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Eheringe

Zölibat

Pfarrer in Hessen: Keine Lust auf Ehelosigkeit

Wo hessische Pfarrer wegen des Zölibats aufgeben - ein Überblick.

In hessischen Bistümern haben laut einer Umfrage zuletzt mehrere Geistliche der katholischen Kirche ihr Priesteramt wegen des Zölibats aufgegeben. Das trifft die Kirche besonders hart, weil sie ohnehin chronisch unter Priestermangel leidet.

Im Bistum Mainz, das zu großen Teilen auf hessischem Gebiet liegt, haben seit dem Jahr 2014 drei Geistliche ihr Amt aufgegeben, wie die Diözese mitteilte. Im Vergleich zum Fünfjahreszeitraum zuvor habe es aber keine Zunahmen gegeben. „Dass Priester ihr Amt aufgeben, hat es immer gegeben“, sagt Bistumssprecher Tobias Blum. „Allerdings muss man darauf hinweisen, dass der Zölibat nicht der einzige Grund dafür ist, dass Priester ihr Amt aufgeben.“

Im Bistum Fulda haben in den vergangenen fünf Jahre (seit Jahresbeginn 2014) vier Geistliche das Priesteramt verlassen. Betroffen waren die Gemeinden in Petersberg (Landkreis Fulda), Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis), Vellmar (Landkreis Kassel) und Schleid (Wartburgkreis). „Im Vergleich zum Fünfjahreszeitraum davor kann man von einer Zunahme sprechen“, sagt Bistumssprecher Christof Ohnesorge und deutet auf ein wachsendes Problem hin. Doch es sei kein rein osthessisches Phänomen: „Wir sehen einen Trend in der Gesellschaft, in der treues Festhalten an einem Beruf oder einer Lebensweise nicht mehr durchgehalten wird, etwa bei Ehescheidung. Man könnte von ,fragmentiertem Lebenslauf‘ sprechen.“

In Petersberg und darüber hinaus hatte Pfarrer Jan Kremer im Sommer 2018 für Aufsehen gesorgt, als er seinen Amtsverzicht verkündete. In einem Gemeindebrief erklärte er, er könne und wolle die zölibatäre Lebensweise nicht mehr durchhalten. „Nach reiflicher Überlegung und innerer Prüfung werde ich mein Leben in Zukunft an der Seite einer Frau verbringen“, erläuterte er den 5500 Gemeinde-Mitgliedern der Pfarreien St. Peter und St. Paulus.

Der neue Fuldaer Bischof will am Zölibat nicht rütteln. Geistliche folgtem damit dem Beispiel Christi. Zudem betont er: Die Ehelosigkeit führe nicht in die Einsamkeit, sondern in die Gemeinschaft. Aber bei dem Thema sei eine „große Baustelle“ entstanden: „Wie können wir vermitteln, dass diese Lebensform der Ehelosigkeit eine Lebensform ist, die gemeinschaftlich gelebt wird?“

Dem Bistum Limburg ist Personalverlust wegen des Zölibats in den vergangenen fünf Jahren erspart geblieben. Ein Geistlicher habe sich jedoch beurlauben lassen, um über diese Frage nachzudenken, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle. Zudem hätten sich in den vergangenen fünf Jahren zwei Geistliche dazu entschieden, nicht mehr priesterlich leben zu wollen. Als Grund dafür hätten sie aber nicht den Zölibat genannt.

Die Frage der zölibatären Lebensform sei schon immer Thema und Herausforderung gewesen, sagt Schnelle. Mit Blick auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und Faktoren, die ihn begünstigen können, habe die Frage nach dem Zölibat „wieder deutlich in der öffentlichen Diskussion gewonnen“. (dpa)

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