Durchgängig begehbar: Die neuen Mittelwagen werden an vorhandene U-Bahn-Wagen (Bild) gekuppelt.
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Durchgängig begehbar: Die neuen Mittelwagen werden an vorhandene U-Bahn-Wagen (Bild) gekuppelt.

Verkehr in Frankfurt

VGF kauft 22 U-Bahn-Wagen

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Fahrzeuge werden bis Frühjahr 2021 geliefert und sind Teil einer „Beschaffungsinitiative“.

Um die steigenden Fahrgastzahlen in der wachsenden Stadt aufzufangen, kauft die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) 22 U-Bahn-Wagen. „Der Vertrag mit dem Hersteller Bombardier ist schon unterzeichnet“, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Über die Kosten haben die VGF und der Hersteller Stillschweigen vereinbart. Dem Vernehmen nach kosten die Wagen vom Typ „U5“ rund 57 Millionen Euro, also etwa 2,6 Millionen Euro pro Stück.

Die sogenannten Mittelwagen sind 25 Meter lang. Sie haben keine Führerstände und werden zwischen andere U-Bahn-Wagen von Typ U4 oder U5 gekuppelt. Die U-Bahnen werden dadurch auf bis zu 100 Metern durchgängig begehbar. „Der Fahrgastfluss wird verbessert. Es ist entscheidend, dass die Abfertigung an der Tür schnell geht, damit die U-Bahn schnell weiterfahren kann“, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. In den Wagen gibt es 48 Sitz- und 136 Stehplätze. Geliefert werden sie zwischen März 2020 und Frühjahr 2021.

„Der Frankfurter Nahverkehr ist an der Kapazitätsgrenze“, sagte Stadtrat Oesterling. Allein auf der A-Strecke - der meistbefahrenen U-Bahn-Strecke in der Stadt - seien die Fahrgastzahlen von der Hauptwache bis zum Eschenheimer Tor zwischen 2010 und 2017 von 77 000 auf 110 000 Fahrgäste am Tag gestiegen. Der Kauf sei Teil einer „Beschaffungsinitiative“, sagte Oesterling. Zuletzt hatte sich die VGF mit dem französischen Hersteller Alstom auf den Kauf von 43 Straßenbahnen geeinigt. Die Trams kosten rund 113 Millionen Euro und werden ab Ende 2020 geliefert. Die Straßenbahnen vom Typ „Citadis X05“ sollen die alten Trams vom Typ „R“ und „Pt“ ersetzen.

Mit dem Kauf der U-Bahnen und Straßenbahnen habe die Stadt „ausreichend Fahrzeuge bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts“, sagte Oesterling. Weitere Fahrzeuge müssten angeschafft werden, wenn die Ringstraßenbahn und die U-Bahn-Verbindung von Bockenheim nach Ginnheim gebaut werde. Für den Kauf der U-Bahn-Wagen habe die VGF auf eine Ausschreibung verzichten können. Der Auftrag sei direkt an den kanadischen Hersteller Bombardier vergeben worden. „Das hat uns ein Jahr Zeit erspart.“ Gekauft worden seien Mittelwagen auch deshalb, weil eine neue EU-Norm den Kauf von U-Bahnen mit Führerstand erschwert habe.

Die Norm sehe vor, dass U-Bahnen besser gegen Unfälle gesichert werden sollen, in dem etwa Front und Heck verstärkt werden müssten. Das habe den Kauf der gängigen U5-Wagen unmöglich gemacht. Die Mittelwagen seien zwar ohne Führerhaus, aber voll funktionsfähig, sagte Rüffer. Falls es zur Havarie komme, lasse sich im Zug ein Tisch mit Bedienelementen ausklappen, aus einem Schrank, der sich nahe des Faltenbalgs, also des Ziehharmonikadurchgangs, befinde. „Dann fährt die Bahn in gedrosseltem Tempo zur nächsten Werkstatt.“

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