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Idyllische Lage, aber dennoch nicht von Interesse für Investoren: Das nun leerstehende ehemalige DB-Schulungszentrum. hillebrecht
Idyllische Lage, aber dennoch nicht von Interesse für Investoren: Das nun leerstehende ehemalige DB-Schulungszentrum. hillebrecht © Hillebrecht

DB-Schulungszentrum steht bis auf Weiteres leer

BAD HOMBURG - Zum Jahresende lief der Mietvertrag der Deutschen Bahn (DB) für ihr Schulungszentrum am Hardtwald aus. Wie das Gebäude künftig genutzt wird, steht in den Sternen. Im Moment gebe es keinen Plan, der sich verwirklichen lässt, wie Asset-Manager Stefan Bögl vom Frankfurter Asset-Managing-Unternehmen aam2core sagt. Eigentümerin des Hauses ist seit 2018 eine Familie aus Süddeutschland.

Nun suchen die Manager händeringend nach einem Entwickler, der ein passendes Angebot für das schwierige Anwesen in bester Lage hat. „Durch den Bebauungsplan sind uns die Hände gebunden“, so Bögl. Dienstleistung mit „kurähnlicher Nutzung“ ist für dort festgelegt.

Ein Pflegeheim läge auf der Hand - und dafür wäre in Bad Homburg wohl auch die Nachfrage da, zumal in solch ruhiger Lage und in Sicht- und Spaziernähe zum Kurpark. Die Verwalter hatten sogar einen Betreiber gefunden und stellten dem Magistrat im Sommer ein Konzept für exklusive Pflegeappartements vor. Sie stellten eine Bauvoranfrage; weil die 127 Zimmer zu klein, die Gänge zu schmal sind und das Haus obendrein marode ist, hätte das Gebäude abgerissen und neu gebaut werden müssen.

Doch aus alldem wurde nichts. Der Betreiber - ein europaweit tätiger Anbieter für Pflege, zog sein Kaufangebot wegen interner Umstrukturierungen zurück. In der Zeitung äußern will er sich nicht. So schlugen die Asset-Manager der Stadt die Unterbringung von Flüchtlingen vor - was die Stadt nicht will. „Es handelt sich um Kur-Gebiet“, erläutert Rathaussprecher Marc Kolbe diese Entscheidung. Zudem sei das Gebäude nicht ad hoc nutzbar, und die Betriebskosten seien hoch. Wobei die Behörden jetzt mit neuen Geflüchteten vor allem aus der Ukraine rechnen und die Kurstadt mit dem „Haus Berlin“ gerade eine größere Unterkunft verloren hat. Zum Jahreswechsel mussten 80 Flüchtlinge das Hochhaus an der Ecke Hessenring/Taunusstraße verlassen, konnten aber alle in anderen Unterkünften untergebracht werden - im Porticus in Ober-Eschbach, im Niederstedter Weg und in verschiedenen Wohnungen.

Weder Wohnungen noch Flüchtlinge gewünscht

Das „Haus Berlin“ gehört zum ehemaligen Kreiskrankenhausareal, wo derzeit Bagger am Werk sind. Die Gebäude werden abgerissen, um Platz fürs neue Wohngebiet „Louis“ zu machen. Das „Haus Pommern“ wurde Ende 2021 geschlossen und „Haus Schlesien“ war 2017 nach einem Brand nicht mehr bewohnbar.

Die Stadt prüfe „in enger Abstimmung mit dem Landkreis fortlaufend verschiedene Möglichkeiten der Unterbringung - von der Schaffung neuer, größerer Unterkünfte über Aufstockung der bestehenden bis zur Anmietung von Wohnungen“.

Was die Immobilie in der Herderstraße betrifft, so glaubt man bei aam2core, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Und auch die Eigentümer seien für eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft „aufgeschlossen“. Die Zimmer seien jedoch so klein, dass sie nur als Einzelzimmer nutzbar wären.

Parallel suchen die Asset-Manager bereits nach einer anderen Verwendung für das leerstehende Gebäude. Eine B-Plan-Änderung würde helfen. „Wir haben schon mit der Politik gesprochen; das ist nicht gewollt“, erzählt Asset-Manager Stefan Bögl. Dabei sei das Gebiet prädestiniert für Wohnungsbau - „es ist eines der schönsten im ganzen Rhein-Main-Gebiet“, findet Bögl. Junge Familien oder betreutes Wohnen könne er sich hier gut vorstellen. Doch das ist mit dem momentan gültigen B-Plan unzulässig - ebenso wie ein Umbau zum Hotel.

Ein Trainingszentrum für eine andere Firma als die DB wäre wiederum okay, weiß Bögl. „Bei der Auslegung des Wortes ,kurähnlich‘ ist die Stadt großzügig.“ So könnte sich Bögl außerdem die Nutzung durch eine private Hochschule vorstellen. Man spreche mit Investoren und Projektentwicklern, doch im Moment hemmten gestiegene Baukosten, Inflation und schlechte Konjunktur viele Pläne. Bleibt derzeit nur die Leerstandswartung. Und wie sieht man im Rathaus die Chancen auf eine B-Plan-Änderung? „Wir warten erst einmal auf weitere Angebote des Asset-Managers“, so Kolbe.

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