Hessens Landesregierung warnt vor „trügerischer Sicherheit“ und lehnt anlasslose Corona-Untersuchungen ab.
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Hessens Landesregierung warnt vor „trügerischer Sicherheit“ und lehnt anlasslose Corona-Untersuchungen ab.

Hessen

Keine Reihentests in hessischen Heimen

  • Pitt v. Bebenburg
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Hessens Landesregierung warnt vor „trügerischer Sicherheit“ und lehnt anlasslose Corona-Untersuchungen ab.

In Hessen wird es vorerst keine kostenlosen Corona-Tests für Menschen geben, bei denen kein Verdacht auf eine Infektion besteht. Auch Heimbewohner und Pflegepersonal sollen weiterhin erst getestet werden, wenn es einen akuten Fall in einer Einrichtung gibt.

Das hat Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag im Hessischen Landtag bekräftigt. Solche Reihentests würden mit guten Gründen von allen Ländern mit Ausnahme des Saarlands abgelehnt. „Wir werden mehr testen, aber mit Sinn und Verstand“, kündigte er an.

Im Landtag hatte die SPD Corona-Reihentests in hessischen Altenheimen sowie Pflege- und Gesundheitseinrichtungen verlangt. „Herr Minister Klose, legen Sie Ihre Verweigerungshaltung ab. Schützen Sie Leben!“, rief die SPD-Gesundheitsexpertin Daniela Sommer.

Die FDP fügte die Forderung nach anlasslosen Tests in Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen hinzu. AfD und Linke unterstützten diese Position.

Opposition dringt auf Tests

Die Opposition zeigte sich überzeugt, dass Tests nicht nur zur Beruhigung der Bewohner und des Pflegepersonals beitragen könnten, sondern auch zur frühen Erkennung einer Infektion. Der FDP-Gesundheitspolitiker Yanki Pürsün wies auf den Ausbruch von Corona in einer Frankfurter Flüchtlingsunterkunft hin, bei der sich mehr als 70 Menschen angesteckt hatten. Die Person, die als Ausgangspunkt der Infektionen gelte, sei symptomfrei gewesen und daher vor dem Ausbruch nicht getestet worden, betonte Pürsün.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband unterstützte die Forderungen. Mindestens einmal wöchentlich sollten alle Mitarbeitenden getestet werden, die in der stationären und ambulanten Altenpflege sowie der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung arbeiteten, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Paritätischen, Walter Berle. Außerdem solle das für alle Bewohner gelten, die solche Einrichtungen selbstständig verlassen und wieder betreten könnten.

Minister Klose sowie die Koalitionsabgeordneten Ralf-Norbert Bartelt (CDU) und Marcus Bocklet (Grüne) wandten sich gegen Tests ohne konkreten Anlass. Sie böten eine „trügerische Sicherheit“, warnte Bocklet. „Schon übermorgen kann die Person, die Sie negativ getestet haben, positiv sein“, erläuterte Klose.

Frankfurt beendet Sonderweg

Es habe seinen Grund, dass die Stadt Frankfurt ihren Sonderweg mit einer mobilen Teststation beendet habe, die an stationären Einrichtungen Tests angeboten hatte. Dieser Modellversuch habe „keine neuen Erkenntnisse“ gebracht, sagte Klose.

Bartelt begrüßte die Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), bestimmte Personen zu testen, auch wenn sie keine Symptome aufwiesen. Spahn hatte präventive Tests von Menschen angekündigt, die als Patienten oder Heimbewohner in Krankenhäuser oder Pflegeheime aufgenommen werden. Die schwarz-grüne Landesregierung will dieses Vorhaben in Hessen umsetzen, sobald die entsprechende Verordnung aus Berlin kommt.

Das reicht der Opposition aber nicht. Die SPD-Abgeordnete Daniela Sommer sprach sich für „ein flächendeckendes Testmanagement für alle Berufsgruppen und für alle stationären Patienten und Pflegebedürftigen in den Krankenhäusern und Heimen“ aus. Es stünden inzwischen genügend Testsets dafür zur Verfügung.

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