Kaum Interesse am Blick in die Flughafen-Akten

Wenige Bürger wollen Unterlagen in den Verwaltungen einsehen / Fachleute rechnen mit 100 000 Einwänden gegen neue Landebahn

Frankfurt · 17. Januar · dpa/aro/oz/pgh · Im von Fluglärm besonders betroffenen Flörsheim (Main-Taunus-Kreis) kamen bereits am Morgen zahlreiche Bürger, um sich die 60 Aktenordner mit Papieren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens anzusehen. "Die Leute regen sich auf, dass es so kompliziert ist", sagte die Flughafenbeauftragte der Stadt, Andrea Eder. Auch gebe es Klagen, dass die Frist für Einwendungen zu kurz sei.

Im Technischen Rathaus in Frankfurt dagegen hatten die beiden extra für die Aufsicht eingesetzten Wachleute nichts zu tun, weil kein Bürger Interesse zeigte. Auch in Hanau verirrte sich kein Einziger ins Stadtplanungsamt, in dem die Ordner ausliegen.

In Offenbach wollte bis zum späten Vormittag nur eine Frau einen Blick in die Akten werfen. Für den Normalbürger macht es nach Einschätzung von Carlo Wölfel, stellvertretender Leiter des Offenbacher Amts für Öffentlichkeitsarbeit, ohnehin wenig Sinn, sich die wissenschaftlich abgefassten Planungsunterlagen anzuschauen. Viel wichtiger sei es, sich mit den Konsequenzen des Flughafenausbaus für die persönliche Lebenssituation auseinander zu setzen und seine Einwendungen zu formulieren.

In Mainz zeigten dagegen viele Bürger bereits am ersten Tag Interesse. In fünf Ortsverwaltungen und zwei Behörden der Innenstadt seien bis zum Mittag "überraschend viele Leute" gekommen, sagte Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr. Hier konnten sich Bürger Blanko-Formulare für Einwendungen geben lassen, die schnell vergriffen waren. Einen Blick in die 60 Ordner hätten dagegen nur wenige Bürger geworfen.

Während die Resonanz in Mörfelden-Walldorf gleich null war, nutzte in Kelsterbach gut ein Dutzend Bürger bereits in den

Immobilienbesitzer informieren sich

ersten Stunden die Möglichkeit, das umfangreiche Material einzusehen. "Vor allem Eigentümer von Grundstücken und Immobilien, die vom Bau der Nordwestbahn besonders betroffen wären, haben sich informiert", berichtete der für den Flughafenausbau zuständige Jochen Schaab.

Fachleute schätzen, dass rund 100 000 Einwendungen gegen das Projekt erhoben werden. Im Herbst sollen diese öffentlich erörtert werden. Die Landebahn könnte 2009 in Betrieb genommen werden.

Unabhängig von der Planung für die Bahn soll am Flughafen eine Wartungshalle für den Großraumflieger A 380 entstehen. Hier ist das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen, die Flughafenbetreiberin Fraport kann mit dem Bau beginnen. Derzeit ist allerdings ein Eilantrag von Ausbaugegnern beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängig. Laut Gerichtssprecher will der zuständige Senat "so schnell wie möglich" und möglichst vor Beginn von Rodungen entscheiden. Die Unterlagen liegen bis 16. Februar aus. Bis zum 2. März können beim Regierungspräsidium Darmstadt Einwendungen erhoben werden.

www.profutura.net, www.mainz.de, www.zukunft-rhein-main.de

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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