröffnet. Ein Trakt wird als Wahlleistungsstation geführt, wo die zehn Einzel- und drei Doppelzimmer gehobenen Komfort und weiteren Service bieten. Des Weiteren finden die integrierte Tagesklinik sowie die Ambulanzen für Allgemein- und Gerontopsychiatrie hier neue Räume.

Ein Trakt ist der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorbehalten: Neben einer Ambulanz hat die Tagesklinik Platz für 15 junge Patient:innen, die in eigens vorgehaltenen Klassenräumen auch beschult werden können. Das außen mit zweifarbigem Klinkerstein verputzte Gebäude ist innen hell, freundlich, aber eben auch zweckdienlich und zum Schutz der Patiente:innen gestaltet. Von jedem Flurende und von jedem Bett aus hat man eine schöne Aussicht – entweder auf die Frankfurter Skyline oder über die Kurstadt. „Das Konzept soll den Blick in die Weite lenken, denn Orientierung gibt Halt“, so Architektin Sibylle Kramer in ihrer Videobotschaft.

Öffnen lassen sich die Fenster indes nur an einem schmalen Lüftungsflügel, und die kleinen Balkone sind mit einem fest verankerten Netz gesichert. Einige Zimmer sind neben einem sogenannten Überwachungsraum platziert, von wo das Personal die Patient:innen durch große Scheiben sehen kann – und umgekehrt auch.

„Kameras gibt es hier nicht, das wäre für Patient:innen, die zum Beispiel an Schizophrenie leiden und sich verfolgt fühlen, ein ganz falsches Signal“, erläutert Krankenpflegedirektor Bernd Kuschel beim Rundgang durch das fast bezugsfertige Gebäude.

In den Grußworten, darunter von Landrat Ulrich Krebs, Oberbürgermeister Alexander Hetjes (beide CDU) und Dominik Denschlag, Ärztlicher Direktor der Hochtaunuskliniken, wurde das Sinnbild der Brücke reichlich bemüht. Das liegt auf der Hand, zumal tatsächlich eine gut 20 Tonnen schwere, verglaste Brücke die beiden Klinikgebäude miteinander verbindet. Ein Brückenschlag, mit dem die vielbeschworene interdisziplinäre Zusammenarbeit auch ganz praktisch umgesetzt wird. Denn nicht nur geriatrische Patient:innen leiden häufig an Mehrfacherkrankungen, „auch in meinem Fachbereich, der Gynäkologie und Geburtshilfe, gibt es viele Berührungspunkte zwischen somatischen und psychiatrischen Disziplinen, Stichwort Wochenbett-Depression“, berichtet Denschlag.

Besucherinnen und Besucher sind bei Vitos Hochtaunus übrigens gern gesehen – wenn nicht gerade die Corona-Pandemie alles beherrscht. Und die könnte noch nachhaltig Auswirkungen auf die Psyche der Menschen haben: „Laut Forsa-Umfrage fühlen sich fast 70 Prozent der Menschen derzeit von Corona stark belastet“, weiß Servet Dag, Geschäftsführer Vitos Hochtaunus. Mit der neuen Klinik sei man in der Region indes gut gerüstet.

Susanne Selbert, die Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbandes, ist sich sicher: „Der neue Standort trägt auch zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen bei.“ Und verweist auf den 1922 in Friedrichsdorf verstorbenen Psychiater Emil Sioli, der vor 120 Jahren für die Patient:innen der „Frankfurter Anstalt für Irre“ das Waldkrankenhaus Köppern eröffnete.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare