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Oskar Mahler im Kunstraum Rote Treppe.

Frankfurt-Bahnhofsviertel

Kleinod im Bahnhofsviertel

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Seit einigen Monaten stellt der Künstler und Galerist Oskar Mahler in seinem „Kunstraum Rote Treppe“ in der Kaiserpassage aus. Der 63-Jährige ist im Bahnhofsviertel kein Unbekannter.

Kleine Brocken Sandstein fliegen, als Nina Hurny Pimenta Lima den Quader mit Hammer und Meißel bearbeitet. Der erste Arbeitsschritt ist getan. Es ist ein ganz besonderer Stein, der im Frankfurter Kunstraum Rote Treppe liegt, ein Fragment aus der Fassade des Frankfurter Hauptbahnhofs.
Aus dem 200 Kilogramm schweren Stück Sandstein soll bis Anfang April ein Denkmal entstehen, das die Bildhauerin gemeinsam mit ihrem Künstlerkollegen Oskar Mahler schaffen wird. Es soll an einen Mann erinnern, der ebenfalls Bildhauer war, an Gustav Herold.

Der Schweizer hat das Frankfurter Stadtbild in besonderem Maße geprägt. Sein markantestes Werk ist die Atlas-Skulptur auf dem Eingangsportal des Frankfurter Hauptbahnhofs, die die Last der Welt schultert. Den Quader wird ein Bronzeguss des Kopfes von Herold zieren. Wenn das Denkmal dann fertig ist, soll es auf der Kaiserstraße in Sichtweite zum Hauptbahnhof aufgestellt werden. So wünscht es sich Oskar Mahler, der Betreiber des Kunstraums Rote Treppe, eines Ausstellungsraums in der Kaiserpassage, die die Kaiserstraße mit der Taunusstraße verbindet.

Seit vergangenem September zeigt Mahler in dem Ladengeschäft Kunst. Der Name des Projektraums stand schnell fest. „Jeder Laden in der Passage hat eine Treppe. Mein Sohn Alex fand, dass wir sie rot streichen müssen“, sagt Mahler. Der 63-Jährige ist im Frankfurter Bahnhofsviertel kein Unbekannter. 2005 hat er im ersten Stock der Schuhmacherei Lenz in der Münchener Straße das Hammer-Museum eröffnet, eins der kuriosesten Museen der Stadt. „Dort steht uns allerdings nur eine kleine Fläche zur Verfügung, es fehlt der Platz, um größere Arbeiten zu zeigen.“

Durch Vermittlung von Stadtrat Markus Frank bekam Mahler die Möglichkeit, in dem Laden in der Kaiserpassage auszustellen, einem der wahrscheinlich spannungsreichsten Orte in Frankfurt überhaupt. Freier und Drogensüchtige nutzen die Passage mit dem Charme der 70er Jahre als Abkürzung, andere finden hier in den Geschäften wunderbare Köstlichkeiten, wie etwa im indischen Lebensmittelladen gegenüber, der auch Übersetzungen in Hindu, Haarfärbemittel, Kricketschläger und Bollywoodfilme anbietet.

Das Projekt Rote Treppe ist ein typischer work-in-progress-Prozess, erklärt Mahler und fährt fort: „wir kennen das Resultat selbst noch nicht“. Er hat für die Galerie einen Zyklus von sieben Ausstellungen entwickelt, die sich im weitesten Sinne mit Menschen und Ideen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel beschäftigt, etwa die Ausstellung „Max Zitate“, die Mahler bis Mitte Oktober gezeigt hat.

20 Zitate von Max, einem verstorbenen Freund Mahlers, hat der Bildhauer in Bleiblech geschlagen und ausgestellt, wie zum Beispiel „Der wichtigste Tag ist der heutige/die wichtigste Stunde, die jetzige/der wichtigste Mensch ist der, mit dem ich es gerade zu tun habe“. Momentan ist in der Roten Treppe die Ausstellung „Menschen und Steine“ zu sehen, eine Koproduktion von Mahler und Nina Hurny Pimenta Lima. Die Bildhauerin hat bezaubernde bronzene Frauenfiguren in unterschiedlichen Posen geschaffen.

Mahler zeigt „Denksteine“, wie er seine Arbeiten nennt. Es sind Arbeiten aus Bleiblech, die Menschen des Bahnhofsviertels gedenken sollen, wie etwa Alfred Hottenrott, der das neue Gleisfeld entwickelt hat und für Mahler der Vater des Hauptbahnhofs ist. Am kommenden Bahnhofsgeburtstag, dem 18. August, wird der „Denkstein“ im Hauptbahnhof platziert werden. Parallel zur Ausstellung arbeiten die beiden Bildhauer am Herold-Denkmal.

Die Ausstellungsreihe wird bis Frühling laufen, dann muss Mahler verhandeln, ob er weiterhin in der Kaiserpassage bleiben kann. Es wäre ihm und Frankfurt sehr zu wünschen.

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