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Fridays for Future, unter diesem Motto gehen Schülerinnen und Schüler immer freitags für den Klimaschutz auf die Straße, wie hier in Frankfurt.

Jugendring

Wie können junge Menschen in Hessen mitmischen?

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Die FR hat  Constanze Coridaß vom Hessischen Jugendring gefragt, wie junge Menschen mitmischen können.

Constanze Coridaß (35) ist stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Jugendrings. Seit sechs Jahren ist sie Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und leitet das bischöfliche Jugendamt im Bistum Mainz.

Frau Coridaß, jeden Freitag gehen Schüler und Schülerinnen für den Klimaschutz auf die Straße. Überrascht Sie das? 

Nein, das überrascht mich nicht. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Kinder und Jugendliche versuchen, ihre Zukunft mitzugestalten. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, nehmen sie es sogar in Kauf, dass sie ihre Schulpflicht verletzen, weil sie während der Unterrichtszeit auf die Straßen gehen. Es ist leider auch ein Beispiel dafür, dass es sonst kaum Möglichkeiten gibt, ihre Meinungen deutlich zu machen.

Wie könnte das geschehen?  
In ihrem direkten Lebensumfeld, dort wo sie ganz unmittelbar betroffen sind, sollten Kinder und Jugendliche Mitsprache bei Umgestaltungen im Sozialraum etwa eines Spielplatzes oder Freizeitgeländes haben. Dort wo sie von Entscheidungen vermeintlich gar nicht oder nur mittelbar betroffen zu sein scheinen, braucht es einen „Jugendcheck“. Gerade in Gesetzgebungsprozessen müssen die Auswirkungen der Gesetze dahingehend geprüft werden, inwiefern diese die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen aktuell oder zukünftig beeinflussen. Hier ist eine gesetzliche Verankerung dieser Prüfung im Gesetzgebungsprozess vorstellbar.

Können Kinder und Jugendliche da überhaupt mitreden? 
Kinder und Jugendliche sind DIE Experten für ihre eigene Lebenswelt, und sie wissen auch, dass sie eigentlich als gleichwertiger Teil der Gesellschaft angesehen werden müssten. Sie müssten gefragt werden, vor allem wenn es um die Zukunft geht. Es geschieht häufig aber nicht.

Warum ist das so? 
Zum einen haben sie kein Wahlrecht, stellen damit keine Wählergruppe dar und können also über diesen ganz klassischen Kanal ihrer Meinung keinen Ausdruck verleihen. Auch sonst gibt es wenige zielgruppengerechte Aufforderungen und Methoden zur wirksamen Mitgestaltung und nur punktuell Einbindung in Entscheidungsprozesse.

Kennen Sie Beispiele, wo Kinder und Jugendliche schon mitreden können?  
Das Bild ist da sehr unterschiedlich. In manchen Orten gibt es Kinder- und Jugendparlamente, aber eben längst nicht überall. Nur einige davon haben auch ein eigenes Budget, um Projekte umzusetzen. In den Schulen gibt es die Möglichkeit, über die Schülervertretung mitzubestimmen. Auch die offene Jugendarbeit bezieht junge Menschen in Projekte und Planungen mit ein, die dann tatsächlich auf Gemeindeebene auch umgesetzt werden. Der Bau von Skateranlagen wäre da ein Beispiel. Und natürlich gibt es die Jugendverbände selbst, die selbstorganisiert und demokratisch sind und durch Ehrenamtliche getragen werden. Diese haben sich im Hessischen Jugendring zusammengeschlossen, um die Interessen ihrer Mitglieder möglichst deutlich auch in der Öffentlichkeit und der Politik vorzutragen.

Wo funktioniert solche Mitbestimmung in Gemeinden besonders gut, wo wie Sie sich das wünschen?  
Es gibt schon einige ganz unterschiedliche gelingende Formate wie unter anderen das Jugendparlament in Wiesbaden, die elf Projekte im Jugendaktionsprogramm Partizipation Hessen oder auch das Jugendforum in Wetzlar.

Wir haben Schülerpraktikanten die Aufgabe gegeben, herauszufinden, an wen sie sich wenden müssten, wenn sie in ihrem Wohnort etwas verändern wollten. Das war offenbar eher schwierig.  
Es ist sicher überwiegend so, dass es schwierig ist, Ansprechpartner vor Ort zu finden, die sich auf die Bedürfnisse und Ideen der Jugendlichen einlassen. Die Schwelle ist da an vielen Stellen hoch.  

Was müsste geschehen, dass auch spontane Ideen aufgegriffen werden können und nicht nur, wenn der jeweilige Jugendliche nicht schon einem Verband oder Parlament angehört? 
Es sollte mehr Möglichkeiten geben, solche Vorschläge digital einzubringen. Nicht nur über die Homepage der Gemeinde, sondern dort, wo Kinder und Jugendliche ohnehin unterwegs sind, also eher auf Whatsapp, Youtube und Instagram. Und es sollte klar werden, was mit dem Vorschlag geschieht. Rückmeldungen sind nötig, damit die Kommunikation auf Augenhöhe geschieht und deutlich wird, dass Vorschläge auch ernst genommen werden. Sonst versiegt das Engagement sehr schnell wieder.

Für September planen Sie in Frankfurt einen großen Jugendkongress, HOP heißt der. Was verbirgt sich dahinter?
HOP ist die Abkürzung für Hands-on Participation. Also etwa „Mitwirkung – packen wir es an“. Wir wollen dort eine Vielzahl an Beteiligungsmöglichkeiten, die es in Hessen schon gibt, zusammenbringen. Wir wollen austauschen, was Kinder und Jugendliche schon an guter oder auch schlechter Beteiligung erlebt haben und dabei auch voneinander lernen. Ziel ist es, Hessen zu einem Land zu machen, in dem die Partizipation von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielt. Die Freitagsdemos der Schülerinnen und Schüler zeigen ja, dass sie etwas zu sagen haben. Und mein Eindruck ist, dass das auch ernst genommen wird.

Hintergrund: Der Jugendkongress

HOP heißt der Jugendkongress, zu dem der Hessische Jugendring für 7. September nach Frankfurt einlädt. Bis zu 160 Aktive von 14 bis 27 Jahren können dabei mithelfen, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Politik zu verbessern. Anmeldungen und weitere Informationen gibt es unter www.hop19.de

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