Wera-Marianne Arndt (rechts) hat Susanne Konrads Erzählung „Martin in der Kammer“ in einfache Sprache übersetzt.
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Wera-Marianne Arndt (rechts) hat Susanne Konrads Erzählung „Martin in der Kammer“ in einfache Sprache übersetzt. 

Frankfurt

Keine Randfiguren

Die Frankfurter Autorin Susanne Konrad hat eine Erzählung ihres neuen Buches „Walzer mit Mr. Spock“ von Wera-Marianne Arndt in einfache Sprache übersetzen lassen. Lesungen gibt es im Februar und März.

Bücher sind ihre Leidenschaft, Sprache ihr Werkzeug, Inklusion ihr Anspruch an die eigene Arbeit. Die Frankfurter Autorin Susanne Konrad erzählt in ihrem Buch „Walzer mit Mr. Spock“ drei Liebesgeschichten besonderer Art, wie sie selber über ihr neues Werk sagt. Besonders an den Erzählungen Konrads ist ihr Gespür für die Benachteiligten der Gesellschaft.

In ihrem Studium der Literaturwissenschaft beschäftigte sie sich intensiv mit den Gesellschaftsromanen des 19. Jahrhunderts. Mit den Werken von Theodor Fontane und Johann Wolfgang von Goethe etwa, in denen ihr die benachteiligte Rolle der Randfiguren aufstößt. „Schon in der Examensarbeit zu Fontane hatte ich herausgearbeitet, dass Nebenrollen einen viel geringeren Glücksanspruch haben als die literarischen Figuren. Sie bekommen einfach kein Happy End – keine große Liebe“, erläutert Konrad.

In ihren Büchern thematisiert sie nicht die Gewinnertypen, wie sie sagt, sondern blickt auf die andere Seite und fragt: „Wer ist eigentlich glückswürdig in einer Gesellschaft?“ Die Frage wurde zum Startschuss für ihre literarische Karriere. „Über Menschen schreiben, die eher am Rand der Gesellschaft stehen, die nicht nur bürgerliche Teilhabe wollen, sondern die in den Geschichten auch geliebt werden wollen“, das sei ihre Intention.

Ein Novum ihres neuen Buchs ist die Übersetzung einer der drei Erzählungen in sogenannte einfache Sprache, die zum Beispiel auf Fremdwörter oder verschachtelte und lange Sätze verzichtet. Am Freitag wird „Walzer mit Mr. Spock“ in der schon ausverkauften Premierenlesung vorgestellt, eine weitere Lesung gibt es am 7. März im Historischen Museum Frankfurt.

Das Buch

„Walzer mit Mr. Spock“erschien am 4. Februar im Verlag Edition Federleicht.

Die Premierenlesungdes Erzählbands am Freitag, 14. Februar, im Verlagsbüro in Frankfurt, Kaiserhofstraße 7, ist bereits ausverkauft.

Das Buchwird auch am 7. März, 16.15 Uhr bis 17 Uhr, im Historischen Museum Frankfurt, Leopold-Sonnemann-Saal, Saalhof 1, von Susanne Konrad und Marianne Arndt anlässlich der Immigrationsbuchmesse vorgestellt.

Die Geschichte von „Martin in der Kammer“ behandelt die Liebesgeschichte zwischen dem geistig behinderten Martin und der neuen Hausangestellten seiner Eltern. „Bei Liebesgeschichten gibt es keine Randfiguren. Hier hat man zwei gleichberechtigte Partner“, erklärt Konrad. Und so führt sie ihre Leserinnen und Leser in die Beziehung der beiden Protagonisten ein, die gesellschaftlich indoktrinierten Grenzen zu trotzen versuchen.

Die Übersetzung der Erzählung in einfache Sprache habe sie als Bereicherung für das Buch empfunden. „Weil sie meine Geschichte nicht ersetzt, sondern ergänzt. Ergänzt um eine neue, weitere Sichtweise und eine andere Zielgruppe, die dann die Möglichkeit hat, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, mit der sie vielleicht sonst nicht in Kontakt gekommen wäre“, sagt die Autorin Susanne Konrad.

Wera-Marianne Arndt hat die Erzählung „Martin in der Kammer“ in einfache Sprache übersetzt. „Ich habe sie gelesen, und sie hat mir direkt sehr gut gefallen, deswegen war die Übersetzung sehr einfach für mich.“ Arndt leitet das „Wetterauer Büro für leichte Sprache“ und weiß, was bei der Transformation in verständliche Textformen zu beachten ist. Es gibt zwei Möglichkeiten Texte zu vereinfachen: „Die einfache Sprache hat im Gegensatz zur leichten Sprache kein so striktes Regelwerk“, sagt Arndt. „Der Freiraum, in dem man sich bewegen kann, ist größer“, begründet sie ihre Wahl für die einfache Sprache.

Neben der Sprache hat die Soziologin auch den Aufbau verändert. Die Erzählung von „Martin in der Kammer“ springt in der Originalfassung in der Zeit. „Die ursprüngliche Chronologie der Geschichte würde aus meiner Erfahrung verwirren“, sagt sie. „Lesen und Erfassen der Inhalte ist schon anstrengend, wenn noch zeitliche Sprünge gemacht würden, wird es noch schwieriger.“ Deswegen ist Arndt bei ihrer Übersetzung kapitelweise vorgegangen. Sehr viele Menschen würden von der einfachen Sprache profitieren. „Es gibt ungefähr 20 Millionen Menschen in Deutschland, die keine komplexen Texte erfassen können. Für all diese Menschen ist es eine große Erleichterung, Texte in vereinfachter Form lesen zu können“, ergänzt sie.

„Was Arndt rausgeschnitten hat, ist auch viel reflexives und beschreibendes Beiwerk“, sagt Konrad über die Übersetzung. Ob die Originalfassung oder die Übersetzung: Die Kernbotschaft der Geschichte bleibt. Weder Martin noch die Leserinnen und Leser spielen für Susanne Konrad und ihr Buch eine Nebenrolle.

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