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"Kategorie C": Auftritt in einem privaten Kleingarten.

Rechtsrock in Hessen

Keine Handhabe gegen Neonazi-Konzert in Hessen

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Rund 50 Neonazis feierten am Samstag in Hungen-Villingen. Während das Innenministerium mit dem Polizeieinsatz zufrieden ist, kommt Kritik vom DGB.

Nach einem konspirativ organisierten Neonazi-Konzert mit knapp 50 Teilnehmern im Hungener Ortsteil Villingen (Landkreis Gießen) ist das hessische Innenministerium im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Verlauf des Abends. „Das Konzert konnte nicht so stattfinden, wie es geplant war“, sagte ein Ministeriumssprecher der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Die angereisten Neonazis hätten sich letztlich nur „im privaten Rahmen“ versammeln und mit ihrer Feier keinerlei Außenwirkung erzielen können.

Für Samstagabend war in der Neonazi-Szene ein „Balladenabend“ mit der Rechtsrock-Band „Kategorie C“ beworben worden. Nach Polizeiangaben hatte das Konzert zunächst in einem Gasthof in Wölfersheim-Wohnbach (Wetteraukreis) stattfinden sollen. Als er von der Polizei erfahren hatte, wer sich in seiner Gaststätte treffen wollte, hatte deren Betreiber den Mietvertrag allerdings wieder gekündigt. Gegen 20 Uhr hatten sich dann knapp 50 Neonazis in einem privaten Kleingarten in Hungen-Villingen versammmelt. Laut Polizei war das Konzert gegen 22 Uhr bereits wieder beendet.

42 Neonazis aus Hessen und NRW kontrolliert – Keine Möglichkeit, das Konzert zu unterbinden

Ein Polizeisprecher sagte der FR, insgesamt habe man 42 Neonazis kontrolliert, die vor allem aus Hessen und Nordrhein-Westfalen angereist waren. Man habe keine Möglichkeit gehabt, das Konzert auf dem Privatgelände zu unterbinden – zumal weder Straftaten begangen noch indizierte Lieder gespielt worden seien.

Der hessische Landtagsabgeordnete Hermann Schaus (Die Linke) sagte der FR,es sei in der Tat schwer, gegen eine Versammlung auf einem Privatgrundstück vorzugehen. „Das planen die Neonazis offenbar mit ein“, sagte Schaus. Dass die Rechtsrock-Szene in Hessen wieder aktiver sei, verstehe er „als Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das auch Hessen trifft“. 

Konzerte seit längerem ein zentrales Aktionsfeld hessischer Neonazis

Zuletzt hatten rund 50 überwiegend hessische Neonazis Ende November ein Rechtsrock-Konzert im rheinland-pfälzischen Wahlrod besucht. Ursprünglich hatte das Konzert, bei dem „Kategorie C“ ebenfalls aufgetreten war, in Leun-Stockhausen im Lahn-Dill-Kreis stattfinden sollen.

Sascha Schmidt, Neonazi-Experte des DGB Hessen-Thüringen, sagte der FR, Konzerte seien seit längerem ein zentrales Aktionsfeld hessischer Neonazis, da diese aktuell zu unorganisiert seien, um größere Aktionen oder Demonstrationen hinzubekommen. Umso ärgerlicher sei es, „dass das Konzert in Wölfersheim unterbunden wurde, man die Veranstalter in Hungen dann aber in Ruhe gelassen hat“.

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