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Eine der vielen rechtsextremen Gruppierungen. (Symbolbild)

Rechtsextremismus in Hessen

Keine Frage des Images

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Für viele Kommunalpolitiker ist Rechtsextremismus immer noch in erster Linie ein Imageproblem. Deshalb sprechen sie nicht offen darüber. Das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Als vor fast zwei Jahren durch Recherchen der Frankfurter Rundschau publik wurde, dass der Landkreis Fulda eine Hochburg der Identitären Bewegung ist, von dort aus Aktionen im ganzen Bundesland koordiniert wurden und der Regionalleiter der rechtsextremen Gruppierung in Neuhof sitzt, sah sich die damalige Bürgermeisterin dieser Kommune gegenüber einer Lokalzeitung zu folgender Aussage genötigt: „Neuhof ist kein brauner Sumpf.“

Die Aussage ist so selbst entlarvend wie symptomatisch. Mal davon abgesehen, dass niemand behauptet hatte, Neuhof, der Kreis Fulda oder Osthessen seien ein „brauner Sumpf“, zeigt die Reaktion, dass für viele Kommunalpolitiker Rechtsextremismus immer noch in erster Linie ein Imageproblem ist. Insofern verwundert es wenig, dass rechte Strukturen und Aktivitäten in Osthessen nur dann Thema sind, wenn sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden.

Das Bündnis „Fulda stellt sich quer“ sowie weitere antirassistische Initiativen und Einzelpersonen in Osthessen tun genau das. Sie machen öffentlich, worüber am liebsten nicht gesprochen werden soll. Das tun sie nicht selten laut und polemisch. Wenn alles schweigt, hilft manchmal nur noch Schreien.
Fulda und Osthessen haben kein Imageproblem, sondern ein Problem mit dem Hinsehen und Benennen. Die Aktivitäten der Identitären etwa waren bekannt, bevor die FR über sie berichtete. Der Staatsschutz kannte die Identität des Regionalleiters. Darüber gesprochen wurde nicht. Vielleicht führen die Drohungen gegen Andreas Goerke und seine Familie ja nun wenigstens dazu, dass auch vor Ort offen über das Problem gesprochen wird. Nicht über einen Sumpf – denn Sümpfe werden in den wenigsten Fällen von Menschen geschaffen. Rechtsradikale Strukturen schon.

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