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Eva Hertel von der Polizeiakademie Hessen.

Migranten bei der Polizei

Polizeiskandal in Frankfurt: Migranten sind „kein Bollwerk gegen Rechtsextremismus“

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Wäre der Frankfurter Polizeiskandal zu verhindern gewesen, wenn mehr Beamte mit Migrationshintergrund auf dem Revier gearbeitet hätten? Ein Experte warnt vor überzogenen Erwartungen.

Eine Gruppe von Polizisten aus dem 1. Revier in Frankfurt schickt sich in einer Chatgruppe rassistische Inhalte hin und her. Von einem Computer auf dem Revier werden Daten aus dem familiären Umfeld der Anwältin Seda Basay-Yildiz abgerufen. Sie werden später verwendet, um die Juristin und ihre nahen Angehörige zu bedrohen.

Wäre der Frankfurter Polizeiskandal zu verhindern gewesen, wenn auf dem 1. Revier mehr Beamte mit Migrationshintergrund gearbeitet hätten? Rafael Behr, Soziologe an der Akademie der Polizei Hamburg hat, da so seine Zweifel. Migranten seien „kein Bollwerk gegen Rechtsextremismus“. Es sei auch nicht Aufgabe von Polizisten mit ausländischem Wurzeln, entsprechende Entwicklungen bei der Polizei zu bekämpfen. Das müsse schon die Behörde übernehmen.

Auf Polizeistationen könne sich niemand öffentlich zu rechtsextremen Neigungen bekennen, sagte Behr. Daraus folge, dass die Beamten in abgeschotteten Milieus unterwegs seien, wie etwa in der Chatgruppe. Kollegen mit Migrationshintergrund kämen damit nicht in Berührung. Insofern seien Migranten bei der Polizei „keine Whistleblower, und sie sorgen auch nicht für die politische Korrektheit“. Polizistinnen seien ja auch „keine Anstandsdamen“ auf dem Revier.

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Das sieht Eva Hertel von der Polizeiakademie Hessen anders. Die Beamten benähmen sich meistens schon anständiger, wenn Frauen in der Dienstgruppe vertreten seien.

Die Vorwürfe gegen Beamte des 1. Reviers beschäftigten die Polizei sehr, „auch wenn wir derzeit zur Sprachlosigkeit verdammt sind, weil die Staatsanwaltschaft die Hoheit über die Kommunikation hat“, sagte Hertel. Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, „müssen auf alle Fälle Konsequenzen gezogen werden“. Hertel betonte aber, dass sich die Vorwürfe gegen einzelne Beamte und nicht die Polizei als Institution richteten.

Rafael Behr von der Akademie der Polizei Hamburg.

Schon im Einstellungstest müsse darauf geachtet werden, ob Bewerber mit extremistischen Ansichten dabei seien. Hertel erinnert sich an einen jungen Mann, der im Bewerbungsgespräch gesagt habe, dass er Probleme mit Menschen mit dunkler Hautfarbe habe. „Den gab es wirklich“, so die Polizistin. Allerdings habe es die Kommission mit jungen Menschen zu tun, die ihre Karriere bei der Polizei erst beginnen wollen. In den folgenden Jahren könnten sich Einstellungen massiv verändern.

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