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Keine Glückszahl

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ARCHIV – 14.01.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: ILLUSTRATION – Ein sogenanntes Liebesschloss mit der Aufschrift „Elias & Tom 22.2.22“ hängt an der Hohenzollernbrücke. (gestellte Szene) Die „2»: Symbol für Gegensätze, aber auch für romantische Liebe. Für manche ist sie Glückszahl, für andere nur eine beliebige von zehn Ziffern. Sie ist allgegenwärtig. (Zu dpa: „Die Zahl Zwei: mathematisch, gesellig, rückwärts“) Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV – 14.01.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: ILLUSTRATION – Ein sogenanntes Liebesschloss mit der Aufschrift „Elias & Tom 22.2.22“ hängt an der Hohenzollernbrücke. (gestellte Szene) Die „2»: Symbol für Gegensätze, aber auch für romantische Liebe. Für manche ist sie Glückszahl, für andere nur eine beliebige von zehn Ziffern. Sie ist allgegenwärtig. (Zu dpa: „Die Zahl Zwei: mathematisch, gesellig, rückwärts“) © dpa

Besondere Hochzeitsdaten wie der 22.02.2022 wirken eine magische Anziehungskraft auf Paare aus.Eine australische Studie zeigt jedoch, dass die Tage mehr Pech als Glück bringen.

Der heutige Dienstag ist kein gewöhnlicher Wochentag im Kasseler Rathaus. Üblicherweise werden pro Tag acht Termine für Trauungen angeboten, von denen häufig lediglich zwei genutzt werden. Ein normaler Arbeitstag erscheint selbst für eine kleinere standesamtliche Hochzeit unattraktiv.

„Heute trauen wir allerdings 32 Paare“, berichtet Franz Müsken, Vorsitzender des Fachverbands der hessischen Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Das Datum mit den vielen Zweien ziehe weitaus mehr Menschen als üblich an, sagt er. Die Trauungen müssten daher an unterschiedlichen Orten stattfinden; die Standesbeamt:innen im Rathaus wären andernfalls überlastet.

Bestimmte Zahlenkombinationen seien einfach beliebt, sagt Müsken. „Das merke ich seit meinen ersten Trauungen im Jahr 1992.“ Warum so viele Paare das spezielle Datum wählen, da kann Müsken lediglich mutmaßen: Vielleicht merkten sie sich ihren Hochzeitstag leichter.

Jürgen Drewitz, Sprecher des Bundesverbands der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten mit Sitz im hessischen Bad Salzschlirf, spekuliert, den Zahlen wohne eine positive Magie inne.

Doch ob aus pragmatischen oder aus magischen Gründen, wer mit einer Schnapszahl auf der Urkunde heiraten will, muss sich beeilen. Denn wenn sich ein Jahr im Voraus um null Uhr der Terminkalender für die Buchungen in Kassel öffne, hätten sich die ersten Paare bereits drei Minuten später angemeldet, erzählt Müsken. Drewitz bestätigt: „Wer erst vier Wochen vor dem Termin kommt, hat kein Glück mehr.“

Die Theorie, die einprägsamen Zahlen verhießen den Paaren Glück und Beständigkeit in der Ehe, wurde durch eine Studie aus dem Jahr 2016 ihrer Romantik beraubt. Die Autoren der Studie aus Melbourne hatten niederländische Ehe- und Scheidungsregister zwischen 1999 und 2013 verglichen.

Sie stellten fest, dass Ehen, die beispielsweise am Valentinstag oder an Tagen mit interessanten Zahlenfolgen geschlossen wurden, deutlich öfter in die Brüche gingen. Bei Valentinstagsehen ist das Scheidungsrisiko um elf Prozent erhöht, bei Heiraten an Daten mit Schnapszahlen setzen sich die frisch Angetrauten gar einem 18 Prozent höheren Risiko aus, sich vor der Scheidungsanwältin wiederzufinden.

Warum? Die Wissenschaftler ziehen das Fazit, dass Ehen, die an besonderen numerischen Tagen geschlossen worden seien, anfälliger für Probleme seien. Sie betonen allerdings auch, dass die grundlegende Frage lauten sollte, ob, nicht wann Menschen einander heiraten möchten.

Wer sich heute bei seinem Jawort sicher ist, braucht sich also keine Sorgen zu machen. Franz Müsken jedenfalls freut sich auf die Paare, die er heute trauen wird.

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