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Die Kleinen sollen sich was trauen

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Von: Jasmin Schülke

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Georg Feils alias Ferri plant zum neunten Mal ein Kinderliedermacherfestival.
Georg Feils alias Ferri plant zum neunten Mal ein Kinderliedermacherfestival. © Stephan Morgenstern

Wie begeistert man Kinder für Musik im Zeitalter von Youtube und Casting-Shows? Der Kinderliedermacher Ferri weiß es. Seit fast 30 Jahren bewegt er die Jüngsten und er hat noch viel vor.

Georg Feils alias Ferri ist gerade aus München gekommen und schon wieder auf dem Sprung. Ein Auftritt in Bad Hersfeld steht am Wochenende noch an. Dann kommen Termine in Köln, Düsseldorf und schließlich das Kinderliedermacherfestival. Trotzdem wirkt er nicht gestresst. Im Gegenteil: Er sprudelt vor Ideen. „Ich habe letzte Woche 15 neue Lieder geschrieben“, sagt er. Für eine CD mit dem Thema Weltreise. Zwei Kinder sind mit einem Erfinder im Heißluftballon unterwegs und entdecken ferne Länder, deren Lieder und Instrumente. Georg Feils nimmt Kinder gerne mit auf Reisen und lässt sie Kind sein. Das ist ihm wichtig.

Von der Uni-Kita ins Radio

Seine erste wichtige Reise führte von der Eifel nach Hessen. Nach dem Abitur hielt Feils nichts mehr im kleinen Städtchen Mayen, wo er aufgewachsen ist. Ihn zog es 1972 ins studentenbewegte Frankfurt. „Eine wilde Zeit. Hausbesetzungen, Demos gegen den Vietnamkrieg“, erinnert er sich. Nach dem Pädagogik-Studium fing er in der Kita der Goethe-Uni an – als Nachfolger von Daniel Cohn-Bendit. Und er hat Musik gemacht, Radiosendungen für Kinder. 1985 hatte Feils sein erstes Konzert in Rüsselsheim bei einem Kinderliederzirkus. Die Idee, ein Festival für Kinderlieder zu organisieren, kam Ferri – so sein Künstlername nach einer Kinderbuchfigur von Christine Nöstlinger – bei einem Kinderliederkongress in Hamburg. Das war 1998. „Damals war die Szene noch überschaubar“, sagt Ferri. Mittlerweile gibt es rund 800 Liedermacher in Deutschland.

Kinder in Bewegung

Eines seiner bekanntesten Lieder ist das Gummibärenlied. Was macht ein gutes Kinderlied aus? Ferri überlegt. „Es muss etwas auslösen, etwas haben, an dem Kinder wachsen können. Und es muss Kinder in Bewegung bringen.“ In den vergangenen Jahrzehnten habe sich verändert, dass die Kleinen sich zu wenig bewegen und nicht mehr auf eine Sache konzentrieren können. Was hält er von den vielen Casting-Shows im Fernsehen? „Ich begreife meine Arbeit als Gegengewicht zu diesen Shows“, sagt Ferri. Sie bedeuteten in seinen Augen den Verlust der Kindheit. Ferri möchte die Kleinen in ihrer Spielwelt lassen und keinen Starkult treiben, sondern ihnen Instrumente zeigen oder beibringen, dass man auch in einem leeren Raum Musik machen kann, mit Tischen, Stühlen, Fenstern, die ihren eigenen Klang haben. „Ich will, dass Kinder sich trauen, etwas auszuprobieren.“

Jubiläum in der Alten Oper

Glücklich ist er, wenn junge Eltern nach Auftritten zu ihm kommen und sagen: „Ich war früher auch auf ihren Konzerten.“ 250 Kinderlieder hat Ferri geschrieben, die Requisiten für seine Konzerte sind so umfangreich, dass sie mittlerweile ein Lager unweit seiner Bockenheimer Wohnung füllen. Und auch wenn er laut darüber nachdenkt, einen Gang zurückzuschalten, sind die nächsten Projekte bereits angeleiert. Ferri möchte Geschichten erzählen und dafür die Charaktere, die in den meisten Märchen nur rudimentär angelegt sind, verändern. Eine Kostprobe gibt es am 14. März – mit seiner Tochter Anna (30) tritt er in einem Puppenspiel auf: Herr Wolf erzählt die Geschichte von Rotkäppchen. Der Grimm-Klassiker aus einer anderen Perspektive.

Außerdem wirft ein anderes großes Ereignis schon seine Schatten voraus: Im nächsten Jahr am 3. März feiert das Kinderliedermacherfestival seinen zehnten Geburtstag. Dafür hat Feils den Mozartsaal der Alten Oper gemietet, 33 Liedermacherkollegen haben sich bereits angekündigt. Und Ferri wird an diesem Tag noch einen runden Geburtstag feiern können – seinen Sechzigsten.

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