Kinder in einer Kita (Symbolfoto).
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Kinder in einer Kita (Symbolfoto).

Hessen

Kita-Qualität in Hessen sehr unterschiedlich

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die Zahl der Erzieherinnen pro Kind variiert in Hessen deutlich. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung facht eine neue Debatte an.

Wie gut Kinder in Hessen betreut werden, hängt stark von der Region ab, in der sie eine Krippe oder Kita besuchen. Das geht aus einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Montag in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Danach hat eine Fachkraft in der Krippe in Darmstadt rechnerisch lediglich 3,1 Kinder zu betreuen. Im Landkreis Fulda muss die Erzieherin oder der Erzieher mit 4,5 Jungen oder Mädchen zurecht kommen.

Auch in den Kindergärten klafft die Personalausstattung enorm auseinander. Während nach den Zahlen der Stiftung in Darmstadt 7,6 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es im Werra-Meißner-Kreis bis zu 11,9 Kinder.

Die Forscher sehen in dem Personalschlüssel ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Betreuung. In Hessen falle er etwas ungünstiger aus als im Durchschnitt der westdeutschen Bundesländern – mit 3,8 Krippenkindern pro Fachkraft (Durchschnitt: 3,6) und 9,6 Kindergartenkindern pro Pädagogin (Durchschnitt: 8,5).

Innerhalb von vier Jahren – von 2012 bis 2016 – habe sich die Ausstattung in Hessen „geringfügig verbessert“, stellt die Stiftung fest. In Krippen habe die Zahl der Kinder pro Fachkraft 2012 noch bei 4,1 gelegen, in Kindergärten bei 10.

Das Sozialministerium von Stefan Grüttner (CDU) erklärte die örtlichen Unterschiede damit, dass Kinderbetreuung „eine originäre Aufgabe der Kommunen“ sei, die „vor Ort unterschiedlich ausgefüllt“ werde.

Das Land setze lediglich den Rahmen für eine gute Kinderbetreuung und investiere mit rund 500 Millionen Euro so viel Geld wie noch nie zuvor in diesen Bereich. Im Jahr 1999 seien es erst 65 Millionen Euro gewesen.

Mehr als 80 Prozent der Tageseinrichtungen seien besser mit Personal ausgestattet, als dies gesetzlich vorgeschrieben sei, meldete das Ministerium mit Bezug auf einen aktuellen Evaluationsbericht. Diese Einrichtungen verfügten durchschnittlich über mehr als 55 zusätzliche Fachkraftstunden pro Woche.

Das Ministerium machte darauf aufmerksam, dass Erzieherinnen und Erzieher vor allem in den Großstädten stark gesucht würden. Die Kommunen und freien Träger der Einrichtungen seien aber in der Regel sehr engagiert, den Bedarf zu decken.

Außerdem wachse die Zahl der Menschen, die eine Erzieher-Ausbildung machten, kontinuierlich. Im Schuljahr 2015/2016 – dem letzten, für das Zahlen vorliegen – seien 8413 angehende Erzieherinnen und Erzieher in der Ausbildung gewesen, 3,2 Prozent mehr als im Jahr davor.

Der SPD-Sozialpolitiker Gerhard Merz sagte, die Arbeitssituation der Fachkräfte müsse verbessert werden. „Dringend erforderlich“ wären zum Beispiel eine Anerkennung der Leitungsfunktion mit einer entsprechenden Freistellung und eine Anhebung des Wertes für Urlaubs- und Krankheitszeiten auf ein realistisches Maß, erläuterte Merz.

Bisher erhalten Kitas einen Aufschlag von 15 Prozent für Abwesenheitszeiten durch Krankheiten, Fortbildungen und anderes. Die SPD will diesen Wert auf 20 Prozent erhöhen.

Weitere 20 Prozent zusätzliche Kräfte sind nach Ansicht der SPD als Ausgleich für Elterngespräche oder die Vor- und Nachbereitung der Betreuung notwendig. Dies werde bisher nicht berücksichtigt. Auch für Leiterinnen und Leiter von Kindergärten und Krippen sei keine Extrazeit vorgesehen, obwohl sie zusätzliche organisatorische Aufgaben zu bewältigen hätten.

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