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Am herzförmigen Gesicht sind die Tiere zu erkennen.

Friedrichdorf

Kinderstube für Schleiereulen

In Friedrichsdorf brüten die scheuen Nachtvögel in Scheunen.

Sie hat ein herzförmiges Gesicht und gleitet scheinbar lautlos durch die Nacht. Die Schleiereule ist selten geworden. Ein Single-Eulenmännchen lebt jedoch in der alten Scheune einer Hofreite, die Sandra Ceasar und Ralf Setton gehört, in Alt Burgholzhausen in Friedrichsdorf. Die beiden haben, mit Hilfe von Daniel Neubacher von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), einen großen Nistkasten installiert. Damit der Eulen-Mann seine Auserwählte heimführen und mit ihr kleine Eulen großziehen kann.

Die Balz dauert wochenlang, bis es zur Paarung kommt. Je mehr Mäuse – die Schleiereulen-Leibspeise – es gibt, desto früher und öfter brüten die scheuen Vögel. Mitunter sogar drei Mal in einem Jahr. Hat ein Eulen-Paar einen Brutplatz bezogen, nutzt es ihn gern immer wieder.

In einem Nistkasten in einer anderen Scheune ist bereits ein Schleiereulen-Paar eingezogen, wie die Burgholzhäuser Tierfreundin Susanne Noster berichtet. Dort wachsen sechs Eulenkinder heran. Die Eltern haben Arbeitsteilung: Die Mama hat gebrütet und füttert die Kleinen. Der Papa schafft Nahrung heran. 50 bis 60 Mäuse fressen Mutter und Kinder in einer Nacht.

Tierschutz

Wer eine Schleiereule sichtet , wird gebeten, sie der ornithologischen Gesellschaft HGON zu melden. So können Vogelbestände verfolgt und Nistmöglichkeiten gesucht werden.

Der Verband arbeitet eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen und versucht, die Reviere für bedrohte Vögel zu erhalten. Für die Finanzierung des Projektes zum Erhalt der Schleiereulen hat die HGON im Hochtaunuskreis einen zweckgebundenen Betrag aus der Umwelt-Lotterie von Lotto-Hessen erhalten.

Kontaktmöglichkeit: per E-Mail an daniel.neubacher@hgon.de, Telefon 01 78 5 64 19 22.

Im Frühjahr hatte der Scheunen-Besitzer das Eulenpaar entdeckt und wollte ihm eine geschützte Brutstätte nebst Winterquartier anbieten. In einer Woche wurde mit Unterstützung des Gonzenheimer Schreiners Peter Merk ein Eulen-Nistkasten gebaut und aufgehängt. Die Felder und Streuobstwiesen an den nahe gelegenen Erlenbach-Auen sind eine ideale Umgebung für die scheuen Tiere. Die Männchen verteidigen ihr Revier mit einem langgezogenen Kreischen.

Das dritte Eigenheim für Greifvögel, auf dem Reinhardtshof, ist auch bewohnt, aber nicht von Schleiereulen. Dort hat es sich ein Falkenpaar gemütlich gemacht. Gesucht werden weitere Scheunenbesitzer, die einen Nistkasten installieren wollen.

Schon vor über 100 Jahren waren Landwirte Gastgeber für die eifrigen Mäusejäger. In der Suleburc Chronik, Jahrgang 11 von 1980, steht im Aufsatz von Johannes Stroh „Burgholzhausen 1900-1910“: „Jede Scheune hatte in der Giebelwand eine offene Luke, das sogenannte Eulenloch. In der dunklen Scheune fanden die Schleiereulen (. . .) eine ihnen zusagende Nistgelegenheit. Vernünftige und aufgeklärte Landwirte sahen es gern, wenn Eulen in ihren Scheunen nisteten; denn sie vertilgten eine Unzahl von schädlichen Mäusen.“

Laut Neubacher sind derzeit im Hochtaunuskreis nur drei Brutpaare bekannt. Ein Oberurseler Eulenpaar habe dieses Jahr aus unbekannten Gründen nicht gebrütet, berichtet der Ornithologe und Biologe. Vor einigen Jahren noch habe es im Usinger Becken mehrere Brutpaare gegeben.

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