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Kitas sind am Limit

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Von: Patrick Eickhoff

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Jörg Heinz und Carolin Hartmann sehen die aktuelle angespannte Lage in den Bad Vilbeler Kitas kritisch. eickhoff © Patrick Eickhoff

hr Lächeln haben Jörg Heinz und Carolin Hartmann nicht verloren. „Auch wenn es momentan nicht viel Grund dazu gibt“, sagt der Leiter des Fachbereiches Soziale Sicherung. Die Lage in den Bad Vilbeler Kitas ist ernst. Krankheitsbedingte Ausfälle bringen den Normalbetrieb in Gefahr. Dienstpläne brechen zusammen. Eine Krankheitswelle sorgt dafür, dass die Betreuungszeiten derzeit stark reduziert werden müssen.

Carolin Hartmann, Fachdienstleitung Kita-Büro sagt: „Teilweise sind von 19 Erzieherinnen und Erziehern in einer Kita nur drei anwesend. Die sind natürlich am Limit.“ Eine normale Betreuung sei nicht möglich. Nicht alle Eltern haben dafür Verständnis. Sie werfen der Stadt vor „untätig zu sein“, wie Bad Vilbels Sozialdezernentin Ricarda Müller-Grimm (SPD) sagt. „Das können und wollen wir so nicht stehen lassen.“ Momentan sind 20 von insgesamt 150 Stellen in den städtischen Kitas unbesetzt.

Jörg Heinz erläutert, dass bei den Ausfällen nicht nur Corona eine Rolle spiele. Eine schwangere Erzieherin beispielsweise erhalte umgehend Berufsverbot und falle aus. Seit diesem Jahr gebe es zusätzlich zwei Regenerationstage. „Das gönnen wir den Erziehern, aber der Anspruch darauf, wird erneute Lücken in die Dienstpläne reißen.“

Eine Maske zu tragen sei in der praktischen Arbeit beinahe unmöglich. „Infektionen und Krankheiten verbreiten sich dadurch schneller. Wenn dann, die Eltern ihre Kinder krank in die Kitas schicken, dann geht’s noch schneller.“ Das sei in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt vorgekommen. „Teilweise berichten die Kinder, dass sie Zaubersaft bekommen haben. Oder dass sie sich nachts übergeben mussten, es aber nicht erzählen sollen.“

Krankheitsbedingte Ausfälle bei Erzieherinnen und Erziehern seien eben immer kurzfristig. „Deshalb tut es uns natürlich Leid, dass der Frust beim Abgeben der Kinder gegeben ist. Wenige Ausfälle kann die Leitung meist auffangen. Das Problem ist, dass sich das Bild, wer da ist und wer nicht, auch erst am Morgen zusammensetzt“, erklärt Hartmann.

Jörg Heinz berichtet, dass manche Eltern „schnelle kurzfristigen Ersatz aus erziehernahen Berufen“ fordern würden. „Das mag in der Theorie logisch sein. Aber bei Kinderkrankenschwestern, Tagesmüttern, Hebammen und Co. wird ums Personal gekämpft.“ Schließlich gehe die Bertelsmann-Stiftung davon aus, dass hessenweit rund 25 000 Erzieherstellen nicht besetzt werden können.

Die Stadt sei sehr bemüht, was sich nicht nur in der tariflichen Höhergruppierung der Berufsgruppe zeige, die zum kommenden Jahr in Kraft tritt. Ricarda Müller-Grimm: „Die Personalaufwendungen für die Kitas stellen mit rund 20 Millionen Euro den größten Posten im Haushalt dar.“ Stellenanzeigen, Social-Media-Kampagnen, ein Bewerbertag gehören zum Repertoire. „Die Kollegen präsentieren sich und die Stadt auf Messen. Wir bieten Stipendien für Erzieher in Ausbildung. Wir geben unser Bestes.“ Fest stehe, dass man nicht jeden als Erzieher einsetzen könne, sagt Fachdienstleiter Heinz. „Die Eltern vertrauen uns ihr Höchstes an. An diesem Maßstab sollten wir uns messen lassen.“ Die Stadt prüfe derzeit, neue Wege zu gehen. „Fachkräfte aus dem Ausland“, sagt Ricarda-Müller-Grimm. Dabei habe man in den vergangenen Jahren immer Bedenken, ob der sprachlichen Barrieren gehabt. Mittlerweile gebe es Anbieter, die darauf spezialisiert sein. „Allerdings wäre das auch teuer.“

Fakt ist: Die nächsten Wochen werden nicht besser werden. Das wissen Heinz, Hartmann und Müller-Grimm. Daher haben sie einen Elternbrief ausgeteilt, der auf diese Probleme hinweist. Jörg Heinz sagt: „Wir versuchen alles, um die Lage zu stabilisieren und die Betreuungszeiten normal zu halten.“

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