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Immer mehr Kinder in Hessen leben mit ihren Eltern in Armut.

Kinderarmut in Hessen

Kinderarmut treibt Landtag um

Mehr als 120.000 Kinder bis 14 Jahre leben in Hessen in Hartz-IV-Haushalten. Die Opposition im hessischen Landtag sieht das Thema Kinderarmut an den Rand gedrängt.

Mehr als 120 000 Kinder bis 14 Jahre leben in hessischen Hartz-IV-Haushalten. In der Altersgruppe bis 24 Jahre sind es fast 250 000 Betroffene. Das geht aus Antworten von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) auf eine Große Anfrage der Linken im Landtag hervor. 
In einer Sondersitzung des Sozialausschusses wurde darüber debattiert, wie Kinder und Jugendliche vor Armut geschützt werden könnten. Rund 16,5 Prozent der Hessinnen und Hessen gelten als armutsgefährdet, weil sie weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung haben. Bei Kindern unter 18 Jahren liegt ihr Anteil mit 21,6 Prozent deutlich höher, bei den 18- bis 25-Jährigen sogar bei 28,2 Prozent. 

„Das Thema wird von der Landesregierung an jeder möglichen Stelle abmoderiert, während sich die Lage von Kindern und Jugendlichen verschlechtert“, beklagte die Linken-Sozialpolitikerin Marjana Schott. „Sie werden eine Menge tun müssen in der nächsten Legislaturperiode, wenn Sie Armut bekämpfen wollen“, rief sie CDU und Grünen zu. 

Späte Antwort

Schott hatte im Juni 2017 den Fragenkatalog eingereicht, den Minister Grüttner erst anderthalb Jahre später beantwortete. Sozial-Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) verwies zur Begründung auf den erheblichen Umfang der Fragen. Der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz teilte Schotts Einschätzung, „dass Themen wie diese an den Rand gedrängt werden“. Merz forderte eine Reihe von sozialpolitischen Verbesserungen, von der Gebührenfreiheit in der Kinderbetreuung über besser ausgestattete Familienzentren bis zum Ausbau von Schulsozialarbeit. Der Grünen-Sozialpolitiker Marcus Bocklet warf Merz und Schott daraufhin vor, den Landtagswahlkampf fortzusetzen. 

Bocklet und die CDU-Abgeordnete Birgit Heitland widersprachen dem Eindruck, die schwarz-grüne Landesregierung habe nichts gegen Kinderarmut unternommen. Sie verwiesen auf ein Programm zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen, die teilweise erfolgte Entlastung der Eltern von Kita-Gebühren, den Ausbau von Familienzentren oder die Einführung eines Sozialbudgets.

Der Grüne Bocklet räumte ein: „Jede Landesregierung hat so lange nicht genug getan, solange es noch Kinderarmut gibt.“ Entscheidender Faktor im Kampf gegen Armut sei es, Menschen in Lohn und Brot zu bringen. 

Die schwarz-grüne Landespolitik setze daran an, „Vermittlungshemmnisse“ abzubauen. Dazu zählten mangelnde Qualifikationen, Schuldenlasten oder Krankheiten und Sucht. Hessen habe die Schuldnerberatung und Drogenberatung ausgebaut und dafür gesorgt, dass weniger junge Menschen die Schule abbrächen, betonte Bocklet. Das helfe, Armut zu vermeiden

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