Bad Vilbel

Klimafreundlichere Burgfestspiele

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Weniger Gäste sollen künftig mit dem Auto zu den Vorstellungen kommen. Erstmals liegt eine Studie zur CO2-Bilanz vor.

Die Bad Vilbeler Burgfestspiele sollen klimafreundlicher werden. Hierbei geht es vor allem um die Gäste, die mit dem Auto zu Musical und Komödie unter freiem Himmel anreisen. Rechnerisch vergrößert jeder Gast seinen CO2-Fußabdruck um knapp 20 Kilogramm pro Vorstellungsbesuch, heißt es in einer Studie, die die Stadt in Auftrag gegeben hat. Bei einem Saisondurchschnitt von etwas mehr als 100 000 Besuchern ergeben sich so rund 1900 Tonnen Treibhausgas Kohlendioxid – in Volumen sind das mehr als 400 000 prall gefüllte Luftballons.

„Bislang waren wir mit dem Thema nicht konfrontiert worden“, sagt Intendant Claus-Günther Kunzmann. Aber wegen des Hessentag 2020 müsse sich die Stadt dem Thema Klimaschutz durch CO2-Reduktion und Kompensation stellen. Die Klimabilanz während der Burgfestspiele bilde eine andere Dimension als ein Hessentag, „aber die Untersuchung ist gut, um ein Gefühl für das Thema zu bekommen“, so Kunzmann.

Mit der Expertise wurde das Büro Firstclimate beauftragt. Erhoben wurden etwa Zahlen aus Bühnen-, Proben- und Gastronomiebetrieb, die CO2-Bilanz der Schauspieler, die bundesweit akquiriert werden und die während der Saison nach Hause oder zu einem anderen Engagement fahren sowie die Anfahrt der Gäste. Hierzu wurden an einigen Abenden nicht repräsentative Befragungen vorgenommen, um sich nicht allein auf die Ortsangabe bei der Kartenbestellung verlassen zu müssen.

Wie nicht anders zu erwarten war, geht das Gros der CO2-Belastung von den Autonutzern aus - mehr als 1300 Tonnen. Laut Kunzmann kommen rund 83 Prozent der Besucher mit dem Auto, elf Prozent mit dem Rad oder zu Fuß und nur 4,5 Prozent mit Bus oder Zug. Mit dem Wachsen der Burgfestspiele kämen immer mehr Besucher von außen, so die Erklärung zur Autonutzung.

Die Einführung eines Kombitickets, bei dem der Eintrittspreis auch die Fahrt mit dem ÖPNV enthält, ist nach Gesprächen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wegen der Kosten verworfen worden. „Da wäre schnell ein sechsstelliger Betrag entstanden“, sagt Kunzmann. Die Ausgabe hätte zu einem „sehr hohen Aufschlag auf den Ticketpreis geführt, der etwa bei den Kindervorstellungen nicht vertretbar sei“.

Der Intendant bezweifelt zudem, dass bei den gegenwärtigen Fahrplänen im Umland ein großer Besucherschwung auf Bus und Bahn zu bewegen sei. Überlegt habe man deshalb auch, einen Shuttle-Service nach Karben fahren zu lassen, wo ein nicht geringer Teil der Besucher herkomme. Allerdings sei die Diskussion ergebnislos an der Frage geendet, welche Uhrzeit am besten sei, die Leute abzuholen und wieder zurückzufahren.

Kompensatorisch könnten laut Kunzmann auch rund 10 000 Euro in Baumpflanzungen gesteckt werden. Doch müsste, um eine größtmögliche Zahl Bäume zu erhalten, das Geld in zertifizierten Regionen außerhalb der EU investiert werden. Ob dieser CO2-Ausgleich geschaffen wird, steht noch nicht fest, heißt es

Damit wegen eines Festspielbesuchs erst gar nicht viel Kohlendioxid entsteht, sollen vor allem Bad Vilbeler mit dem Fahrrad kommen. „Wegen des gutes Wetters in der diesjährigen Saison kamen sehr viele Gäste mit den Rad“, so Kunzmann. Um dies in der nächsten Spielzeit nicht nur vom Wetter abhängig zu machen, soll versucht werden, nahe der Burg weitere Stellplätze für Velos einzurichten. Als weiteren Service soll es Ablagen für Helm und Radlerkleidung geben.

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