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Nächtliche Kontrolle der U-Bahnstation Bonames-Mitte.
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Nächtliche Kontrolle der U-Bahnstation Bonames-Mitte.

Gewalt im Frankfurter Nahverkehr

Kein Raum der Szene

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Seit zwei Wochen fährt die Polizei am Frankfurter Ben-Gurion-Ring einen knallharten Kurs. Jugendliche aus der Siedlung am Rand des Frankfurter Stadtteils Bonames haben wiederholt im ÖPNV gewütet. Von Georg Leppert

Wenn es Nacht wird am Ben-Gurion-Ring, übernimmt Sascha Apitz das Kommando. Der Polizeioberkommissar gehört dem Sonderkommando Nord an. Derzeit hat er nur eine Aufgabe: die Gewalt in Frankfurts Problemviertel zu stoppen.

Ausgerüstet mit einem Funkgerät, läuft Apitz in der Nacht zum Mittwoch durch den nördlichen Teil von Bonames. Die U-Bahnstation Bonames-Mitte, ein Sportwetten-Büro in der Nähe, die kleinen Straßen, die zum Ben-Gurion-Ring führen, die Parkplätze und dunklen Ecken am Ring - das sind "die neuralgischen Punkte", an denen sich die Jugendlichen treffen. Apitz nennt sie "unsere Klientel": junge Männer im Alter zwischen 15 und 21 Jahren, die immer wieder Stress machen, Passanten anpöbeln, Sachen beschädigen und mitunter "zu Gewaltexzessen neigen", wie sich der Oberkommissar ausdrückt.

Damit soll nun Schluss sein. Mit einer Großoffensive geht die Polizei gegen die Jugendlichen im Ben-Gurion-Ring vor. Ununterbrochen fahren Streifenwagen durch den Ring, die "Klientel" wird aufgespürt, muss sich durchsuchen lassen. So geht das jetzt seit zwei Wochen. Seit zwei betrunkene Männer an der U-Bahnstation randalierten und einer U-Bahnfahrerin so zusetzen, dass sie sich in panischer Angst in ihrem Fahrerhäuschen einschloss.

Der Kontrolldruck zahlt sich aus

Die Nacht zum Mittwoch ist eine ruhige Nacht. "Unsere Maßnahmen scheinen zu greifen", sagt Sascha Apitz, der den Einsatz leitet. Kaum ein Jugendlicher lässt sich auf der Straße blicken. Für Polizeipräsident Achim Thiel und Innenstaatssekretär Boris Rhein (CDU), die die Beamten in der Nacht begleiten, zahlt sich der Kontrolldruck bereits aus.

Es ist kurz vor 22 Uhr, als die Polizisten doch noch tätig werden. An der U-Bahnstation greifen sie zwei Jugendliche auf, die dort sitzen und trinken. Drei Beamte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, einer Spezialtruppe für heikle Einsätze, umstellen die Jungs. Die Verdächtigen müssen die Ausweise zeigen und die Taschen leeren. Verbotenes haben sie nicht dabei, auch liegt kein Haftbefehl gegen sie vor. Gelohnt habe sich die Kontrolle trotzdem, wird Thiel später sagen: "Unser Ziel ist es, die Szene zu verunsichern. Die Jugendlichen sollen sehen, dass die Polizei durchgreift."

"Hände aus den Taschen"

Vor allem aber sollen das die Bürger in Bonames sehen, die sich zuletzt massiv darüber beschwert hatten, dass die Polizei nicht gegen die Jugendlichen vorgehe. Während der Kontrolle hält eine U-Bahn in Bonames-Mitte. Dutzende Fahrgäste steigen aus und bekommen mit, wie die Polizisten die Jungs durchsuchen und sie in barschem Ton zurechtweisen ("Hände aus den Taschen"). Das Sicherheitsgefühl der Menschen in Bonames zu stärken - auch das ist ein Ziel der Offensive.

Die Jugendlichen sind von der neuen Taktik alles andere als begeistert. "Ihr zieht den Ruf des Viertels in den Dreck", schimpft einer während der Kontrolle. Und bei einem Rundgang der Fraktionen im zuständigen Ortsbeirat 10 beschwerten sich vor kurzem viele junge Leute über das Vorgehen der Polizei. Es müsse doch noch möglich sein, sich in seinem eigenen Stadtteil abends auf der Straße aufzuhalten, beklagten sie sich. Und überhaupt: Die Polizei wolle nur eine Show abziehen, die Probleme im Ben-Gurion-Ring seien den Beamten doch egal.

Vielleicht 20 von 6000

Thiel und Rhein ficht diese Kritik offenbar nicht an. Dass im Ben-Gurion-Ring mit seinen 6000 Bewohnern höchstens 20 Jugendliche leben, die immer wieder Ärger machen, und von den ständigen Kontrollen auch unbescholtene junge Leute betroffen sind, ist beiden klar. Doch eine andere Möglichkeit als die Offensive gebe es nicht. "Wir lassen dieser Szene keinen Raum mehr", sagt Thiel.

Denn der Angriff auf die U-Bahnfahrerin war nur die Spitze des Eisbergs. In den Monaten zuvor hatten Jugendliche immer wieder an der Station randaliert. Die meisten Glaskästen, in denen Fahrpläne hängen sollen, sind zerstört und mit Graffiti beschmiert. Und bei Gewalt gegen Sachen blieb es nicht. Bei einer Messerstecherei im Juli 2008 verletzten Jugendliche einen 23-Jährigen schwer. Hintergrund der Tat war ein Streit um Hanfpflanzen. In der Folge arbeiteten die Gerichte zahlreiche Delikte im Ben-Gurion-Ring auf. Die "Alphatiere" sitzen seitdem im Gefängnis, "das macht sich schon bemerkbar", sagt Gerald Müller, Leiter der Polizeidirektion Nord. Doch Ruhe ist am Ring längst nicht eingekehrt.

Sascha Apitz zieht weiter, per Funk erteilt er Anweisungen an die Beamten. Daraufhin fährt der nächste Streifenwagen die Runde durch den Ring. Auf dem Bürgersteig stehen ein paar Jugendliche. Als sie das Polizeiauto entdecken, drehen sie sich weg.

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