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Erste Hilfe: Kein Bedarf für Lehrer-Nachschulungen

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Lehrer müssen Erste Hilfe leisten, hat ein Gericht geurteilt. Doch längst nicht alle können das. Ist das ein Problem? Das Kultusministerium sagt nein.

Längst nicht jeder Lehrer und jede Lehrerin in Hessen ist in Erster Hilfe geschult. Bedarf für zusätzliche Schulungen aber sieht das Kultusministerium nicht. Das gilt auch, nachdem der Bundesgerichtshof am Donnerstag festgestellt hat, dass eine Haftung des Landes im Falle einer unzureichenden Hilfeleistung bei Unfällen oder Verletzungen von Schülern und Schülerinnen eintreten kann.

Das Gericht hatte deutlich gemacht, dass Lehrer nicht in erster Linie dafür angestellt seien, ihren Schülern Erste Hilfe zu leisten. Dennoch sei etwa bei Sportlehrern mit einer gewissen Regelmäßigkeit damit zu rechnen, dass sie ihren Schülern auch in gesundheitlichen Notlagen beistehen müssten. Deshalb sei eine Haftung der Lehrkräfte nicht nur in Ausnahmefällen angemessen.

So müssten Sportlehrer Schülern Erste Hilfe leisten und im Notfall auch Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten können. Tun sie dies nicht und rufen lediglich einen Notarzt zu Hilfe, sei dies eine Amtspflichtverletzung, für die das Land als Dienstherr haften kann, urteilte der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: III ZR 35/18).

Anlass war das Schicksal von Sören Z., der 2013 im Alter von 18 Jahren beim Aufwärmtraining im Sportunterricht zusammengesackt war und in der Folge schwerste Hirnschäden durch Sauerstoffmangel erlitt. Er ist heute schwerstbehindert. Das Oberlandesgericht muss nun klären, ob eine Amtspflichtverletztung tatsächlich eine Ursache für die Behinderung war.

„Bei uns sind alle Sportlehrer in Erster Hilfe ausgebildet“, erklärte ein Ministeriumssprecher am Freitag auf Anfrage. Auch die Lehrkräfte im Fall von Sören Z. hätten eine entsprechende Fortbildung absolviert. Außerdem müssten Lehrkräfte, die Chemie oder Physik unterrichteten, in Erster Hilfe kompetent sein. „Die Fortbildungen müssen alle vier Jahre aufgefrischt werden“, sagte der Sprecher. Partner des Kultusministeriums für diese Schulungen sei die Unfallkasse.

Eine Erste-Hilfe-Schulung sei auch für Lehrkräfte vorgeschrieben, die mit ihren Klassen oder Kursen einen Wandertag oder eine Klassenfahrt unternähmen. Gleiches gelte für die Teilnahme an den Bundesjugendspielen. Auch wenn nicht alle Lehrkräfte geschult seien, seien in einer Schule immer genügend Personen anwesend, die Erste Hilfe leisten könnten.

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