+
Seit Jahrzehnten ein Geisterhaus: Brauerei Schmucker in Oberzent.

Fusionen von Kommunen in Hessen

Aus Klein mach Groß

  • schließen

Wenn Gemeinden zusammengehen wollen, sind die Bürger gefragt. Einige Beispiele für gelungene und gescheiterte Fusionen von Kommunen in Hessen.

Pflicht ist es keine, aber Kommunen, die sich zusammenschließen wollen, sind gut beraten, ihre Einwohner entscheiden zu lassen. Das raten sowohl das Innenministerium als auch der Hessische Städte- und Gemeindebund. Ob das dann für oder gegen eine Fusion ausgeht, hängt in der Regel davon ab, ob die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an in den Prozess eingebunden wurden, ob sie sich mehr Vor- als Nachteile versprechen – und wie groß die Befürchtungen sind, die eigene Identität zu verlieren.

In Hessen gibt es noch viele kleine Gemeinden. Davon haben 121 weniger als 5000 Einwohner. Laut Landesrechnungshof liegt die Mindestgröße für eine effiziente Verwaltung bei 8000 Einwohnern. Das Land begünstigt im kommunalen Finanzausgleich Gemeinden mit mehr als 7500 Einwohnern.

GELUNGEN: Die Fusion von Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal zur Stadt Oberzent im südlichen Odenwaldkreis ist die erste seit der Gebietsreform der 1970er Jahre. Von 1970 bis 1977 wurden dabei aus ursprünglich 2642 Gemeinden 421. Aus 39 Landkreisen wurden 21. Seitdem gab es in Hessen keine weiteren Zusammenlegungen mehr.

GELUNGEN: Im Landkreis Kassel wollen die Gemeinden Oberweser und Wahlsburg fusionieren. Die Bürger in Oberweser haben sich am 28. Oktober 2018, parallel zur Landtagswahl, mit gut 70 Prozent für die Zusammenlegung entschieden. In Wahlsburg stimmten sogar 74 Prozent für die Fusion. Vollzogen werden soll diese im Jahr 2020. Die neue Gemeinde wird dann rund 5500 Einwohner zählen. Die beiden nordhessischen Kommunen haben mit Bevölkerungsrückgang und Alterung zu kämpfen. Gleichzeitig drücken sie die hohen Kosten für die Infrastruktur. Schon länger gibt es ein gemeinsames Standesamt, kürzlich wurden die Bauhöfe und Gemeindekassen zusammengelegt.

GESCHEITERT: Gescheitert ist demgegenüber im Jahr 2015 die Fusion der Gemeinden Steffenberg und Angelburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf. In Angelburg gab es zwar eine knappe Mehrheit dafür, in Steffenberg aber votierten die meisten mit Nein. Für eine Fusion aber hätten beide Gemeinden zustimmen müssen. Von einem Zusammenschluss hatten sich beide geringere Kosten und höhere Einnahmen sowie Einsparungen bei der Verwaltung versprochen.

GESCHEITERT: Der für 28. Oktober 2018 geplante Bürgerentscheid über die Fusion von Antrifttal und Kirtorf wurde gleich ganz abgeblasen. Zwar votierte die Stadtverordnetenversammlung in Kirtorf geschlossen dafür, in Antrifttal aber kam zeitgleich in der Gemeindevertretung die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht zustande.

GESCHEITERT: Die beiden Odenwaldstädte Michelstadt und Erbach wollten 2009 fusionieren - jedenfalls hatten das die Stadtoberen so ausgehandelt und waren erst dann mit einem nahezu fertigen Vertrag an die Öffentlichkeit gegangen. Der Widerstand war groß, der Zusammenschluss scheiterte am Votum der Bevölkerung. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare