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Veranstaltungen mit menschen waren beim Kirchentag die Ausnahme.
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Veranstaltungen mit menschen waren beim Kirchentag die Ausnahme.

Kirchentag

Kirchentag in Frankfurt: Mit Merkel beim Frühstück

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Das Programm des Kirchentags im Internet ist vielfältig - richtig überspringen will der Funke aber nicht.

Das Frühstück am Samstag beginnt mit Konserven. Das Programm des dritten Ökumenischen Kirchentags im Internet startet um 8 Uhr, doch zunächst werden nur Angebote aus der Mediathek freigegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutiert über Klimaschutz. Kirchentagspräsidentin Bettina Limperg verkündet in der etwas langatmigen Anmoderation, es sei „ein überlebenswichtiges Podium“.

Bis in dem aufgezeichneten Beitrag so etwas wie eine Diskussion entsteht, vergeht mehr als eine halbe Stunde. Zuvor verdeutlicht der Wissenschaftler Ortwin Renn, wie „ambitioniert“ die Klimaschutzziele der Bundesrepublik seien. Vor 30 Jahren habe der Anteil der fossilen Energie bei 86 Prozent gelegen, derzeit bei 77 Prozent. In 25 Jahren soll er bei null sein. Nach weiteren eindrücklichen Zahlen und einem Eingangsstatement von Klimaaktivistin Luisa Neubauer kommt erst mal ein Musikstück, bevor es mit der Diskussion dann wirklich losgehen soll. Mal weiterklicken.

Während die aufgezeichnete Klimaschutzdebatte dem virtuellen Kirchentagsgast noch die Illusion lässt, die Veranstaltung könnte irgendwie tagesaktuell sein, verkündet Ex-Verteidigungsminister Thomas de Maizière einen Klick weiter gleich, die Veranstaltung „Friedenssicherung in einer unsicheren Welt“ sei am 7. Mai aufgezeichnet worden. Das Podium ist auf Englisch, was in Ordnung wäre, würde nicht ein teils fahriger Simultandolmetscher die Originalsprache überlagern. So bekommen die virtuellen Kirchentagsgäste von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg quasi zweisprachig auf den Weg gegeben: „Wie schon die alten Römer wussten: Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“. Mal weiterklicken.

Irgendwie ist es dröge

Die Konserve mit dem wohl größten tagesaktuellen Bezug wird an diesem Morgen unter dem Motto „Was tun gegen Antisemitismus?“ dargereicht. Eine sehr berechtigte Frage und also auch eine wichtige Debatte. Im Fernsehstudio des Kirchentags sitzen drei Männer, zwei Frauen sind aus Brüssel und Berlin zugeschaltet. Aber irgendwie ist es dröge, wenn fünf helle und im Kampf gegen Antisemitismus verdiente Köpfe sich darüber unterhalten, was man gegen Antisemitismus tun könne. Josef Schuster, Zentralrat der Juden, liest seinen Beitrag vom Blatt ab.

Um Punkt neun kehrt Hoffnung ein am Frühstückstisch. Etwa zwölf Musikerinnen und Musiker singen in einem virtuellen Chor ein fröhliches Lied, sie sind im Split Screen eingeblendet, links oben prangt das Wörtchen „live“. Ich bin nicht mehr alleine, denkt sich der Kirchentagsgast vor dem Laptop. Das Programm wird auch gleich lebendiger. Um der Frage nachzugehen, was eigentlich Ökumene (Griechisch: die ganze bewohnte Erde) bedeute, ist das Kirchentagsteam dahin gegangen, wo es wehtut: nach Berlin, in „die Hauptstadt der Atheisten“. Die Bevölkerung auf dem Alexanderplatz ist die erwartet schwere Gegnerin. „Irjendwat mit Ökologie“, berlinert ein Passant als Antwort ins Mikrofon.

Zur Diskussion „Die Corona-Pandemie als spirituelle Herausforderung“ gibt es auch einen Chat. Der wird von den Gläubigen rege genutzt, allerdings meist, um auf technische Probleme beim Empfang hinzuweisen. „Das Echo ist heftig.“ Der User „Eremit“ merkt im Hinblick auf die Anpassung der Gottesdienste in Corona-Zeiten an: „Ich stelle fest, dass die Protestanten ihren Gottesdienst verkürzen, während die Katholiken ihre Liturgie unverändert durchziehen.“

Das Kirchentagsprogramm im Internet geht weiter, aber irgendwie lockt auch die Ausrichterstadt.

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