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Keine Chance für Graue Wölfe

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Ein Demonstrant in Frankfurt trägt ein Stirnband der türkisch-nationalistischen "Grauen Wölfe" (2007).
Ein Demonstrant in Frankfurt trägt ein Stirnband der türkisch-nationalistischen "Grauen Wölfe" (2007). © dpa

Der Vorsitzende des Wetzlarer Ausländerbeirats, Bayram Serin, wird verdächtigt, Mitglied der rechtsextremen türkischen Vereinigung "Graue Wölfe" zu sein. Serin selbst spricht von einer Hetzkampagne.

Von Thomas Witzel

Seit Monaten schwelt in Wetzlar eine Diskussion, die das politische Klima in der mittelhessischen Stadt nachhaltig beeinflusst und zunehmend auch für Irritationen in der Bevölkerung sorgt. Im Zentrum steht der Name Bayram Serin. Der 38-Jährige ist Vorsitzender des Ausländerbeirates. Mitglieder dieses Gremiums werfen ihm vor, Mitglied der „Grauen Wölfe“, einer Vereinigung politischer Extremisten, zu sein. Jetzt hat Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) die Notbremse gezogen. Mit einer 12-Punkte-Resolution will sich die Stadt nun von türkischen Rechtsextremen distanzieren.

Die „Wetzlarer Internationale Liste“ um den Wissenschaftler Mustapha Ouertani spricht von undemokratischen Tendenzen, nationalistischen Umtrieben und faschistischen Einstellungen im Ausländerbeirat. Im Hintergrund der Vorwürfe steht der „Türkische Sozialdienstverein“ (Bizim Ocak) in Niedergirmes, wo Serin als Berater tätig ist. Der Verein ist dem Dachverband „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ (ADÜTDF) angeschlossen. Ein Verband, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird und als Sammelbecken für Mitglieder und Sympathisanten der „Grauen Wölfe“ eingestuft ist.

Mindestens seit 2008 ist dieser Umstand bekannt. Damals war ein Brandanschlag auf das Vereinsheim in Niedergirmes verübt worden. Und schon damals war entdeckt worden, dass Parteifahne und Wolfsabbildungen an der Wand hingen. Oberbürgermeister Wolfram Dette hat nach eigenen Angaben erst später von extremistischen Umtrieben gehört: „Ein Mitglied des Wetzlarer Ausländerbeirates hat kurz vor der Ausländerbeiratswahl 2010 eine mögliche Mitgliedschaft von Herrn Serin bei den Grauen Wölfen problematisiert und publik gemacht“. Geschehen war damals nichts.

Das Zögern scheint verständlich. Ist doch Wetzlar eine hessenweite Vorzeigestadt in Sachen Integration. Dettes Parteifreund und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn hat die Kommune zusammen mit fünf anderen Städten zur Modellregion erklärt. Und die soll allem Anschein nach nicht in Gefahr geraten. Deswegen sagt Dette jetzt: „Der Magistrat erwartet von den Mitgliedern des Wetzlarer Ausländerbeirates eine klare Abgrenzung von den rechtsextremistischen Grauen Wölfen und den Organisationen, die sich zu diesem Leitbild bekennen“. Er betont, dass es in der Zusammenarbeit mit dem Ausländerbeirat in den vergangenen Jahren ein konstruktives Miteinander gegeben habe und bislang extremistische Äußerungen einzelner Mitglieder nicht bekanntgeworden seien.

Die beiden großen christlichen Konfessionen hatten schon vor einer Woche in einer öffentlichen Erklärung Politiker und Migrantenvertreter aufgefordert, sich deutlich zu distanzieren. Harald Würges, Diakon und Beauftragter der evangelischen Kirchenkreise, betont: „In der Migrantenarbeit darf sich nicht die Ideologie der Grauen Wölfe durchsetzen“. Die Politik habe sich zu lange Zeit gelassen. Nun stehe die Tür aber wieder offen für den richtigen Weg zu Integration, „ohne dass Extremisten mit am Tisch sitzen“.

Warum dies alles gerade hier so eskalieren konnte, dafür hat Würges seine eigene Erklärung: „Es gibt einen türkischen Sozialberater, der ist sogar im Arbeitskreis Migration tätig, und in der SPD. Der hat die 16 türkischen Kultur-Vereine, die sich hinter Bayram Serin gestellt haben, zusammengebracht“. Serin selbst spricht von einer Hetzkampagne. Er sei „durch und durch Demokrat“, zitiert ihn die Lokalpresse. Für die FR war er am Mittwoch nicht zu erreichen.

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