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Der Kleine Waffenschein berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen  zu führen. 

Kleiner Waffenschein

Trend zur Selbstbewaffnung in Hessen

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Die Kriminalität geht zurück, aber immer mehr Hessen besorgen sich Kleine Waffenscheine. Innenminister Peter Beuth sieht diese Entwicklung mit Sorge.

Politiker und Experten sehen mit Sorge den anhaltenden Trend zur Selbstbewaffnung in Hessen. „Die Bürgerinnen und Bürger zu schützen, ist alleinige Aufgabe des Staates“, betont Innenminister Peter Beuth (CDU).

Grund für die Besorgnis ist die anhaltend hohe Zahl von Menschen, die sich einen Kleinen Waffenschein beschaffen. Die Inhaber eines solchen Scheins dürfen Schreckschusswaffen, Signalwaffen und Reizstoffwaffen verdeckt in der Öffentlichkeit tragen.

Dieses bundesweite Phänomen ist auch in Hessen zu beobachten, wie aus der aktuellen Antwort von Minister Beuth auf eine Anfrage von SPD-Abgeordneten im Landtag hervorgeht. Danach wurden im Jahr 2018 landesweit 5287 Kleine Waffenscheine erteilt. Das waren mehr als drei Mal so viele wie 2015 oder 2014.

Im Jahr 2016 war die Nachfrage nach der Erlaubnis steil angestiegen auf einen Höchststand von fast 16 000 Kleinen Waffenscheinen. Seitdem ist sie zurückgegangen, bleibt aber auf einem weit höheren Niveau als vor 2016.

Beuth: Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen steigt seit Silvester 2015

Minister Beuth stellt einen Bezug zu den Übergriffen gegen Frauen an Silvester 2015 in Köln her. Seitdem sei die Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen bundesweit „signifikant“ angestiegen, heißt es in seiner parlamentarischen Antwort. „Dies kann als Ausdruck eines wachsenden subjektiven Sicherheitsbedürfnisses der Bürgerinnen und Bürger gedeutet werden“, meint Beuth.

Der Minister zeigt sich besorgt über die Entwicklung, denn objektiv sei „die Kriminalitätsbelastung in den vergangenen Jahren konstant zurückgegangen“. Die hessischen Sicherheitsbehörden stünden „der Verbreitung von Waffen kritisch gegenüber“. Zudem habe das Land die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Städte Waffenverbotszonen einrichten könnten, so wie Wiesbaden es bereits getan hat.

Die Opposition teilt die Bedenken. Der SPD-Innenpolitiker Tobias Eckert spricht von einer „dramatisch hohen Anzahl“ der neu erteilten Kleinen Waffenscheine. „Offensichtlich herrscht ein gewisses Unbehagen, dass im Notfall keiner hilft“, sagt Eckert. Deswegen müsse die Polizei in der Fläche präsenter werden. Die Selbstbewaffnung bringe jedenfalls nur „trügerische Sicherheit“.

Seit Jahren bemüht sich der hessische Präventionsrat darum, der Kriminalität vorzubeugen. Der Vorsitzende des Landespräventionsrats, Helmut Fünfsinn, sagte der Frankfurter Rundschau: „Der Unterschied zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl und der objektiven Sicherheitslage war noch nie so groß wie heute.“ Tatsächlich seien seit zehn Jahren sinkende Kriminalitätsraten zu beobachten.

Fünfsinn, der im Hauptberuf als hessischer Generalstaatsanwalt tätig ist, warnt insbesondere vor einer Bewaffnung unter Jugendlichen. „Wenn der Gegner auch bewaffnet ist, eskalieren die Dinge schneller“, lautet seine Erfahrung. Gerade im Streit unter Jugendlichen sei es wichtig, cool zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen, empfiehlt er.

Die Entwicklung bei der Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen lässt sich in ganz Hessen verfolgen. In Frankfurt verachtfachte sich deren Zahl 2016 auf 1247. Im vorigen Jahr wurden immerhin noch 573 registriert.

Während die Zahl in vier der hessischen Großstädte und allen 21 Landkreisen 2018 gegenüber dem Vorjahr zurückging, stieg sie in Offenbach an. Dort besorgten sich im vergangenen Jahr 121 Menschen einen Kleinen Waffenschein nach 103 im Jahr davor und 204 im Jahr 2016.

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