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Der große Saal des Frankfurter Programmkinos Cinema am Rossmarkt wird grade noch renoviert. Die deutschen Kinos sind vom 1. Juli an wieder geöffnet.
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Der große Saal des Frankfurter Programmkinos Cinema am Rossmarkt wird grade noch renoviert. Die deutschen Kinos sind vom 1. Juli an wieder geöffnet.

Neustart der Kinos

Kino nach Corona-Pause in Hessen: Zurück auf der großen Leinwand

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Die Kinos öffnen nach langer Zwangspause und zeigen viele Berlinale- und Oscar-prämierte Filme. Frankfurt startet mit dem Festival „Sommerflimmern“.

Frankfurt - Das Kino „Traumstern“ in Lich ist eine Institution, zu der Filmfans auch weite Reisen unternehmen – und es ist, anders als die meisten anderen hessischen Kinos, bereits seit zwei Wochen wieder geöffnet. „Wir hatten zwar aktuell keine hohen Besucherzahlen, aber großartige Reaktionen“, schwärmt Edgar Langer, einer der beiden Traumstern-Betreiber. „Das ist wie Sonne nach einem langen Regen.“ Dass es jetzt mit der stark gesunkenen Corona-Inzidenz zum 1. Juli deutschlandweit einheitlich wieder losgeht, ist übrigens nicht dem Bund und den Ländern zu verdanken, sondern einer Absprache der Kinos mit den Filmverleihfirmen. Ganz wichtig sind nämlich bundesweit einheitliche Filmstarts.

Corona-Zwangspause der Kinos: Programmkinos öffnen in Frankfurt

Die Wiedereröffnung des bekannten Programmkinos sei großartig gewesen, sagt der Cineast Langer. „Wir hatten im Lockdown kurze Filme fürs Internet produziert. Der Musiker, der den ersten aufgenommen hatte, kam zur Wiedereröffnung und hat sein Stück live fortgesetzt. Er hat es sozusagen aus dem Internet zurückgeholt. Die Leute müssen sich ja nach acht Monaten Schließung erst mal wieder an dieses Erlebnis gewöhnen.“

Kino im Freien – auch das gehört zum Sommer, wie hier in Dietzenbach.

Allerdings sei es wegen der geltenden Auflagen aktuell sehr aufwendig, die Besucherinnen und Besucher daraufhin zu kontrollieren, ob sie denn schon gegen das Coronavirus geimpft, genesen oder negativ getestet seien, berichtet Langer. „Bei Besucherzahlen unter zehn braucht man allein schon eine Viertelstunde, bis dann alle im Saal sind. Bei 50 Leuten ist das gar nicht zu machen.“

Langer beklagt „ein großes Wirrwarr bei den Vorschriften“, das sei nicht immer logisch und nachvollziehbar. „Die Politik hat sich damit abgesichert. Wenn etwas vorfällt, sind wir Kinobetreiber die Blöden. Ich verstehe das ja nicht so ganz: Wenn man in einem Bordell arbeitet, muss man sich einmal wöchentlich testen lassen. Und für den Kinobesuch braucht man zurzeit einen aktuellen Tagestest, der aber nur 24 Stunden gilt. Das schreckt viele ab. Wir bekommen die Verunsicherung der Leute am Telefon mit. Zum Glück ist bei uns direkt gegenüber vom Traumstern ein Testzentrum, aber das schließt abends. Doch es reicht für die 18-Uhr-Vorstellung.“

Kino-Open Airs - eine Auswahl

Frankfurt: Das Freiluftkino Frankfurt gastiert zum zweiten Mal auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums, Ludwigstraße 18 (Eingang). Bis zum 1. August werden im Innenhof aktuelle Filme auf großer Leinwand gezeigt. Los geht’s mit fünf Tagen Lichter-Sommerkino: Vom heutigen Mittwoch, 30. Juni, bis Sonntag, 4. Juli, gibt es ausgewählte Filme. Tickets sind unter www.lichter-filmfest.de oder www.freiluftkinofrankfurt.de erhältlich. Im Anschluss beginnt am Donnerstag, 8. Juli, das Programm des Freiluftkinos Frankfurt. Welche Filme laufen, wird in Kürze auf www.freiluftkinofrankfurt.de bekanntgegeben. Tickets zu 10 Euro können online und an der Abendkasse (öffnet um 20 Uhr) gekauft werde. Einlass ist ab 19.30 Uhr, die Filme beginnen bei ausreichender Dunkelheit. myk

Offenbach Mehrere Filme im Freien zeigt der Verein „Kino im DLM“. Am heutigen Mittwoch, 30. Mai, läuft ab 21.20 Uhr der Film „Stop Making Sense“ auf dem Wilhelmsplatz, angekündigt als „der wohl beste Konzertfilm aller Zeiten“. Anmeldungen mit Name, Adresse und Begleitpersonen an: info@markthaus.eu. Wer etwas vor Ort essen möchte, sollte gegen 20 Uhr kommen. Am Friedrichsweiher läuft am Freitag, 9. Juli, der Film „Die Goldfische“, am Tag darauf „Der Junge muss an die frische Luft“. Geöffnet ist ab 20.30 Uhr, Filmbeginn eine Stunde später. Reservierungen unter www.artefakt-offenbach.de/ladenkino

Dietzenbach: 2019 ein Besucherrekord, 2020 dann gar keine Filme – aber jetzt konnte das Maingau-Open-Air-Kino endlich in die Saison starten. Das Kino im Liegestuhl unter Sternen findet sich an einem ungewöhnlichen Ort: auf einer Wiese im Waldschwimmbad an der Offenthaler Straße 85. Bis 21. August flimmern an den Freitag- und Samstagabenden um 22 Uhr Filme über die 60 Quadratmeter große Leinwand, die im Vorverkauf unter www.main-kino-d.de gebucht werden können. Das Programm ist in diesem Jahr ein Mix aus beliebten Filmen der vergangenen Jahre – unter anderem „The Gentleman“ (2. Juli), die „Rocky Horror Picture Show“ (17. Juli) oder „Tenet“ (20. August). Auch Überraschendes wird geboten: ein Vortrag und Film von Tom Belz mit dem Titel „Mit einem Bein und Krücken auf den Kilimandscharo“, der bereits um 21 Uhr beginnt. Tickets hierfür sind über www.tickets-dietzenbach.de erhältlich. Auf dem gesamten Gelände (außer am Sitzplatz) herrscht Maskenpflicht, eine Registrierung via Luca-App ist verpflichtend. Die Liegestühle dürfen nicht umgestellt werden. ann

Wiesbaden: Nach einer coronabedingten Zwangspause im vergangenen Jahr öffnet am Schiersteiner Hafen das Open-Air-Kino „Schiff“. Von Donnerstag, 22. Juli, bis Sonntag, 1. August, werden aktuelle Kino-Hits gezeigt. Filmstart ist immer um 21 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Los geht es am 22. Juli mit „Besser Welt als Nie“. Dennis Kailing aus Gelnhausen umrundete auf dem Fahrrad die Welt und machte daraus eine packende Dokumentation. Beim „Schiff“ wird sie zum ersten Mal in Wiesbaden gezeigt. Kailing wird persönlich anwesend sein . Im Programm sind auch der Berlinale-Gewinner „Bad Luck Banging or Loony Porn“, der Oscar-Gewinner „Der Rausch“ und Hollywood-Produktionen wie „Der Mauretanier“ und „No Sudden Move“. Außerdem erwarten die Zuschauerinnen und Zuschauer drei Kino-Vorpremieren: der dänische Film „Helden der Wahrscheinlichkeit“, „Der Hochzeitsschneider von Athen“, das Langfilm-Debüt der deutsch-griechischen Regisseurin Sonia Liza Kenterman und „Der Rosengarten von Madame Vernet“. Wegen der Corona-Verordnungen wird das Schiff Open-Air-Kino nach Angaben der Veranstalter anders aufgebaut sein als in den Vorjahren. Die Zahl der Zuschauer musste deutlich verringert werden. Einlass ist nur mit tagesaktuellem Testnachweis, für Genesene oder vollständig Geimpfte möglich. Karten können ausschließlich im Vorverkauf auf der Seite www.schiffestival.de erworben werden. Dort finden Interessierte weitere Informationen und das Filmprogramm. diu

In Weiterstadt findet vom 11. bis 16. August ein Filmfest statt mit jeweils unterschiedlichen Open-Air-Programmen auf dem Bolzplatz am Tännchen. In der Halle des Bürgerzentrums werden tagsüber weitere Progamme angeboten, darunter auch jeweils ein Kurzfilmprogamm für Kinder und Jugendliche. Wann der Vorverkauf startet, soll Anfang Juli bekannt gegeben werden. Infos: www.filmfest-weiterstadt.de. cka

Bad Vilbel: Im Bad Vilbeler Freibad, Huizener Straße 1, gibt es in diesem Sommer wieder Open-Air-Kino: 16 Filmhits werden in der Zeit vom 22. Juli bis 15. August digital auf großer Leinwand gezeigt. Auf www.kultur-bad-vilbel.de gibt es das ausführliche Programm und weitere Informationen. myk

Für die kommenden Wochen und Monate ist das Programm ungewöhnlich hochkarätig – nicht nur im Traumstern, sondern wohl in allen deutschen Kinos. Viele internationale Produktionen konnten bis zu anderthalb Jahre lang nicht gezeigt werden, es gibt deshalb einen regelrechten Stau an Blockbustern und Independent-Filmen, die nun auf die große Leinwand drängen.

„Der neue James Bond wartet schon zwei Jahre auf seinen Kinostart. Er läuft voraussichtlich am 30. September an“, sagt Christopher Bausch, der neben dem Arthouse-Kino Casino in Aschaffenburg die Harmonie, das Cinema und seit neuestem auch das Eldorado in der Frankfurter Innenstadt betreibt, das älteste Kino Frankfurts. „Die meisten Produzenten haben der Versuchung widerstanden, ihre Blockbuster als Stream zu verramschen.“

Die Kinokassen sind wieder besetzt: Im Frankfurter Cinema wartet Laurenz Mitzam auf Filmfans.

Auch Bausch hat, wie viele Cineasten, im Lockdown auf Netflix und Amazon zurückgegriffen – „vorher hatte ich gar keine Zeit für so was“ –, aber er ist wie sein Kollege Edgar Langer vom Licher Traumstern überzeugt: Das Kino wird triumphal zurückkehren. „Da mache ich mir keine Sorgen. Klar, Netflix bleibt ein Konkurrent, aber ohne Kino findet Film nicht statt. Das Kino ist eine Lokomotive für den Film“, sagt Bausch.

Kinos nach Corona-Zwangspause wieder offen: Regeln sind unterschiedlich

Die neuen Regeln für Besucherinnen und Besucher unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Bausch hat den direkten Vergleich, schließlich liegt sein Kino Casino in Aschaffenburg. „Die bayerischen Behörden sind aktuell noch zurückhaltender als die hessischen“, berichtet er. „In Bayern dürfen Sie nur ein Viertel der Plätze belegen. In Hessen ist es immerhin die Hälfte. Das ist schon deutlich besser als der vorgeschriebene Abstand von 1,5 Metern, der zuletzt vor dem Lockdown galt“, sagt er. Und auch die Atemmaske darf, das ist ganz neu, am Sitzplatz abgelegt werden.

Das Film-Festival „Sommerflimmern“

Das Cinema am Rossmarkt in Frankfurt feiert die Wiedereröffnung der Kinos vom morgigen 1. Juli an drei Wochen lang bis zum 21. Juli mit dem Festival „Sommerflimmern“, dessen Medienpartnerschaft wieder die Frankfurter Rundschau übernommen hat. „Das war im vergangenen Jahr ein großer Erfolg“, sagt Kinobesitzer Christopher Bausch. „Da haben wir ganz bescheiden im kleinsten Saal angefangen und immer weiter vergrößert.“

Gezeigt werden große Filme auf großer Leinwand aus den letzten anderthalb Jahren, deren Premieren verschoben werden mussten oder die wegen Corona oft nur wenige Tage im Kino liefen. Unter anderem zu sehen ist das Biopic „Tina“ über die Sängerin Tina Turner, ein besonderer Tipp Bauschs. Auch die Romanze „Frühling in Paris“ der 21 Jahre alten Regisseurin Suzanne Lindon, die auch die Hauptrolle spielt, sei wunderbar, schwärmt er.

In der FR erscheinen vom morgigen Donnerstag an täglich Gutscheine, mit denen Kinofans eine Ermäßigung von zwei Euro erhalten. Karten gibt es unter www.arthouse-kinos.de oder unter Tel. 069/870088088. aph

Kinosäle seien ohnehin ganz spezielle Räume, die schon lange vor Corona strengen Behördenauflagen genügten, wie Bausch betont. „Bei uns arbeiten hocheffiziente Lüftungsanlagen schon seit Jahren ausschließlich mit Frischluft! Außerdem muss man ja auch berücksichtigen, dass Kinos keine Kneipen sind. Wer einen Film anschaut, redet in der Regel nicht und alle schauen in dieselbe Richtung.“

Für ganz Ungeduldige beginnt das Kinoprogramm in Frankfurt schon am heutigen Mittwochabend wieder. Der Regisseur Pepe Danquart ist mit seinem brandneuen Dokumentarfilm „Vor mir der Süden“ auf den Spuren Pier Paolo Pasolinis persönlich zu Gast in der Harmonie in Frankfurt-Sachsenhausen. Nach der Vorstellung um 20.15 Uhr diskutiert er mit dem Publikum – endlich mal wieder live. Zumindest am Dienstagabend gab es sogar noch einige Karten dafür. (Andreas Hartmann)

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