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Für die jungen Patienten: Ein Stethoskop und Kinderspielzeug liegen in einer Kinderarztpraxis auf einem Tisch.

Gesundheit

Kinder-Asthma in Hessen auf dem Vormarsch

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In Hessen ist jedes vierte Kind körperlich chronisch krank. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der DAK.

In Hessen ist jedes vierte Kind körperlich chronisch krank. Jungs etwas häufiger als Mädchen. Die meisten von ihnen leiden unter Asthma und Neurodermitis, gefolgt von Heuschnupfen und entzündlicher Darmerkrankung. Sieben Prozent haben eine psychische Erkrankung mit potenziell chronischem Verlauf. Zu diesem Ergebnis kommt der Kinder- und Jugendreport, den die Krankenkasse DAK Gesundheit am Dienstag in Darmstadt vorgestellt hat.

Eingeflossen sind die Daten von 56 000 minderjährigen Versicherten. Mehr als 90 Prozent von ihnen waren mindestens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Bereits Schulkinder leiden demnach vermehrt unter krankhaftem Übergewicht und Rückenschmerzen.

Wie Sötkin Geitner, Leiterin der DAK-Landesvertretung, ausführte, gehören Asthma-Sprays zur fünfthäufigsten Arzneimittelgruppe bei Kindern. Atemwegserkrankungen stünden an der Spitze der wichtigsten Erkrankungsarten im Kindesalter. Mehr als die Hälfte aller Minderjährigen in Hessen leide mindestens einmal pro Jahr unter einem grippalen Infekt oder einer akuten Bronchitis. In der Häufigkeit folgten dahinter Infektionskrankheiten, Augenerkrankungen, Hauterkrankungen und psychische Leiden.

Jedes sechste Kind hat mindestens einmal jährlich Muskel-Skelett-Probleme. Ab dem zwölften Lebensjahr sind fast ein Viertel aller Jungen und Mädchen betroffen. „Das ist alarmierend“, sagte Geitner. Im Erwachsenenalter könnten schwere Rückenleiden folgen. Die Gefahr von Folgeschäden besteht auch bei krankhaftem Übergewicht, von dem rund drei Prozent aller Minderjährigen betroffen sind. Nimmt man nur die Altersgruppe neun bis 13 Jahre, so sind es 4,5 Prozent.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Im bundesweiten Vergleich sind hessische Kinder gesünder als Gleichaltrige anderswo. Die dominierenden Erkrankungen sind identisch. So haben Mädchen und Jungen in Hessen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt seltener Viruserkrankungen (minus 35 Prozent) und Neurodermitis (minus 13 Prozent). Auch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS ist weniger oft dokumentiert (minus 23 Prozent). Häufiger sind Allergien (plus 21 Prozent).

Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind größer als gedacht, sagt Geitner. Stadtkinder leiden häufiger unter Viruserkrankungen, Zahnkaries und krankhaftem Übergewicht. Landkinder haben eher eine Allergie. Die Gründe seien unbekannt. „Es kann an den Versorgungsstrukturen liegen, an der Umwelt oder auch am Verhalten der Eltern.“

Der Report bestätigt einmal wieder, dass der Bildungsstatus der Eltern den Gesundheitszustand des Nachwuchs beeinflusst: Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss leiden 2,8-mal häufiger unter Karies als der Nachwuchs von Akademikern.

Kinder- und Jugendreport der DAK in Hessen

Für die Analyse hat die Universität Bielefeld die Daten von 56 000 minderjährigen Versicherten der DAK Gesundheit in Hessen ausgewertet.

Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 liefert laut DAK erstmals systematische Analysen zum Erkrankungsgeschehen bei Kindern. Sie will jetzt die Aktivitäten zur Prävention in Schulen und Kindergärten verstärken. jur

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