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Schinken hört angeblich gerne Bach!
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Schinken hört angeblich gerne Bach!

Handelskette Tegut

Klassik für Würste und Schinken

Mit Musik sollen die Fleischwaren für die Handelskette Tegut besser reifen. Experten sind allerdings skeptisch.

Ein bis zweimal pro Monat begeben sich die "Fuldaer Stadtstreicher" sonntags in eine Fabrik. Dann ziehen sie weiße Schutzkleidung an und spielen Bach und Mozart. Applaus dürfen die vier jungen Musiker aus Osthessen aber nicht erwarten: Denn das Auditorium besteht aus Blutwurst, Bratwürsten und Schinken, die auf Rollwagen vor sich hin reifen und trocknen.

Das soll unter Einfluss von klassischer Musik besser vonstattengehen, ist Wolfgang Gutberlet überzeugt. Deshalb griff der Chef der in Fulda ansässigen, unter anderem auf Bio-Lebensmittel spezialisierten Supermarktkette Tegut im Jahr 2006 die Idee zu dem unkonventionellen Projekt auf.

Begeistert ist der Musiker Karsten Aßmann von der Akustik in der Fleischhalle: "Die ist vergleichbar mit einer Kirche." Und Gutberlet sagt: "Es mag spektakulär wirken. Aber wir haben schon immer versucht, neue Wege zu gehen. Wir halten das gut aus, sollten wir belächelt werden." Die Handelskette Tegut hat in Hessen, Thüringen, Bayern und Niedersachsen mehr als 300 Supermärkte, knapp 6200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Es wurden bereits im In- und Ausland Weinberge mit Musik beschallt. "Ob das schon andere bei Wurst gemacht haben, habe ich nicht erforscht", sagt Gutberlet. Er habe aber von vielen Versuchen gelesen, die bestätigten, dass klassische Musik Wachstum beeinflussen könne. Ob das auch für Wurst gilt, könne er nicht belegen oder messen, sagt er. Seine Mitarbeiter der Wurstfabrik sollten viel mehr darauf achten, "durch Anschauen, Riechen und Anfassen zu prüfen, ob der Prozess zum Erfolg führt".

Klassische Konzerte für bessere Wurstreifung - das sei eine "obskure Geschichte", findet der Leiter für Sicherheit und Qualität bei Fleisch am Max-Rubner-Institut im oberfränkischen Kulmbach, Klaus Troeger: "Ich sehe da keinen Zusammenhang. Das ist für mich nicht erklärlich." Obgleich es möglich sei, dass Schallwellen physikalische und chemische Prozesse auslösen können. Bei Kühen sei bekannt, dass sie mehr Milch gäben - wegen einer verstärkten Hormon-Ausschüttung.

Auch ein anderer Experte kann sich "keine naturwissenschaftliche Erklärung zusammenreimen". Friedrich-Karl Lücke, Professor im Fachbereich Oecotrophologie an der Hochschule Fulda, sagt: "Mir ist diesbezüglich kein Effekt auf Mikroorganismen bekannt." Um dies zu erklären, bedürfte es Forschungen mit größerem Aufwand. Lücke will die Arbeit im Wurstwerk aber nicht als Hirngespinst abtun. In der Homöopathie sei auch nicht alles erklär- und belegbar.

Teurer sei die Wurst der Marke Rhöngut trotz des Unterhaltungsprogramms nicht, sagt Wolfgang Gutberlet. Und auf der Verpackung steht nichts von Musik. "Wir würden nie mit so etwas werben", bekräftigt der Tegut-Chef. "Es wäre wohl auch schwierig, das der Allgemeinheit verständlich zu machen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Jörn Perske, dpa

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