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Kinzigheimer Weg. Foto: Rolf Oeser

Kinzigheimer Weg Hanau

Keine Geduld mehr bei Kinzigheimer Weg

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Die Stadt Hanau will versuchen, die sanierungsbedürftigen Immobilien im Kinzigheimer Weg zu kaufen. Der neue Investor sitzt in London.

Die Geduld der Stadt in Sachen Kinzigheimer Weg scheint zu Ende zu gehen. Es sollen nun Schritte eingeleitet werden, um gebenenfalls das denkmalgeschützte Hafenquartier mit knapp 170 Wohnungen in eine städtische Gesellschaft zurück zuholen. Die niedersächsische Dolphin Trust hat das Objekt jüngst zu einem unbekannten Preis mutmaßlich an die Londoner Acorn Growth PLC verkauft. Es ist die vierte Besitzerin seit 2009. Die Acorn hat sich dem Vernehmen nach nun in Vordere PLC umgenannt. Dolphin hatte Mitte Mai den Verkauf gemeldet, nicht jedoch den Namen. Dass es nun endlich mit der Sanierung der Häuser aus den 1930er Jahren vorangeht, die weitgehend leerstehen und verfallen, daran glaubt niemand mehr in der Stadt. Es wird vermutet, die 13 Häuser auf dem Karree zwischen Am Kinzigheimer Weg/Annastraße vis-à-vis dem Schwab-Versand zu einem Spekulationsobjekt geworden sind.

„Eine Briefkastenfirma in London hat jetzt die kompletten Häuser am Kinzigheimer Weg von der Dolphin Trust GmbH in Hannover übernommen“, notieren die Alternative Linke Liste (ALL). Ob diese Behauptung den Tatsachen entspricht - Finanzinformationsdienste berichten augenscheinlich fast nichts über die Vordere PLC - steht für Stadtplaner Martin Bieberle nicht an erster Stelle. „Der Verkauf war nicht mit der Stadt Hanau abgestimmt“, sagt er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Die Dolphin Trust sei hierzu verpflichtet gewesen. „Wir stimmen daher die Veräußerung an den britischen Investor nicht zu“, sagt Bieberle. Unklar ist, ob die Stadt juristisch vorgehen und den Verkauf für null und nichtig erklären kann.

Fest steht für Bieberle, die neue Besitzerin wird den Sanierungsauftrag wohl kaum erfüllen. Auf Verhandlungen will er sich nicht mehr einlassen. „Es gibt nicht den geringsten Spielraum für ein Einigungsgespräche“, sagt er. Zudem hat bei ihm das Vertrauen zu den Hannoveranern nicht nur wegen des Kinzigheimer Weg gelitten. Der Trust hat im Lehrhöfer Park einige Häuser erworben, die nun umgebaut werden. „Das läuft dort nicht so gut“, so der Stadtplaner.

Ein Enteignungsverfahren wäre laut Bieberle eine Möglichkeit, dies sei jedoch nur bei Gefahr für Sicherheit und Ordnung durch zu ziehen. Der Magistrat lasse nunmehr ein Gutachten erstellen, ob Dolphin Trust der Stadt Hanau hätte ein Vorkaufsrecht einräumen müssen. Bis Mitte Juni soll die Expertise vorliegen, damit noch vor der letzten Stadtverordnetensitzung vor der Sommerpause am 26. Juni.

Verschärfte Sanierungssatzung

Zu diesem Termin werde auch eine Vorlage für eine „verschärfte Sanierungssatzung“ ausgearbeitet. Es sei fragliche, ob die Vordere PLC den Auflagen nachkommen werde. Mit dem Verkauf, der bereits im April über die Bühne gegangen seien soll, soll laut Bieberle ohnehin die Baugenehmigung verfallen sein.

2009 hatte die Baugesellschaft mit Votum der Stadtverordneten die Häuser wegen wirtschaftlich nicht vertretbarer Sanierung verkauft. Nun sollen sie zunächst wieder in städtischen Besitz gehen. Bieberle zufolge könnten städtische Unternehmen die Immobilien erwerben wie die Baugesellschaft oder die Bauprojekt GmbH, die Konversionsflächen vermarktet. „Natürlich wird die Stadt Hanau nicht jeden Mondpreis zahlen“, sagt Bieberle. Basis werde wohl der Bodenrichtwert bilden, der vermutlich heute über den Verkaufspreis von 2009 liege. Was mit den verbliebenen Mietparteien geschieht - deren Zahl unterschiedlich angegeben wird, zwischen 20 und 40 - ist noch offen. Die Stadt werde wohl von sich aus für die Bewohner einen Sozialplan aufstellten, heißt es.

Der Runde Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen erhebt Vorwürfe gegen die Stadt. Stadt und Baugesellschaft hätten durch die Verkauf an „windige Investoren“ das Spekulationskarussell selber angeschoben, das sich nun nicht mehr stoppen lasse, notieren die Mietaktivisten. Hierzu habe auch beigetragen, dass die Stadt 2014 der Forderung der Investoren nachgekommen sei, dass Quartier zu einem „steuersparenden Sanierungsgebiet“ auszuweisen.

Von Enteignungsdrohungen würden sich „internationale Finanzjongleure aus London“ wenig beeindrucken lassen, so der Runde Tisch. „Das einzige, was den Spekulanten das Wasser abgraben könnte, sei ein groß angelegtes soziales Wohnungsbauprogramm.“ Hierin habe die Stadt bislang aber notorische Untätigkeit gezeigt, heißt es.

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