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Kinder brauchen Zeit und Begleitung

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Cordula Alfes (li.) und Leiterin Kristina Blatt von der städtischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche haben viele Möglichkeiten, Familien bei Problemen beizustehen.
Cordula Alfes (li.) und Leiterin Kristina Blatt von der städtischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche haben viele Möglichkeiten, Familien bei Problemen beizustehen. Konopatzki © Konopatzki

Schulbeginn bedeutet eine Zäsur / Anlaufstelle, wenn es in der Familie knirscht

BAD HOMBURG - Für rund 26 000 Schüler aus dem Hochtaunuskreis beginnt dieser Tage der Ernst des Lebens. Während der Großteil schon Erfahrung hat, wird sich für die 2250 Abc-Schützen eine komplett neue Welt öffnen. Der Wechsel von der sommerlichen Leichtigkeit zum durchgetakteten Alltag ist nicht zu unterschätzen, mahnen Kristina Blatt und Cordula Alfes von der städtischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Schönen Aussicht.

Auch wenn das Team der Beratungsstelle „für alle Fälle da ist, wenn es in der Familie mal knirscht“, haben sie den Schulbeginn als besondere Sollbruchstelle ausgemacht. „Der Schulstart ist für alle Familien ein großer Einschnitt, nicht nur wenn Einschulungen anstehen“, weiß Alfes zu berichten. Dabei sei die kindliche Wahrnehmung der Umstellung noch einmal anders als die der Eltern. Nicht nur weil die Zeit gerade von jüngeren Kindern anders empfunden wird - ein Sommer ist da noch eine gefühlte Ewigkeit. Wer nach einem Urlaub erst wieder „im Job ankommen muss“, sollte daran denken: „Meist ist es auch so, dass die Eltern nicht die ganzen sechs Wochen im Ferienmodus sind, sondern zumindest teilweise arbeiten und anderen Verpflichtungen nachgehen müssen“, so Blatt.

Gut sei es, ganz offen das Gespräch zu suchen und dem Nachwuchs zu erklären: Jetzt fängt eine andere Zeit an, in der dann auch wieder andere Regeln gelten. „Es geht früher ins Bett, die Hausaufgaben müssen gemacht werden und die Technik bleibt auch mal aus“, zählt Alfes einige Beispiele auf.

Auch in anderen Bereichen können Eltern vor allem jüngeren Kindern Hilfestellung geben. „Sie können etwa den Schulweg gemeinsam ablaufen. Aber auch thematische Bilderbücher können dabei helfen, den Schulalltag (wieder) einzuüben.“

Wichtig sei, sich bewusst zu machen: „Das alles braucht Zeit, viel Zeit!“ Vor allem für die Erstklässler. „Das erste Schuljahr ist primär dazu da, das System Schule und die Struktur kennenzulernen.“

BERATUNGSSTELLE

Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bad Homburg in der Schönen Aussicht 22 hilft bei allen Fragen zu Erziehung und Entwicklung, Sexualität, Partnerschaft, Homosexualität und bei Schwierigkeiten mit Kindergarten, Schule, Ausbildung, Beruf, Eltern, Geschwistern, Freund oder Freundin sowie dem eigenen Erziehungsverhalten.

Das Team ist in verschiedenen beraterischen und therapeutischen Themenfeldern ausgebildet, unterstützt aber auch bei der Suche nach weiterführenden Anlaufstellen. Die Beratung ist kostenlos.

Eine Terminvereinbarung ist telefonisch unter der Nummer 0 61 72 / 2 91 09 möglich, jeden Donnerstag gibt es außerdem von 16 Uhr an eine offene Sprechstunde.

Es gilt Schweigepflicht , mögliche Konflikte können also, wenn Jugendliche allein kommen, angesprochen werden, ohne dass die Eltern darüber informiert werden.

Das Angebot steht allen offen, die in Bad Homburg wohnen. Ratsuchende aus dem übrigen Kreisgebiet können sich an die Beratungsstelle des Hochtaunuskreises unter 0 61 72 / 9 99 39 00 wenden. Über den Kurzlink bit.ly/beratung_htk geht’s direkt zum Angebot. red

Und auch wenn der Schulstart, noch mehr die Einschulung oder der Wechsel an die weiterführende Schule, eine Zäsur bedeutet, ist er doch in den laufenden Prozess der Selbstständigkeit eingebettet. „Und dieser geht sehr viel früher los, etwa mit dem eigenständigen Anziehen oder dem selbstständigen Essen“, erklärt Alfes. Diese Erfahrung - „das kann ich schon alleine“ - sei immens wichtig. Dabei sei es aber nicht nur wichtig, dass die Eltern loslassen, sondern dass sie es richtig machen. „Das Kind etwas selbst machen zu lassen ist etwas ganz anderes, als es etwas alleine tun zu lassen“, sagt Alfes. Blatt führt aus: „Eltern sollten dabei sein und das Kind beobachten und loben beziehungsweise eine Rückmeldung geben - das bringt Sicherheit.“ So könnte etwa der Weg zur Schule anfangs gemeinsam gegangen und besprochen werden. Irgendwann endet die Begleitung dann vor der Schule, etwas später an der letzten Kreuzung oder man organisiert sich in Laufgruppen.

Dem Kind mehr zutrauen

Der Alltag in den Kitas sei an diesem Prinzip ausgerichtet. Blatt: „Egal, ob Brote schmieren oder aufräumen: Manchmal sind die Eltern erstaunt, was ihre Kinder in der Kita schon ,können‘.“ Eltern, die sich schwertun, dem Kind früh mehr zuzutrauen, kann Blatt beruhigen: „Selbstständigkeit heißt nicht, dass die Wege auseinandergehen - die Verbindung, die ja schon weit vor der Schulzeit aufgebaut wird, bleibt bestehen!“ Es sei sogar kontraproduktiv, wenn Eltern dem Nachwuchs zu viel abnähmen, etwa bei den Hausaufgaben. „Es muss ganz klar sein: Das sind die Aufgaben des Kindes.“

Zu motivieren, dabei zu sein, zu erklären - es gibt viel, was Eltern tun könnten. Fruchte das nicht, sei die Vernetzung wichtig: mit anderen Eltern oder Lehrkräften zu sprechen, Lösungen zu suchen. Aber auch da gelte: zunächst beobachten und das Kind lernen lassen, Verantwortung zu übernehmen. „Keinesfalls sollte man in Hektik verfallen, wenn nicht alles rundläuft“, mahnt Alfes. Sollten sich Probleme oder Konflikte hingegen verschärfen, könne eine fachliche Beratung angebracht sein. Die Beratungsstelle der Stadt steht ebenso wie die des Hochtaunuskreises als Ansprechpartner zur Verfügung.

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