Corona-Test

Urlaub 2020: Kein Gratistest erhältlich

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Reiserückkehrer sucht vergeblich und Ärztevertreter fürchten Chaos.

  • Urlaub 2020: Reiserückkehrer können sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.
  • Corona-Tests: Realität der Reiserückkehrer sieht anders aus.
  • Zu wenig Testmöglichkeiten auf das Coronavirus.

Frankfurt - Wer aus dem Ausland nach Deutschland einreist, kann sich seit dem 1. August kostenlos binnen 72 Stunden auf das Coronavirus testen lassen – „bei seinem Gesundheitsamt oder durch einen niedergelassenen Arzt“. Nachzulesen ist dies auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums. Doch die Realität ist eine andere, wie Klaus N. aus dem Wetteraukreis erfuhr.

Der FR-Leser war zwei Wochen in Österreich wandern und wollte am Montag vor der Rückkehr ins Büro auf Nummer sicher gehen. Und erlebte, dass das nicht so einfach ist. Sein Hausarzt bietet nur kostenpflichtige Antikörpertests an und verweist auf die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 116 117. Dort läuft ein Band mit der Ansage, man möge sich im Internet erkundigen. Auch im Gesundheitsamt fühlt sich keiner zuständig, einer der Behördenmitarbeiterinnen fällt noch das Flughafen-Testcenter ein. Das ist dem Urlaubsrückkehrer alles zu umständlich: „Dann lasse ich es halt“, sagt er. Hätte er sich jetzt in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten, bekäme er womöglich Ärger. Für solche Reiserückkehrer gilt seit 1. August sogar die Testpflicht.

Corona und freiwillige Tests: Reiserückkehrer sind verwirrt

Dass die dafür zuständige Anordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium kommen würde, war nur eine Frage der Zeit. Trotzdem habe sie die KV am Freitag überrascht, sagt deren Pressesprecher Alexander Kowalsy. Er könne nicht sagen, wie sie in der Praxis umgesetzt werden solle: „Wir wissen es nicht.“ Dazu müsse man das Bundesgesundheitsministerium (BMG) fragen. „Die Tests kann man beim Gesundheitsamt, an entsprechenden Teststationen am Flughafen, Bahnhof oder anderen Knotenpunkten oder beim niedergelassenen Arzt durchführen lassen. Es werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person übernommen“, heißt es auf dessen Homepage.

Wieder einmal herrscht in der Corona-Gesundheitspolitik ein Tohuwabohu. Behörden entscheiden Dinge, ohne sie mit Praktikern abzusprechen. Am Ende der Kette stehen die Ärzte und Reiserückkehrer, die von Pontius zu Pilatus geschickt werden.

Corona-Tests

Urlaub 2020 und Corona-Tests: Keiner weiß, wie hoch die Nachfrage nach kostenlosen Tests sein werde

„Helfen Sie, wenn Sie irgendwie können, wenigstens für die nächsten zwei bis drei Wochen ein Chaos durch dieses Agieren des BMG zu verhindern“, bittet die KV Hessen in einem internen Schreiben an die niedergelassenen Ärzte, das der FR vorliegt. Keiner wisse, wie groß die Nachfrage nach den kostenlosen Tests auf das Coronavirus sein werde. „Stellen Sie ihre Mitarbeitenden bitte auf alles ein.“ Im Übrigen müsse der Arzt auch kontrollieren, ob der Betroffene tatsächlich im Ausland war, zum Beispiel anhand eines Tickets für Flugzeuge, Bus oder Bahn oder eine Hotelrechnung. „Bitte erwarten Sie hierzu von uns keinen Hinweis, wie Sie das bei sich vor Ort dokumentieren sollen“, heißt es in dem Schreiben der KV. „Das wissen wir nämlich selbst nicht.“

Für den ganzen Aufwand samt Test auf das Coronavirus in Schutzkleidung erhält ein Arzt übrigens ein Honorar von 15 Euro. Man habe Verständnis, wenn Kollegen unter diesen Konditionen nicht mitmachten, schreibt der KV-Vorstand. (Von Jutta Rippegather)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa/dpa-tmn

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