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Kinder in die Klassenzimmer!

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Klarheit ist nötig, ob Kinder wirklich die Superspreader sind, als die sie gelten. Denn es droht eine Bildungskatastrophe.

Hurra, die Schule beginnt! Wer hätte gedacht, dass sich Kinder und Jugendliche so darauf freuen könnten, wieder die Schulbank drücken zu dürfen. Und die Eltern erst.

Aber halt. Längst nicht alle sind damit glücklich. Und das aus ganz verschiedenen Gründen.

Denn wer sagt denn, dass das Infektionsrisiko trotz aller Hygienemaßnahmen nicht doch zu groß ist? Für die Schüler und Schülerinnen selbst, deren Angehörige, die Lehrkräfte? So würden so manche Eltern ihre Kinder lieber zu Hause wissen als im Getümmel mit anderen. Nicht wenige Lehrkräfte halten es für eine Zumutung, wieder vor die Klasse treten zu müssen, auch wenn sie keiner Risikogruppe angehören. Die Ängste vor dem unheimlichen Coronavirus sitzen tief.

Und die anderen? Müssen erkennen, dass es mit dem Neustart an den Schulen gar nicht so weit her ist. Kaum mehr als ein Notunterricht wird in den nächsten Wochen und Monaten dort stattfinden. 48 Unterrichtsstunden soll jeder Schüler, jede Schülerinnen möglichst bekommen. So die Vorgabe aus dem Kultusministerium. 48 Stunden. Insgesamt. Bis zu den Sommerferien. Also weniger als acht Stunden pro Woche. Das reicht kaum für die Hauptfächer.

Ungerechtigkeitsverstärker Homeschooling

Bleibt das Homeschooling. Dieser Ungerechtigkeitsverstärker schlechthin. Die einen erhalten jegliche Unterstützung von zu Hause und ihren Schulen, die anderen werden immer mehr abgehängt. Und jetzt soll das noch wochen- und monatelang so weitergehen. Und wer weiß, was nach den Sommerferien ist?

Aber so kann und darf es nicht weitergehen. Nicht, wenn es irgendeine Chance gibt, es anders zu machen, die Schultore wirklich wieder weit zu öffnen, für alle und an allen Wochentagen, für – man wagt es kaum auszusprechen – normalen Unterricht.

Undenkbar? Was, wenn Kinder und Jugendliche gar nicht die Superspreader sind, also die Weiterverbreiter einer Covid-19-Infektion, als die sie gelten? Wenn sie, die selbst in aller Regel kaum unter einer Infektion leiden, auch sonst nur wenige andere anstecken? Es gibt Hinweise, dass es so sein könnte. Island etwa hat viel getestet – und meldet keinen einzigen Fall, bei dem ein Kind einen Erwachsenen infiziert hätte.

Es gilt, eine Gesundheitskatastrophe abzuwenden. Aber daraus darf keine Bildungskatastrophe werden, wie sie sich gerade abzeichnet. Klarheit ist nötig.

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