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Kirche soll keine Sexualmoral lehren

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Von: Detlef Sundermann

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Katholische Erwachsenenbildung Main-Taunus diskutiert mit Theologin Straub und Kabarettist Becker.

Mit Gott und dem Sex, das ist so eine Sache“, meint Meinhard Schmidt-Degenhard von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Main-Taunus. Wie der Allmächtige zu dem Thema steht, ist nicht bekannt, wohl aber die Position der katholischen Kirche. Und um die ging es dem Moderator der Online-Diskussion mit der katholischen Theologin Jacqueline Straub, die darum kämpft, die Priesterweihe zu erhalten, sowie dem in Frankfurt lebenden Kabarettisten und Theaterpädagogen Timo Becker – beide sind leidenschaftliche Katholiken. „Die Liebe ist ein Himmelreich“, nannte die KEB die Veranstaltung, in der eine gegenwartsbezogene und diskriminierungsfreie Kirche gefordert wurde. Ein weiterer Vorstoß, wie ihn jüngst reformorientierte Katholiken mit der „Frankfurter Erklärung“ machten.

Kein Sex vor der Ehe, kein Sex der Lust wegen, kein Sex mit sich selbst, keine gleichgeschlechtliche Liebe. „Wer hat diese Regeln aufgestellt? Alte Männer“, sagte Straub. Diese Regeln seien jahrhundertealt und entsprechen laut der in der Schweiz wohnenden Journalistin nicht dem Heute. Die Sexualmoral liege nicht bei der Kirche, sondern „muss zur Gewissensfrage der Paare werden“. Becker, der demnächst seinen Verlobten heiraten wird, bemerkte, dass etwa Homosexualität nicht, wie die Bibel ermahnt, wider die Natur sei, sondern bei allen Lebewesen vorkomme. Straub sieht die Diskriminierung von Menschen, die nicht nach der Norm leben, auch in den katholischen Dogmen begründet. „Die Gesellschaft orientiert sich an die Kirche.“ Ihr Auftrag müsse daher lauten, „Vorreiterin für Menschenrechte und Nächstenliebe zu sein“.

Anonymer Hass

Becker erfährt die Folgen bei seinem Schulprogramm „Homologie“, in dem es um Homosexualität geht. Die Jugendlichen können nach der Vorstellung auf Zetteln anonym fragen, dabei werden Becker nicht selten „hasserfüllte Bibel- und Surenverse an den Kopf geworfen“.

Der Synodale Weg im Zuge der Aufarbeitung der verheerenden Zahl sexuellen Missbrauchs an Kindern durch Priester und die Frankfurter Erklärung geben Straub und Becker Hoffnung. Es scheint in Deutschland nun ein „positiver Wind zu wehen“, so Becker. Straub würde sich weltweit mehr Druck von den Katholiken wünschen, um die Mauern des Vatikans zu überwinden. Dort sei man schon wandlungsfähig, sagte sie mit Hinweis auf das Zweite Vatikanische Konzil – das vor knapp 60 Jahren abgehalten wurde. Egal wie lange es diesmal dauert.

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